11 August 2006, 09:59
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Was ist der Unterschied? Interview mit Graziella und Ignaz Specken über NFP-Malteser und NFP-Rötzer. Teil 2 der KATH.NET-Serie über die natürliche Empfängnisregelung.

Augsburg (www.kath.net) – Mit der ehelichen Vereinigung nach der Lehre der Kirche ist es wie im Straßenverkehr: Es wird nicht verhütet, sondern geregelt. Und zwar mit ganz natürlichen Methoden, wie etwa NFP-Malteser und NER-Rötzer. Das für NER zertifizierte Multiplikatoren-Ehepaar Graziella und Ignaz Specken erklärt den Unterschied zwischen diesen beiden Methoden der Empfängnisregelung.

Sie haben zwei erwachsene Söhne, die alle geplant waren – gewünscht haben sie sich vier, konnten aber aus gesundheitlichen Gründen nur zwei verantworten –, sind Mitglied im Vorstand des Instituts für Natürliche Empfängnisregelung (INER) und haben sich intensiv mit dem Unterschied der zwei Methoden NFP-Malteser und NER-Rötzer befasst. KATH.NET-Mitarbeiterin Dorothea Treder sprach mit Graziella und Ignaz Specken darüber.

KATH.NET: Was ist der wesentliche Unterschied zwischen NFP und NER?

Graziella Specken: Zunächst müssen die Begriffe erklärt werden: Es gibt inzwischen viele gute natürliche Methoden, um die menschliche Fruchtbarkeit zu regeln. Sie laufen häufig unter demselben Begriff – nämlich als Natürliche Empfängnis-Regelung (NER) oder auch Natürliche Familienplanung (NFP). Hier im deutschsprachigen Raum gibt es vor allem die beiden symptothermalen Methoden NFP-Malteser und NER-Rötzer. Der Begriff symptothermal enthält zwei Wörter: „Symptom“ bedeutet hier die Beobachtung der Körperzeichen, besonders des Zervixschleimes. „Thermal“ bedeutet die Messung der Aufwachtemperatur.

Ignaz Specken: Zwischen den beiden Methoden gibt es Unterschiede in der Geschichte, im Inhalt und der Methodik. Die NFP-Malteser hat die Methode „Natürlich und Sicher“ aus den Erkenntnissen vor allem von Rötzer und Thyma entwickelt. Sie haben diese Methode vor 21 Jahren in einer Arbeitsgruppe in einem Modellprojekt erarbeitet und in eigener Weise wissenschaftlich aufbereitet. Das erste Buch erschien vor 19 Jahren. Der Begründer, der Arzt Dr. Josef Rötzer, hat schon vor 55 Jahren die erste echte symptothermale Methode entwickelt und hat das älteste, bis heute aktive wissenschaftliche Forschungswerk aufgebaut. Das erste Buch erschien vor 41 Jahren.

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KATH.NET: Worin besteht der inhaltliche Unterschied?

Ignaz Specken: Bei NFP-Malteser wird Verhütung in der fruchtbaren Zeit nicht grundsätzlich ausgeschlossen. Teilweise wird auf verhütendes Verhalten z.B. mit Kondom – wie es auch im neuen Lernbuch, in div. Faltblätter, in Vorträge, und auf Internetseiten steht – direkt oder indirekt hingeführt.

Bei NER-Rötzer hingegen entspricht die Weitergabe der Methode in vollständiger Weise der kirchlichen Lehre, wie sie in der Enzyklika Humanae-Vitae und Familiaris-Consortio vorgegeben ist. Bei der NER-Rötzer-Methode werden Verhütungsmittel wie etwa das Kondom grundsätzlich ausgeschlossen. Professor Dr. Josef Rötzer hat übrigens für seine jahrzehntelange Forschungsarbeit im Sinne der kirchlichen Lehre hohe päpstliche Auszeichnungen erhalten und ist international als der Fachmann auf diesem Gebiet anerkannt.

KATH.NET: Besteht der Hauptunterschied also in der Verhütung?

Graziella Specken: Inhaltlich schon, aber die geschichtlichen und die methodischen Unterschiede sind auch sehr wesentlich. Bei der Verhütung wendet sich der Mensch bewusst gegen seine Fruchtbarkeit, gegen das Kind, gegen die Schöpfung die auf die selbstlose Liebe in der Ganzhingabe ausgerichtet ist.

Bei der echten natürlichen Empfängnisregelung oder echten natürlichen Familienplanung, wenn sie ohne Verhütung gelebt werden, stellt sich der Mensch hingegen in die Schöpfungsordnung hinein, geht mit ihr mit, greift ihre Weisung auf und macht von ihrer naturgegebenen Möglichkeit Gebrauch. Zur Vermeidung der Schwangerschaft wird in den fruchtbaren Tagen auf Geschlechtsverkehr verzichtet.

Obwohl NFP-Malteser bereichsweise auf Verhütung hinführt, wird sie von deutschen Diözesen unterstützt. Es muss aber auch gesagt werden, dass es kirchliche Kreise gibt, die diese Methode ohne verhütende Maßnahmen ganz im Sinne der kirchlichen Lehre vermitteln möchten.

