02 November 2005, 07:26
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Das ewige Leben entstammt nicht unserem Bewusstsein. Zur Frage, ob der Tod eine Unkenntnis über das ewige Leben behebt - Gedanken zu Allerseelen von Dr. Alexander Pytlik

Linz(www.kath.net)
Als ich im Juni 2005 aus fernen Landen eine bunte und recht zeitgeistige Monatszeitschrift namens Free Xpress mitnahm und durchschaute, handelten viele Seiten über alle möglichen Empfehlungen fürs Leben, vor allem was die Vermeidung von alten und neuen Krankheiten oder was richtige Therapien betrifft. Zu meiner Überraschung fand sich darin aber auch einiges - wenn auch allgemeingesprochen ziemlich esoterisch - zum Kapitel des Todes, und zwar unter dem vielsagenden Titel "Death is no cure for ignorance" = der Tod ist kein Heilmittel gegen Ignoranz, der Tod sei also angeblich keine Medizin gegen Unwissenheit.

Damit war wohl gemeint: Mit dem Tod des Menschen, das heisst mit der Trennung der unsterblichen Seele von ihrem gewohnten, aber sterblichen Leib, würde sich der Horizont des Einzelmenschen plötzlich nicht weiten, vielmehr würde das Leben danach einzig und allein davon abhängen, mit welcher Lebenseinstellung man gestorben wäre und was man schon im Leben für möglich gehalten hätte, welche konkrete (subjektive!) Erwartung man also für das Leben danach gehabt hätte.

Mit einem Wort: In diesem Artikel war etwas Zeittypisches gegeben, es war ein wildes Durcheinander von wahnhaftem, rein illusionärem Unsinn, vermischt mit vereinzelten christlichen Grundwahrheiten, die aber nur dann einen Sinn ergeben, wenn wir alle jetzt hier wirklich sind. Gibt es hier in unserer Kirche wirklich irgendjemanden, der meint, wir wären gar nicht hier, der meint, obwohl ich hier einen harten Boden vorfinde, der mich trägt, wäre ich gar nicht hier, sondern jeder einzelne wäre nur hier, weil er oder andere es sich so einbildeten. Und auch diese Kanzel zur Predigt gäbe es nur, weil wir gemeinsam der Auffassung seien, daß sie eben hier sein soll.

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Unsere eigene tägliche Erfahrung spricht deutlich gegen solchen Unsinn: Es gibt sie wirklich, die harte Realität, die nicht wir gemacht haben, sondern die wir vorfinden. Und was wir sehen, sind nicht unsere Gedankenprodukte, sondern es ist die sichtbare Wirklichkeit, in der wir zu leben haben. Wir leben in keiner Illusion, wir sind nicht ein Leben lang unter Drogen oder sonst etwas. Alle von der Kirche Heiliggesprochenen zeigen auf, daß mit Gottes Hilfe und mit dem wahren Glauben Unmögliches wahr wird, daß nämlich beispielsweise noch der verhärtetste Mensch durch den Heiligen Geist zu einer plötzlichen, von ganzer Liebe getragenen Umkehr fähig wird - und das ist ein weitaus größeres Wunder als die Behauptung irgendeines Menschen, er hätte eine Privatoffenbarung von Gott selbst erhalten. Da müssen wir immer vorsichtig sein.

Die Heiligen zeigen auf: Nur hier und jetzt, nur in der unfehlbaren Erfahrung, daß unsere Mitmenschen auch wirklich da sind, nur in der Konfrontation mit der Wirklichkeit können wir überhaupt heilig werden, nicht jedoch mit der von so manchem östlichen Esoterik-Religions-Mix angebotenen Illusion, einfach aus eigener Anstrengung von einer imaginären Bewußtseinsebene in die nächste zu steigen: Wir müßten einfach nur die Gedanken - oder wie es dann gerne heißt - die Energien kontrollieren.

Das ist ein gefährlicher Unsinn, als ob wir selbst mit unseren beschränkten Gedanken - um auf die Einleitung zurückzukommen - genau festlegen und produzieren könnten, wie das Ewige Leben auszuschauen habe, als ob wir das Ewige Leben gewissermaßen in jedem Detail selbst machen könnten und es somit auch nichts mehr unbeschreiblich Neues und nicht alles vorstellbare Glück Übersteigendes geben könnte.

Nein, liebe Andächtige, das unbeschreibliche Glück oder Unglück im Ewigen Leben hängt sicherlich nicht davon ab, welche angebliche Bewußtseinsstufe wir hier erwerben, hängt nicht davon ab, was wir uns in unserem verengten Hirnkästchen darüber zusammendenken, sondern so wie wir auf Erden echte Menschen aus Fleisch und Blut vorfinden, die leben, weil jeder und jede von uns schon im Moment der Zeugung eine einzigartige, unverwechselbare unsterbliche Seele erhalten haben, so wie wir auf Erden das sehen, was uns wirklich umgibt und trägt, genauso sicher wird das Ewige Leben nicht von uns selbst geschaffen, sondern ist eine vorgegebene Realität unabhängig davon, ob wir es wollen oder nicht.

