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Voderholzer: „Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen“

24. Juli 2020 in Aktuelles, 2 Lesermeinungen
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Regensburger Bischof bei erster Visitation nach Corona: "So wichtig die Medien sind: Die Kirche ist keine Whatsapp-Gruppe, keine Freundesgruppe in Facebook, sondern Leib Christi" - Staatliche Corona-Maßnahmen sind keine beginnende Christenverfolgung


Bad Kötzting (kath.net/pbr) Ganz bewusst und rechtzeitig vor dem Beginn der bevorstehenden Sommerpause hat Bischof Dr. Rudolf Voderholzer den ersten Pastoralbesuch in einem Dekanat des Bistums nach dem Beginn der Corona-Pandemie durchgeführt. Der Pastoralbesuch bildete den Abschluss der Visitation des Dekanats Bad Kötzting, die zuvor monatelang im Auftrag des Regensburger Bischofs durch Regionaldekan Holger Kruschina aus Roding abgehalten worden war.

Bei dem ganztägigen Besuch des Bischofs am vergangenen Mittwoch waren verschiedene Einschränkungen in Kauf zu nehmen. Maßgeblich jedoch ist das Signal und die Ermutigung, die von der Wiederaufnahme nach vier Monaten Pause ausgehen. In Begleitung von Regionaldekan Kruschina und Dekan Herbert Mader aus Bad Kötzting verschaffte sich der Bischof von Regensburg einen mehr als repräsentativen Überblick über das Dekanat. Ermöglicht wurde dies einerseits durch das Aufsuchen verschiedener weltlicher wie auch kirchlicher Einrichtungen, anderseits durch den zahlreichen Austausch und das vielfach angeregte Gespräch des Bischofs mit ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern sowie überhaupt mit vielen Gläubigen aus dem gesamten Dekanat. Höhepunkt war die Feier der heiligen Messe in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Bad Kötzting, der der Bischof am Abend vorstand.

In seiner Predigt vor rund 50 Gläubigen aus dem ganzen Dekanat erklärte der Bischof: "So wichtig die Medien sind: Die Kirche ist keine Whatsapp-Gruppe und auch keine Freundesgruppe in Facebook, sondern sie ist Leib Christi." Dass es unmöglich war, einen vollbesetzten Gottesdienst zu feiern, bedauerte Dr. Voderholzer sehr: "Wie gerne hätte ich alle Pfarrgemeinderäte und Kirchenverwaltungsmitglieder jetzt mit uns gewusst. Ich ersehne den Tag, wenn wieder alle Bänke gefüllt sind." Allerdings zeigte sich der Bischof auch sehr froh, "dass es in einem verantwortlichen Sinne so überhaupt schon wieder möglich ist". Allen engagierten Gläubigen dankte er für "Leidenschaft, Kreativität und Einfallsreichtum", mit der Situation umzugehen. Ein besonderer Schmerz sei es gewesen, Kranke nicht besuchen zu können und den Sterbenden nicht beistehen zu können. "Wir müssen jetzt wieder das Vertrauen lernen, ohne leichtsinnig zu werden."


Die Vermessung der Welt am Hightech-Hügel von Wettzell

Bereits am Vormittag hatten der Bischof, Regionaldekan Kruschina und Dekan Mader die Geodäsiestation Wettzell bei Bad Kötzting besucht, wo sich die Wissenschaft von ihrer beeindruckenden Seite zeigt. Die Einrichtung untersteht dem Bundesamt für Kartographie und Geodäsie. Von hier aus wird kontinuierlich die Erde vermessen, "weil sie sich kontinuierlich verschiebt", wie Privatdozent Dr. Alexander Neidhardt bei seinen Erklärungen ausführte. Prof. Dr. Torben Schüler, Leiter der weltweit renommierten Datensammelstation, war auch zugegen. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass das eigene Navigationsgerät und Handy auf Daten vom "Hightech-Hügel" zurückgreifen, wie die Einrichtung gelegentlich genannt wird. Dass das Innere der Erde flüssig ist, weiß man nicht zuletzt aus Daten, die in Wettzell gemessen werden. Ein Erdbeben auf der anderen Seite der Erde lässt sich von hier aus nach ca. zwölf Minuten lokalisieren. Funktionen der Station sind der Bevölkerungsschutz, Beratung und die Zurverfügungstellung von Daten, wobei diese nicht selten einen geopolitischen Charakter haben. Auch Google Maps greift darauf zurück. Bischof Voderholzer erhielt zahlreiche Einblicke in die Radioteleskope, das Laserteleskop und den Ringlaser, die das Grundstück prägen.