Die sichtbarste Auswirkung dieses inhaltlichen Unterschiedes der beiden Methoden besteht in der Beständigkeit der Ehe. Die NFP-Malteser haben in ihren Forschungsprojekten festgestellt: Wenn ein Paar ihre Methode lebt, werden ebenso viele Scheidungen festgestellt wie üblich. NER-Rötzer hingegen hat eine Scheidungsrate von nur einem Prozent festgestellt.

KATH.NET: Was ist der methodische Unterschied?

Graziella Specken: Bei NFP-Malteser sind viele Regeln von Rötzer; eine zentrale Regel wurde von Thyma übernommen. Deshalb werden hier die Temperatur und der Zervixschleim-Höhepunkt unabhängig voneinander ausgewertet. Zusätzlich muss aber der Schleimhöhepunkt separat ausgewertet werden. Im Sinne der so genannten doppelten Kontrolle gilt dann die Auswertung, die später kommt. Sie bezeichnet den Beginn der unfruchtbaren Zeit.

Bei NER-Rötzer wird die Temperaturauswertung direkt vom Zervixschleim-Höhepunkt abhängig gemacht. Das bedeutet, dass der Schleimhöhepunkt zuerst bestimmt werden muss. Dann erst dürfen die höheren Messungen gekennzeichnet werden. Durch diese Betonung, werden die Frauen zu einer gewissenhafteren, genaueren Selbstbeobachtung geführt. Das erlaubt so auch die Beratung jener Ehepaare, die eine absolute Zuverlässigkeit benötigen.

Ferner gibt es bei NER-Rötzer im gewöhnlichen Zyklus der Frau, aber auch für die Anfängerin, in der Stillzeit und in den Wechseljahren differenziertere Beobachtungen und zusätzliche Regeln, die helfen, die fruchtbare Zeit genauer zu bestimmen. Somit bleiben mehr unfruchtbare Tage, an denen die eheliche Vereinigung stattfinden kann.

KATH.NET: Sind diese natürlichen Methoden der Empfängnisregelung wirklich so sicher, wie deren Anhänger behaupten?

Ignaz Specken: Ja. Die Methoden funktionieren aber nur dann gut, wenn das Paar die Regeln genau befolgt. Sogar Analphabeten können sie lernen und erfolgreich anwenden. Zusätzlich können die Ehepaare die Höhe der Zuverlässigkeit selber bestimmen, je nachdem, welche Methodenregel sie zur Anwendung bringen. Ein Ehepaar das z.B. für noch weitere Kinder offen ist, kann bestimmte weniger sichere Methodenregeln so anwenden, dass dies öfter Geschlechtsverkehr ermöglicht. Sie sammeln in dieser Zeit kostbare Erfahrungen, die zum späteren Zeitpunkt, wenn keine Kinder mehr verantwortbar sind, sehr hilfreich werden können.

KATH.NET: Gibt es Statistiken oder wissenschaftliche Ergebnisse, die die Sicherheit der natürlichen Methoden belegen?

Ignaz Specken: Wir sprechen von Methoden-Sicherheit und von Anwender-Sicherheit. Die Methoden-Sicherheit gilt dann, wenn alle Regeln befolgt wurden und die Anwender-Sicherheit dann, wenn auch Anwenderfehler mitgerechnet wurden. Die Sicherheit bzw. Zuverlässigkeit wird in einem so genannten „Pearl-Index“ (z.B. PI 1) ausgedrückt, der die Versagerquote bei 100 Frauen in einem Jahr angibt. Die sympothermalen Methoden sind – zusammengefasst gesagt – zumindest gleich sicher wie die Pille und sicherer als alle anderen Verhütungsmittel.

Die NFP-Malteser haben bei sich die Methodensicherheit von PI 0,4 festgestellt. Dies entspricht 4 überraschenden Schwangerschaften von 1000 Frauen in 1 Jahr. Die Anwendersicherheit liegt bei PI 2,3. Dies entspricht 23 überraschenden Schwangerschaften von 1000 Frauen in 1 Jahr.

Die NER-Rötzer hat bei sich die Methodenzuverlässigkeit von weniger als PI 0,2 festgestellt. Dies entspricht weniger als 2 überraschenden Schwangerschaften von 1000 Frauen in einem Jahr. Die Anwenderzuverlässigkeit liegt bei PI 0,9. Dies entspricht 9 überraschenden Schwangerschaften von 1000 Frauen in einem Jahr. Bei Frauen, die unter Lebensgefahr schwanger würden, gibt es bei NER-Rötzer eine Methodenvariante die 100 Prozent sicher ist.

Vergleichweise sei hier noch Kondom von PI 3 bis 8 genannt. Dies entspricht 30 bis 80 überraschenden Schwangerschaften von 1000 Frauen in einem Jahr.

KATH.NET: Kann man die Methoden selber lernen oder sollte man einen Kurs besuchen?

