19 März 2009, 08:08
Vom 'Monster' zum Menschen
 
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Möge Josef F. seine Gnadenstunde erkennen, auch wenn er jetzt vom weltlichen Gericht – und das mit Recht! – verurteilt wird - Ein Kommentar zum "Fall Josef Fritzl" von Dr. Josef Spindelböck

St. Pölten (kath.net)
Der ORF meldete am Mittwoch, dem 18. März 2009: „Mit einem Paukenschlag begann der dritte Prozesstag im Fall Josef F. am Mittwoch. Der Angeklagte bekannte sich völlig überraschend zu sämtlichen Anklagepunkten schuldig. Das nunmehrige Geständnis umfasste auch den inkriminierten Mord durch Unterlassung und den Sklavenhandel. Bisher hatte sich der Angeklagte nur teilweise zur versuchten Vergewaltigung, der schweren Nötigung, der Freiheitsentziehung und der Blutschande schuldig erklärt.“

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Wie kann man sich diesen Sinneswandel, diese so späte Einsicht in die furchtbaren Untaten seines Verbrechens erklären? Wir wissen nicht, was in einem solchen Menschen, den manche Medien bereits als das „Monster von Amstetten“ bezeichnet haben, vorgeht.

Offenbar ist dem Angeklagten das im Prozess vorgeführte elfstündige Video mit Aussagen seiner von ihm über Jahre hinweg sexuell missbrauchten und wie eine Sklavin im Kellerverlies gehaltenen Tochter nahegegangen, die wie es heißt inkognito an diesem Tag beim Prozess sogar anwesend war.

Sollte es so sein, so zeigt dies, dass auch ein „Monster“ grundsätzlich zur Einsicht und Reue fähig ist, weil in jedem Menschen ganz tief, und sei es noch so entstellt, das Bild Gottes verankert ist, das auch den größten Verbrecher im Gewissen noch zur Einsicht und Umkehr aufruft.

Möge Josef F. seine Gnadenstunde erkennen, auch wenn er jetzt vom weltlichen Gericht – und das mit Recht! – verurteilt wird. Die Solidarität und das Mitgefühl gilt jedoch vor allem den Angehörigen seiner Familie, die durch diesen tyrannischen Despoten und Gewalttäter ihrer elementarsten Freiheitsrechte beraubt worden sind und auf unvorstellbare Weise in ihrem Menschsein gedemütigt wurden.

Möge ihnen Gott gute Menschen als Helfer schicken, die ihnen beistehen und mit dazu beitragen, die furchtbaren seelischen Wunden wenn nicht ganz zu heilen, so doch wenigstens zu lindern und etwas erträglicher zu machen! Wir werden für sie beten.

Josef Spindelböck ist Professor für Moraltheologie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule der Diözese St. Pölten

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