21 März 2010, 22:39
Auch jetzt erleben wir eine Kampagne gegen die Kirche
 
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Bistum Regensburg distanziert sich von Meldung des Bayerischen Rundfunks: Es gab keinen Nazi-Vergleich!

Regensburg (kath.net)
Das Bistum Regensburg hat sich am Sonntag am Abend von einer kolportierten Meldung des Bayerische Rundfunks distanziert, in der verbreitet wurde, dass Bischof Müller die derzeitige Berichterstattung mancher Medien mit der kirchenfeindlichen Haltung des nationalsozialistischen Regimes verglichen habe.

Kath.Net dokumentiert den Ausschnitt aus der Predigt von Bischof Gerhard Ludwig Müllers vom Samstag im Dom zu Regensburg anlässlich der Hundertjahrfeier des Katholischen Deutschen Frauenbundes in der Diözese Regensburg

„Von Generation zu Generation konnte man sich nicht einfach auf das Tradierte verlassen so wie wir´s gelernt haben von unseren Vätern und Müttern, so machen wir es auch. Die Fragen der Kindheitserziehung, wie Mann und Frau miteinander leben, Kleinfamilie, Großfamilie, die Möglichkeit, dass auch Frauen studieren können, in das Arbeitsleben nach und nach eingefügt werden, in der beginnenden und damals schon auf dem Höhepunkt bestehenden Industrialisierung - hier war die Gründung des Frauenbundes. Nicht indem man traurig zurückgeschaut und gesagt hat: Früher gab´s mal eine bessere Zeit. Das pflegen wir wie so ein Traditionsverein, ein historischer Verein, eine Museumsgruppe, sondern tatkräftig hat man sich den neuen Herausforderungen gestellt aus dem christlichen Glauben heraus.

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Und man war sich bewusst, was es eigentlich heißt, dass unser katholisches Leben in ganz Deutschland - auch in unserem Bistum - im 19. Jahrhundert wesentlich durch das Laienengagement in den katholischen Vereinen und Verbänden geprägt worden ist. Mit der Soziallehre, mit unseren wesentlichen lehramtlichen Aussagen zur Anthropologie, zum Menschenbild, zur Würde des Menschen, dass der Mensch da ist in dieser Welt, um Sinn und Liebe zu erfahren; und dass er nicht der Arbeit wegen nur da ist oder dass er ein Produkt ist, ein billiges Mittel zum Zweck, damit die einen sich bereichern und die anderen irgendwie nur ihr Leben dahinfristen.

Nein, aus unserem Werteverständnis daraus, aus unserem Engagement für die Welt besinnen sich Frauen in unserem Bistum auf das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen, das, wenn es nach außen gewendet wird in dem Weltauftrag der Kirche, das Laienapostolat heißt. So ist unser Frauenbund eine volle und gute Realisierung, eine Bündelung der Charismen unserer Frauen im Dienst an der Kirche für die Welt.

Ein zweiter, herausragender Punkt: In einer großen Krisensituation – 1941 - haben die Frauen unseres Frauenbundes in Regensburg und in Amberg gegen die damals triumfierende, nationalsozialistische Bewegung, diese neuheidnische Ideologie, christentumsfeindliche, menschenfeindliche Ideologie gewandt. Es war in unserem Bistum in Regensburg mit 1000 Personen, meist aber Frauen, und in Amberg mit 500 Teilnehmern - auch meistens Frauen -, waren es die größten, öffentlichen Demonstrationen gegen dieses nationalsozialistische Unrechtssystem. Denen mit ihrem titanischen Wollen, mit ihrem Aufbegehren gegen Gott, dem Nicht-Dienen-Wollen, Sein-Wollen wie Gott, sich selber an die Stelle Gottes setzen wollen in dieser Ideologie, war natürlich das Kreuz Jesu Christi. Jesus Christus, der für uns am Kreuz aus Liebe für und Menschen gestorben ist, ein Dorn im Auge. Darum der Erlass, alle Kreuze - Bildnisse Christi des gekreuzigten Herrn - müssen aus den öffentlichen Schulen heraus, aus allen öffentlichen Gebäuden heraus muss Christus verschwinden.

Denn, so sagte man, bei uns der Starke, der sich Durchsetzende, der sich nicht um die geringen und die gequälten Menschen kümmernde, der sich brutal drüber hinwegsetzt, der Übermensch - das ist unser Idealbild und nicht dieser schwache Gott am Kreuz, der nicht mit militärischen Leistungen glänzt und auftrumpft, sondern der durch seine Ohnmacht uns Menschen einlädt und uns dadurch als Geschöpfe Gottes diese Herrlichkeit in Freiheit der Kinder Gottes ermöglicht, sodass wir durch die Demut Gottes erhoben werden und um unsere wahre Würde als Menschen wissen. Wo wir aber nicht auftrumfen, uns nicht überlegen dünken gegenüber anderen, sondern wo wir den Weg des Dienstes und der Liebe gehen, dass wir einander freundschaftlich gesinnt sind, brüderlich und schwesterlich miteinander verbunden sind, sodass sich alle ihrer Würde in Jesus Christus bewusst seien, aber sich nicht die einen über die anderen erheben, sondern wir gemeinsam, jeder nach der Gabe, wie er sie vom Geist empfangen hat, mitwirken, dass das Ganze des Leibe Christi, der Kirche und die Gesamtheit der Gesellschaft, der Gemeinschaft der Menschen auf einem guten Weg gebracht wird.
Mut von Frauen in dieser Zeit - das ist etwas was vorbildlich ist und was auch in unserer Gegenwart so unabdingbar bleibt.