Familie Gmach und ihr Hotel Birkenhof am Elfenhain in Grafenwiesen unweit von Bad Kötzting zu besuchen, war die nächste Erfahrung: Das Hotel-Ensemble hatte drei Monate Pause wegen Corona einlegen müssen. 120 Angestellte waren in Kurzarbeit. Die Übergabe des Betriebs an die Tochter, die für dieses Jahr vorgesehen war, hat sich wegen Corona verschoben. Gmachs aber haben "die Zeit genützt und das Haus renoviert". Manche Gegebenheit hat sich überraschend als günstig erwiesen. So gibt es in dem Komplex viele kleine Ruheräume und zehn Saunas. Auch hat es sich als sinnvoll erwiesen, dass bereits zuvor zwei Eingangsbereiche zum gesamten Hotelbereich angelegt waren. Die erfahrene Familie von Hoteliers bald in der dritten Generation war sehr zuversichtlich, dass die Situation gut gemeistert werden kann.

Beim Besuch des Kindergartens St. Johannes in Hohenwarth stellte sich heraus, dass es ein gutes Miteinander von politischer und Kirchengemeinde gibt. Erster Bürgermeister Franz-Xaver Gmach sagte, angesichts der vielen vorhandenen "Schnittmengen" laufe es "sehr gut". Bischof Dr. Voderholzer erklärte: "Dass es ein solches gutes Miteinander gibt, das höre ich gerne." Mit Pfarrer Hans Wutz, der Leiterin des Kindergartens Sabine Wurm-Rupprecht und den Erzieherinnen sprach der Bischof über die derzeitigen Einschränkungen des Betriebs. Unter Beachtung aller notwendigen Auflagen geht der Betrieb des Kindergartens weiter. Der Bischof brachte sein großes Bedauern zum Ausdruck, dass im Rahmen seines Pastoralbesuchs keine Kindersegnung möglich war, wie sie bisher gern geübter Brauch war. Bischof Voderholzer sagte: "Wir wollen uns nicht aus den Kindergärten zurückziehen. Eltern sollen bewusst die Entscheidung treffen können, ihr Kind in einen katholischen Kindergarten zu schicken." Im Bistum Regensburg gibt es 380 Kindergärten in kirchlicher Trägerschaft.

Nicht warten, sondern tun, was möglich ist

Die letzte Visitation des Dekanats hatte im Jahr 2009 stattgefunden. Bei der Dekanatskonferenz in Bad Kötzting sagte Regionaldekan Holger Kruschina zur Zukunft des Dekanats: "Strukturen müssen uns dienen, sie dürfen uns nicht bremsen." Der Bischof dankte Pfarrer Kruschina, dass er das Amt des Regionaldekans - bei mehreren anderen Belastungen - angenommen hat. Er sagte: "Wir müssen anfangen, Schritte auf die Normalität hin zu tun: also versuchen, das zu tun, was möglich ist. Wenn wir warten, bis wieder alles so wird, wie es bis Februar 2020 war, dann können wir lange warten."

