14 Dezember 2008, 08:40
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Wie viele Eltern sind in der Lage, mit ihren Kinder über Liebe und Sexualität zu sprechen? - Die Biologin Leda Galli im Interview.

Rom (www.kath.net/Zenit)
Mit den eigenen Kindern über Sexualität und Liebe zu sprechen, ist ebenso notwendig wie kompliziert. Die italienische Biologin Leda Galli hat dies nun in ihrem neuen Buch gewagt. Unter dem Titel: „Dal corpo alla persona: Il sesso come lo spiegherei ai miei figli”, „Vom Körper zum Menschen: Wie ich meinen Kindern die Sexualität erklären würde“, bietet sie in einem bei San Paolo erschienenem Band, klare Hilfen dazu an.

Dr. Galli, die über mehrere Jahre mit der „Moige“ , der „Italienischen Eltern-Bewegung“ zusammengearbeitet hat und Mitglied des Ethikkomitees des bio-medizinischen Campus in Rom ist, wird in ihrem publizistischen Vorhaben von Kardinal Carlo Caffarra unterstützt.

„Heute herrscht ein Klima des Relativismus, das die Jugendlichen jeden Bezugspunkt raubt“, bemerkt der Erzbischof von Bologna im Vorwort. „Diese finden sich häufig inmitten von existentiellen Ängsten wieder, welche in ihnen eine oberflächliche Sichtweise des Lebens wecken, und sie zu extremen, teils gewalttätigen Verhaltensweisen treibt“.

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„Es ist verständlich, dass viele Eltern unvorbereitet und mit großen Schwierigkeiten ihrer Erziehungsmission gegenüber treten, wobei es ihre Aufgabe wäre, ihr Kind auf seinem Weg zur menschlichen Vollkommenheit zu begleiten“, so Kardinal Caffarra.

ZENIT: Wie kamen Sie auf die Idee, dieses Buch zu schreiben?

--Leda Galli: Die Idee kam mir im Laufe der Jahre, während ich am Gymnasium Biologie unterrichtete; der ausschlaggebende Moment war aber, als mich die „Moige“ bat, im Internet einige Seiten zum Thema Sexualerziehung zu veröffentlichen.

ZENIT: Worin besteht die Neuheit Ihrer Arbeit?

--Leda Galli: Heute scheint es oft, als gäbe es keine Gewissheiten mehr. Außer einer: die Wissenschaft, mit ihren Daten, über die jeder spricht. Eine Arbeit, die ausschließlich auf der Ebene der Ethik aufgebaut ist, würde sofort auf das Argument „…aber das ist deine Ansicht“ treffen, und ein Dialog wäre zu Ende, ehe er begonnen hätte. Es ist tatsächlich so, dass es auf diesem Gebiet heutzutage ebenso viele Ethiken wie Meinungen gibt.

Doch der biologische Wert kann nicht angefochten werden, und stellt daher einen soliden Ausgangspunkt. Darin besteht also die Neuheit: dem Leser verständlich zu machen, dass in der Biologie selbst eine Ethik innewohnt; und es handelt sich dabei nicht, um „meine“ Ethik, oder irgendeine Ethik, sondern jene, die aus sich selbst spricht, durch Logik, aus dem wissenschaftlichen Wert eben. Mit anderen Worten, der Körper hat seine eigene weise Sprache: man muss diese nur erkennen wollen.

ZENIT: Sie haben also einen neuen Weg entdeckt?

--Leda Galli: Falls ich das habe, dann deshalb, weil ich diese Art des Zugangs auf das so weit reichende Gebiet der Sexualität angewandt habe, und auf noch mehr: im Buch wird auch über Liebe und Fortpflanzung gesprochen. Die Sexualität ist nur eine Art Ausgangspunkt.

ZENIT: Was hat Ihnen bei Ihrer Arbeit geholfen?