Graziella Specken: Bei NFP-Malteser wird seit kurzem im neuesten, bunten Leitfaden mit Arbeitsheft auch ein autodidaktisches Erlernen der Methode ermöglicht. Es wird aber seit Jahren ausdrücklich betont, dass es besser ist, die Methode durch Kurse und Beratungen zu erlernen. Durch ein gefördertes, weitläufiges Beratungsnetz werden Kurse und Beratungen angeboten. Bei NER-Rötzer verzeichnet der autodidaktische, logische Aufbau des Lernbuches über viele Jahrzehnte gute Erfolge, um die Methode im Selbststudium zu erlernen. Hier werden durch ein ehrenamtlich geführtes, weitläufiges Beratungsnetz auch Kurse und Beratungen angeboten.

KATH.NET: Funktionieren die Methoden auch bei einem unregelmäßigen Zyklus?

Ignaz Specken: Ja selbstverständlich! Das ist doch gerade eine der großen Errungenschaften der Entdeckung der symptothermalen Methode. Meine Frau hatte nicht nur unregelmäßige Zyklen, sondern alle nur denkbaren Schwierigkeiten, die es so gibt, und die Methode hat trotzdem sehr gut funktioniert. Weil wir uns deshalb so gut informieren mussten, haben wir seit 26 Jahren unser Wissen auch an viele Paare weitervermitteln können.

KATH.NET: Sind Übernächtigung und Nachtdienst ein Problem?

Ignaz Specken: Auch wenn die Frau nachts arbeitet, kann sie die Aufwachtemperatur messen. Sie misst jeweils tagsüber, dann wenn sie aufwacht und zwar möglichst zur gleichen Zeit. Wichtig ist, dass sie die Uhrzeit auch in die Tabelle schreibt. Mit den guten symptothermalen Regeln können diese Messungen ebenso ausgewertet werden. Dauerübernächtigung führt zu einem gesundheitlichen Problem, das sich auf den Zyklus auswirkt. Trotzdem ist es auch hier möglich, natürliche Methoden anzuwenden.

KATH.NET: Gibt es sonstige Nachteile?

Graziella Specken: Oft wird als „Nachteil“ die Zeit der Enthaltsamkeit genannt. Sicher ist es nicht immer einfach, aber für uns und für viele sind die Wartezeiten auch ein Geschenk, das unsere Beziehung frisch hält und immer wieder stärkt. Und es ist doch auch noch zu bedenken, dass das zeitweilige Warten immer noch leichter ist als all die gesundheitlichen und seelischen Nebenwirkungen der Verhütungsmittel.

KATH.NET: Welche Methode praktizieren Sie selber, NFP oder NER? Und warum?

Ignaz Specken: Als wir uns kennen gelernt hatten, kam in uns die Frage auf, wie bereiten wir uns auf die Ehe vor? Nachdem viele über die „Pillen-Enzyklika“ geschimpft haben, wollten wir wissen, was darin geschrieben steht. Wir sind darin bestätigt worden, eine natürliche Empfängnisregelung zu leben. So haben wir die NER von Dr. Rötzer gelernt und haben festgestellt, dass sie die beste und sicherste Methode ist und ganz der Lehre der Kirche und der Liebe entspricht.

KATH.NET: Hat die Methode Ihrer Meinung nach positive Auswirkungen auf die Beziehung?

Graziella Specken: Die Partnerschaft wird gestärkt, das Gespräch gefördert und die eheliche Vereinigung wird schöner. Das erfahren wir selber und hören das auch von vielen andern Ehepaaren. Man lernt, die Liebe auch auf andere Art und Weise, auch mit Zärtlichkeiten auszudrücken. Das Paar kommuniziert immer wieder über intimste Themen und das fördert auch das Gespräch in anderen Lebensbereichen.

Durch die NER lernt die Frau sich selber besser kennen, sie bekommt ein neues Selbstbewusstsein, fühlt sich gesund. Es entsteht ein Kinderwunsch ohne Angst, auch beim Mann. Oft weiß die Frau früher als ihr Arzt, wann sie ein Kind erwartet. Sie kann oft den Geburtstermin genauer als der Arzt berechnen und sie weiß oft besser als er, ob die Blutung eine eventuell fruchtbare Zwischenblutung oder eine richtige Menstruation ist. Gesunde Ernährung und richtige Bekleidung kommen wie selbstverständlich zu diesem Lebensstil dazu.

Die Unauflöslichkeit der Ehe und die Treue werden selbstverständlicher, auch deshalb, weil man sich daran gewöhnt hat, aus Liebe zueinander zu verzichten und gelernt hat, die Liebe in vielfältigster Weise zu schenken. Deshalb ist es wichtig dass, wie Papst Johannes-Paul II mehrfach gesagt hat, die Vielfalt dieser natürlichen Methoden gefördert wird.

Teil 1 der KATH.NET-Serie über natürliche Empfängnisregelung: Sicherer als die ,Pille’ und garantiert nebenwirkungsfrei

INER







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