18 August 2006, 09:01
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Sexualität ist nicht Sex. Auch das lernen Jugendliche in einem Programm, das die Liebe ganzheitlich angeht. Teil 3 der KATH.NET-Serie über natürliche Empfängnisregelung.

Wien (www.kath.net,pb) Was ist nur mit mir und meinem Körper los? Was ist Liebe? Was ist Sex? Und wie hängt das zusammen? Viele Teenager stehen recht hilflos vor diesen Fragen und irren herum zwischen billiger „Bravo“-Aufklärung und offensivem Sexualkunde-Unterricht. Eine echte Alternative bietet das TeenSTAR-Programm.

„STAR“ ist die Abkürzung für „Sexuality Teaching in the context of Adult Responsabilty“. Was das bedeutet, erklärte Helga Sebernik, die Österreich-Leiterin von TeenSTAR. „Die Sexualität wird in die eigene Persönlichkeit integriert, wobei die Fruchtbarkeit als Gabe und Aufgabe einbezogen wird.“

Bewusstes Frau- und Mannwerden

Das Programm steht für „bewusstes Frau- und Mannwerden“, beschreibt sie. Die Teilnehmer lernen, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen. „Das lässt sich lernen, so wie eine Berufsausbildung oder der Führerschein.“

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Entwickelt wurde TeenSTAR Anfang der 80er Jahre von der gebürtigen Österreicherin Hanna Klaus, einer Gynäkologin. Sie baute mit ihrem Team in Privatinitiative ein Programm auf, das heute bereits in 30 Ländern weltweit umgesetzt wird.

In Österreich und in der Schweiz gibt es TeenSTAR seit etwa zehn Jahren. Auch in Deutschland und in Südtirol wurden in den letzten Jahren bereits Kurse abgehalten, berichtet Sebernik. „Auch beim Weltjugendtag in Köln waren die verschiedensprachigen TeenSTAR-Workshops überwältigend gut besucht.“

Rund 250 Multiplikatoren in Österreich

„Insgesamt wurden in Österreich, wo es TeenSTAR seit 1996 gibt, rund 250 Männer und Frauen als Multiplikatoren ausgebildet“, schildert sie. „Darunter sind Eltern, die diese Ausbildung als Hilfe für ihre Erziehungsarbeit absolvierten. Derzeit sind etwa 20 von ihnen in Schulen oder Jugendgruppen aktiv.“

Eine von ihnen ist Natascha E. „Als Lehrerin sehe ich eine dringende Notwendigkeit, den Jugendlichen in Bezug auf Sexualität gute und angemessene Informationen weiterzugeben“, meint sie. „Ich persönlich sehe TeenSTAR als Alternative zu gängigen Aufklärungsangeboten, weil es im Kern des Programmes darum geht, dass der Mensch lernen kann, im Bereich der Sexualität verantwortungsvoll mit sich und anderen umzugehen.“

Für Jugendliche werden TeenSTAR-Kurse angeboten, die wöchentlich oder alle 14 Tage stattfinden, entweder in einer Schule oder auch privat. In Österreich haben seit der Gründung insgesamt 700 Jugendliche (12- bis 17-Jährige) TeenSTAR-Kurse besucht, berichtet Helga Sebernik „Allein im Schuljahr 2005/2006 hatten wird 20 Schulklassen mit 12- bis 15-Jährigen im Projekt.“

Selbstbehauptung und Empfängnisregelung

Die Kurs-Themen sind vielfältig. Die Anatomie und Physiologie der Geschlechtsorgane ist ebenso Thema wie Gesprächs- und Konfliktkultur, Selbstbehauptung oder der Unterschied zwischen Empfängnisregelung- und Empfängnisverhütung. Offen geredet wird außerdem über Geschlechtskrankheiten oder die Darstellung der Sexualität in den Medien.