--Leda Galli: Was mir geholfen hat, genauso wie in meinem Unterricht, ist die bekannte Technik des problem solving. Diese besteht darin, den Jugendlichen nicht einfach vorgefertigte Antworten zu liefern, sondern ihnen zuerst alle wichtigen Elemente des Erkennens zu übermitteln. Anschließend reicht es aus, sie auf ihrem Weg entlang der logischen Kohärenz zu begleiten; dann ist es ihnen selbst überlassen, eine endgültige Antwort zu finden, mit all ihren Konsequenzen. Dadurch werden die Schüler zu aktiven Hauptdarstellern auf ihrem eigenen Bildungsweg.

Es war, und ist es auch weiterhin, eine großartige Erfahrung, die sich von Jahr zu Jahr wiederholt, zu sehen, wie die Augen der Jugendlichen zu „strahlen“ beginnen, immer wenn ihnen bewusst wird, dass sie selbst auf eine kleine oder große Wahrheit gestoßen sind! Denn Jugendliche sind sehr feinfühlig, wenn es um die Wahrheit geht: sie erkennen sie, wenn wir die Geduld aufbringen, ihnen Orientierung zu geben. Und wenn sie sie entdecken, dann lieben sie sie. Es kann sein, dass ihr Blick darauf, von der Welt wieder verdunkelt wird, aber was mit Sicherheit bleibt, ist die erlernte Methode, sie auch wieder zu finden.

ZENIT: Befürchten Sie nicht, dass das Buch mit Konfessionalismus in Zusammenhang gebracht wird? Dass es sich also nur an ein katholisches Publikum richtet…

--Leda Galli: Überhaupt nicht. Wären meine Ausgangspunkte die Offenbarung oder das Lehramt der Kirche, dann vielleicht. Doch meine Arbeit beginnt ganz woanders, und zwar bei der Biologie. Sie entwickelt sich ausschließlich entlang der Anthropologie, einem Thema, das für jeden verständlich ist: Katholiken, Gläubige anderer Religionen oder auch Nichtgläubige. Es reicht aus, ein Mensch zu sein.

Wenn dann zusätzlich die beiden Anthropologien, die christliche und jene im Buch, miteinander übereinstimmen, dann war das keine Absicht… Doch die Sache erstaunt mich auch nicht: die Wahrheit ist nur eine, von wo auch immer man startet! Es ist so, dass heute, eine Anthropologie, die auf gewissen Wahrheiten der menschlichen Person basiert, fast ausschließlich von der Kirche vertreten wird, und so wird jeder des Konfessionalismus beschuldigt, der sich an jene Wahrheiten hält.

ZENIT: In Ihrem Buch behandeln Sie heikle und schwierige Themen. Befürchten Sie nicht angegriffen zu werden?

--Leda Galli: Kann sein. Dies war bereits der Fall, als wir ähnliche Themen im Internet veröffentlicht haben. Auch die „Moige“ wurde wegen mir attackiert. Doch wenn man von einer Wahrheit überzeugt ist, dann bestärken einen diese Angriffe nur noch mehr.

ZENIT: Es scheint, als richte sich das Buch an die Eltern, doch kann es auch den Jugendlichen dienen?

--Leda Galli: Es ist klar, dass als erstes die Eltern um die Erziehung ihrer Kinder besorgt sind; doch es sind in erster Linie die Jugendlichen, die dringend ein paar klare Worte brauchen. Ich habe daher dieses Buch so geschrieben, dass es auch gut von Jugendlichen gelesen werden kann.

--ZENIT: Was erwarten Sie sich von Ihrem Buch?

--Leda Galli: Dass es lehrt, die Sprache des Körpers zu verstehen, nicht nur seine Biologie. Dass es all jene tiefere Bedeutungen erkennen lässt, die diese ohne Vorurteile suchen. Auf dass das perfekte Gleichgewicht zwischen Wissenschaft und Ethik gefunden werden kann, das wunderbare Einblicke in die Schönheit des menschlichen Wesen eröffnet.

(Aus dem Italienischen übersetzt von Katharina Marschall.)

Foto: © DAK

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