Auch jetzt erleben wir eine Kampagne gegen die Kirche. Von so vielen Medien wird gegen die Kirche gezischt, so als ob man sich vorkommt, als ob man in einem Gänsestall hier die Gänse aufgeweckt hätte, so wird gefaucht und gezischt gegen die Kirche. Gewiss, wir wissen es, dass auch wir Sünder sind und dass auch wir nicht die Kirche der Heiligen alleine sind, sondern auch der Sünder. Das gehört auch zur Reife unseres Glaubens. Dass wir nicht ein völlig idealisiertes und menschenfernes, weltfernes Bild haben von der Kirche, sodass wir unsere Lehre von der Erbsünde und der Anfälligkeit auch der Getauften für die Sünde, ja für die Verbrechen vergessen würden und deshalb von einer idealistischen Höhe in eine resignierte und zynische Distanz zur Kirche umschwenken würden.

Es geht darum heute, die Glaubwürdigkeit der Kirche zu erschüttern. Das ist das Ziel dieser Kampagne gegen die Kirche. Die Leute, die vorm Fernsehen sitzen, die Zeitung aufschlagen, denen wird dann suggeriert, und sie werden manipuliert durch zurechtgestutzte und verkürzte Berichte, durch ständige Wiederholungen von Vorgängen aus alter Zeit, wo dann der Eindruck erweckt wird, die Kirche - das ist ein Nest, wo die Leute völlig verdorben sind und wo alles drunter und drüber geht. Und dann sagt unser Zeitgenosse: Da melde ich mich jetzt ab, da mache ich nicht mehr mit. Das ist das Ziel. Hier kommt es darauf an, Reife des Glaubens zu haben, nicht auf all diese Schalmeien wie 1941 hereinfallen, so auch heute nicht.

Und so wie damals die Katholikinnen und Katholiken treu gewesen sind der Kirche Jesu Christi, der sie angehören und die sie als lebendige Glieder des Leibes Christi ja auch sind und darstellen und treu sind zu ihren Hirten, zu den Bischöfen und Priestern, die - obgleich sie auch fehlbare und sündige Menschen sind - aber doch in ihrer großen Mehrheit sich ganz dahingeben, ihr Leben selbstlos einsetzen für uns, und für uns da sind, so wollen wir auch heute in dieser bedrängten Situation als Kirche zusammenstehen auf Jesus Christus hinblicken, der uns den Weg vorangeht, der uns aber auch unsere Sünde und Schuld vergibt. Das was wir wissen, wir sind Kirche der Heiligen, der Heiligkeit, die von Gott her kommt, aber oft durch unsere Sünden, Fehler und Nachlässigkeiten verdunkeln wir das Bild der Kirche und geben wir Anlass dazu, dass andere ihre Kirchenfeindschaft nun bestätigt sehen und Brandsätze hineinwerfen wollen in das Haus Gottes und es von dem Erdboden vertilgen wollen.

Aber wer auf dem Felsen steht, der Jesus Christus ist, der Felsen Petri, auf dem Jesus Christus seine Kirche gebaut hat, der wird - auch wenn Wind und Wellen das Schifflein Petri umstürmen - der wird nicht verzagen, sondern auf Christus hinblicken. Und ganz plötzlich steht auf einmal Christus auf und sagt uns, den verzagten Jüngerinnen und Jüngern: Warum habt ihr solche Angst? Er steht auf und gebietet Wind und Wellen. Und dann wird Christus wieder glaubwürdig in unseren Herzen. Dann stehen wir als seine Jüngerinnen und Jünger auch wieder ganz zu ihm und lassen uns nicht von den Angst machenden Stürmen und Wellen aus dem Gleichgewicht bringen.

Und einen dritten Punkt, den ich erwähnen möchte von unserem Frauenbund in der Gegenwart: Dass wie auch in der Vergangenheit, nicht nur herumgeredet wird, Nabelschau betrieben wird, irgendwelche zeitgeistigen Fabulierungen durhc die Gegend geschrieben werden, sondern dass unser Frauenbund nach wie vor tatkräftig ist, tatkräftige Nächstenliebe, Zeigeistkritik übt, und sich auch hinstellt und für andere Menschen eintritt.

Dass wir - ich war auch dabei und bin froh, dabei gewesen zu sein und diese Ausstellung eröffnen zu können im Bahnhofsgelände hier in Regensburg - zu den vielen Frauen und auch Männern, jungen Menschen, die aus den früheren Ostblockländern gelockt oder entführt werden, weil man sie zu Sexsklavinnen machen will, die die Menschen zutiefst entwürdigt. Hier fehlt mir der öffentliche Aufschrei. Hier sind unsere Medien nicht dahinter, nur ganz klein wird es irgendwo geschrieben. Wenn es um Fälle geht innerhalb der Kirche vor 50 Jahren, da sind alle Seiten voll seit 3 Monaten. Aber wenn es um Menschen geht, die jetzt augebeutet und entwürdigt werden, die zu Lustobjekten heruntergewürdigt werden, da fehlt der Aufschrei. Und da ist es - wie 1941 - nötig, dass unsere Frauen aufschreien und bekennen, auch wenn die Umgebung herum nichts hören will und das nicht für aktuell hält. Und diejenigen, die in der Öffentlichkeit die Verantwortung tragen, den ganzen fernbleiben und dem nicht die nötige Aufmerksamkeit schenken, wie es wirklich notwendig ist. Wie es sich für Menschen, für Ehre und Würde, gehören würde, dass sie öffentlich ihre Stimme erheben als Politikerinnen und Politiker ihren Einfluss geltend machen, um einem solchen schandbaren Treiben das Handwerk zu legen. Das ist unser Frauenbund, auf den ich - und das sage ich hier in der Mitte unserer Kathedrale - so stolz bin, weil sie den Mut haben, auch gegen den Zeitgeist für die Würde von Frauen und Männern einzutreten.







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