Insgesamt interessieren sich eher die Mädchen als die Jungen für das Programm, erzählt Sebernik. „Natürlich, sie sind prinzipiell alle sehr offen und wissbegierig“, schildert sie. „Den Mädchen gefällt besonders, dass über alles gesprochen werden kann und jede Frage zum Themenbereich Freundschaft, Liebe, Fruchtbarkeit und Sexualität gestellt werden darf.“

Erstaunlich sei „die Ehrlichkeit der Mädchen“, erzählt sie. „Im TeenSTAR-Kurs müssen sie nichts beweisen, müssen sich nicht ,cool’ darstellen, müssen nicht mit Erfahrungen prahlen, sondern zeigen in einem Klima des Vertrauens ihre innere Wahrheit. Erstaunlich ist, dass sie – unabhängig von modernen Trends – meist genau wissen, welches Verhalten richtig und stimmig ist.“

Mädchen werden selbstbewusster

Ihre Erfahrung: Je jünger die Mädchen sind, desto leichter ist es, das Interesse für die körperlichen Entwicklungsvorgänge zu wecken. Was bewirkt der TeenSTAR-Kurs bei den Mädchen? Helga Sebernik: „Im TeenSTAR-Kurs werden die Mädchen selbstbewusster, das heißt, sich ihres eigenen Wertes bewusster. Sie werden mutiger, das zu vertreten, was sie als richtig erkannt haben.“

Eine besondere Herausforderung für beide – Mädchen und Jungen – stellt die Fruchtbarkeit dar, da dieses Wissen in den Familien und in der Gesellschaft kaum Thema ist, betont sie. Jungen sind tendenziell „weniger gesprächig“ als die Mädchen und deswegen „schneller zufrieden mit dem erworbenen Wissen“, schildert sie.

„Sie interessieren sich besonders für die Verhaltensweisen des anderen Geschlechts und erkennen bald, dass Sex nicht alles ist. Das Verständnis über die Ursache der aufkeimenden sexuellen Gefühle und den Umgang damit gibt ihnen Selbstbewusstsein und Sicherheit.“

Privatinitiative und offen für alle Kulturen

Das Programm läuft nach wie vor als Privatinitiative, berichtet Helga Sebernik. „Ein Teil der Finanzierung wird über Ausbildungsseminare abgedeckt, ein anderer Teil durch die Mitgliedsbeiträge des TeenSTAR-Vereins, aber auch durch Sponsoring des Landes NÖ und privater christlicher Institutionen.“

Das TeenSTAR-Programm orientiert sich am christlichen Glauben und kirchlichen Dokumenten wie „Humanae Vitae“, „Evangelium Vitae“ und der von Papst Johannes Paul II. entwickelten „Theologie des Leibes“. Dennoch ist es „ein Angebot für alle Menschen unabhängig von ihrer religiöse und kulturellen Zugehörigkeit“, unterstreicht Helga Sebernik.

„Wir gehen vom Fruchtbarkeitsbewusstsein aus, um so den jungen Menschen zu helfen, in die naturgegebene Ordnung hineinzufinden, jedem Menschen als Person mit Achtsamkeit und Respekt zu begegnen und sich und das andere Geschlecht im Blick des Schöpfers sehen zu lernen.“

TeenSTAR hat Zukunft

Alle zwei Jahre findet ein internationaler Kongress statt. 2004 war er in Zagreb, heuer ist er von 24. bis 28. August in Mödling bei Wien. Ab Herbst beginnen wieder Ausbildungsseminare in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

TeenSTAR hat Zukunft, ist Sebernik überzeugt. Sie wünscht sich, dass es in die offizielle Lehrerausbildung eingebaut wird, ebenso in die Firmvorbereitung oder bei verschiedenen Jugendgruppen. „Aber unser vorrangiges Ziel ist die Ausbildung vieler Erwachsener, die bereit sind, mit jungen Menschen vor allem auf schulischer, gemeindlicher und kirchlicher Ebene zu arbeiten.“

Was ist das Faszinierende an dieser Arbeit? „Was mich immer wieder berührt, das sind die offenen Gesichter und die strahlenden Augen der Jugendlichen in den TeenSTAR-Kursen“, beschreibt die TeenSTAR-Leiterin: „Die ehrliche Suche nach Glück!“

TeenSTAR







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