Auch appellierte der Bischof von Regensburg: "Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Wir lassen nichts ausfallen, wir lassen uns etwas einfallen." Es sei hochrespektabel, wie kreativ in den Pfarreien mit der Situation umgegangen wird, so Dr. Voderholzer: "Ich bin froh und dankbar, wie leidenschaftlich sich die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter einsetzen." Über die Aussagen von Kritikern fand er deutliche Worte: "Wir haben uns nicht dem Staat unterworfen. Das sind keine Aspekte einer beginnenden Christenverfolgung." Vielmehr sei er "stolz auf die vielen Arten und Weisen, mit denen die Situation - auch geistlich - gemeistert wurde: all die Übertragungen, Newsletter, Vorlagen für Hausgottesdienste und noch so vieles mehr". Bischof Voderholzer sprach sich jedoch dafür aus, die Kirche jetzt nicht auf Medien zu reduzieren: "Manches werden wir für die Zukunft übernehmen. Aber wesentliche Vollzüge unseres Glaubens setzen die menschliche Berührung oder doch Nähe voraus." Er wandte sich mit deutlichen Worten gegen Auffassungen, wonach Hauptamtliche nun die Hände in den Schoß legten und einen Sonderurlaub genössen. "Der schlimmste Eindruck wäre, dass uns die Gestaltung des Glaubenslebens auch unter schwierigen Situationen nicht wichtig wäre."

Der Bischof bat auch darum, Verständnis für die tief verunsicherten Menschen zu haben. Wir seien noch längst nicht über dem Berg. Nun gelte es, klug, leidenschaftlich und mit einem langem Atem zu agieren. Er hob auch die hervorragende Bedeutung der Ministrantenarbeit in diesen Zeiten hervor. Konkret wurde gesprochen über den allmählichen praktischen Wiederbeginn des sakramentalen Lebens. An einigen Orten etwa wird demnach die Feier der heiligen Erstkommunion auf drei oder vier Termine ausgedehnt.

Im Gespräch mit Pfarrgemeinderatssprechern und Mitgliedern der Kirchenverwaltungen zeigte sich, dass nun wieder Themen ohne Bezug zu Corona "erwachen": So ging es um zahlreiche Fälle von Bauvorhaben, die manche Gefühle an den Tag brachten. Die bischöfliche Verwaltung, verdeutlichte und versicherte auch der Bischof von Regensburg, habe jedenfalls immer subsidiär für die Pfarreien und somit für die Gläubigen da zu sein.

Foto (c) Bistum Regensburg


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Lesermeinungen

 Sol 24. Juli 2020 
 

"Wir lassen uns etwas einfallen"

Wie groß der Einfallsreichtum der Deutschen Bischofskonferenz ist, sieht man an dem Synodalen Weg.
Es ist davon auszugehen, dass Personen die sich nicht impfen lassen mit Sanktionen belegt werden. So soll ein Impfzwang "durch die Hintertür"eingeführt werden. Diese Einschränkungen werden sich möglicherweise auch auf die Teilnahme an Gottesdiensten erstrecken. Ich bin gespannt, was sich unsere Bischöfe werden einfallen lassen, um dies zu verhindern.

@Schlegl
Der Aufruf "Veritas liberabit vos" bringt die ganze Problematik der Corona-Krise auf den Punkt. Halten Sie die Personen, die diesen Aufruf unterzeichnet haben für Verschwörungstheoretiker?


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 SCHLEGL 24. Juli 2020 
 

Klare Worte des Bischofs

Gott sei Dank fand Bischof Vorderholzer klare Worte gegen Verschwörungstheoretiker: " Über die Aussagen von Kritikern fand er deutliche Worte: "Wir haben uns nicht dem Staat unterworfen. Das sind keine Aspekte einer beginnenden Christenverfolgung." ZITATENDE.
Die Situation war traurig genug, aber sowohl Katholiken, Orthodoxe, Protestanten, wie auch Juden und Moslems haben die Einschränkungen bei Gottesdiensten unterstützt.
Sogar in Mekka,bei den radikalen Wahabiten,sah man gespenstische Leere rund um die Kaaba.
Die orthodoxe Kirche, ebenso die griechisch katholische Kirche der Ukraine und in Rumänien sind, wenn möglich, auf Liturgien unter freiem Himmel ausgewichen.
Die österreichische Nachrichten berichteten von 2 serbisch orthodoxe Kirchen in Wien, in denen Priester und Gläubige angesteckt waren. Ein Baby musste sogar in Spitalsbehandlung gebracht werden.
Das Virus ist unberechenbar, vielen macht es überhaupt keine Symptome und bei manchen, auch jungen Menschen, schlägt es hart zu.


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