Und wenn wir mit offenen Augen durch die Welt reisen, werden wir auch immer mehr aus den sichtbaren Dingen erkennen:

Es muß Gott geben, es muß einen allerletzten göttlichen Ursprung geben, hinter dem nichts mehr steht, es kann nicht das, was uns widerfährt, einfach immer nur Zufall sein, wir haben uns nicht zufällig getroffen, und es ist kein Zufall, sondern von der liebevollen Vorsehung des einen und wahren Gottes gelenkt, daß wir uns alle hier in dieser wunderbaren Wallfahrtskirche zu Ehren der Gottesmutter eingefunden haben, um im heiligen Rosenkranz, um in der Betrachtung des Lebens und Sterbens unseres Heilandes, um in der Anbetung Seiner göttlichen Person im Allerheiligsten Sakrament des Altares, das wir heute im Nachklang zum Jahr der Eucharistie für das Rosenkranzgebet aussetzen werden, und um dann am Friedhof der unsterblichen Seelen unserer lieben Verstorbenen zu gedenken, weil wir nämlich dank des Katholischen Glaubens im Umriß wissen dürfen, welche Ewige Realität, welche Ewige Wirklichkeit uns nach diesem Leben erwartet.

Weil wir nämlich wissen, daß das Sterben und das gleichzeitig barmherzige und gerechte Gericht unseres dreifaltigen Gottes nicht nur von irgendeiner sittlich nicht weiter relevanten Lebenseinstellung abhängt, daß es nicht nur von unserer Phantasie und den kreativen Fähigkeiten abhängt, sondern vor allem davon abhängt, ob wir geliebt haben, ob wir an den Gott der Liebe geglaubt haben, den Jesus uns unfehlbar verkündet hat, ob wir nur von Ihm alles erhofft haben - Menschen enttäuschen, Gott enttäuscht in Ewigkeit nicht - ob wir als Christen wirklich gelebt haben, sodaß die ganz entscheidende Frage kommen wird: Hast Du den geringsten Deiner Brüder in diesem Leben immer wieder neu erkannt? Und hast Du ihm wenigstens immer das gegeben, was ihm zustand? "Was Ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt Ihr mir getan." (Mt 25,40)

Es gibt nicht nur die Gerechtigkeit, daß jeder sterben muß, meine Lieben, es gab, gibt und wird in Ewigkeit geben jene endgültige Gerechtigkeit, die alles so ordnen wird, daß es im Herzen keines Menschen mehr irgendein Gefühl der Ungerechtigkeit geben wird. Selbst jene, die für immer verdammt wären - wir erhoffen es für keinen - wüßten genau: Ich habe es selbst ausgesucht, weil ich das Gute unterlassen und das Böse erwählt hatte. Ich habe nur mich selbst gesucht und in keinerlei Weise dem wirklich Notleidenden geholfen, habe die dauernde Wirklichkeit Gottes ausgeschlossen, ich habe Gott ignoriert.

Ja, der Tod ist - im Gegensatz zum esoterischen Satz "Death is no cure for ignorance" von der Einleitung - in Wirklichkeit rettende oder tödliche "Medizin" gegen Unwissenheit und Ignoranz, denn wer Gott gesucht hat, wer das Gute erwählen wollte, wer sich für den engen Weg entschieden hat, den oft wenige gehen, wird die Überfülle des Glücks in der Gemeinschaft mit Gott und allen Heiligen in unvorstellbarer Weise kennenlernen (das ist die rettende "Medizin"!) und auf ewig immer intensiver erfahren;
wer aber alles verdrängt hat, wer Gott und Seinen Ruf im Gewissen über Bord geworfen hat, wird in einem einzigen Moment des Urteilsspruches aus seiner Ignoranz entrissen (das ist die tödliche "Medizin"!) und sehen, welches Ewiges Ziel zu erreichen war und welches Ewige Glück nun für immer verschlossen bleibt.

Das Ewige Glück hängt ganz von der sittlichen Frage ab, hängt daher vor allem davon ab, ob wir geliebt haben in einem übernatürlichen Sinne und ob uns diese wahre Liebe zu jedem Opfer bereit machte, das Gott uns nicht sandte oder aufgab, weil er uns nicht mag, sondern weil dieser gütige Vatergott einen jeden, eine jede von uns besser kennt als dieser und diese sich selbst und daher weiß, welche Medizin uns in unserem wirklichen Leben einen Schritt weiterführen kann auf dem Weg ins Ewige Glück.

No risk, no fun - ohne Risiko kein Spaß, kein Reiz, keine spannende Unterhaltung: Aber dieses Motto ist uns zu wenig, das ist das Motto der Heiden und nur so lange zulässig, als es sich um sittlich Erlaubtes handelt. Für uns und unsere Talente gilt vom Aspekt der Ewigkeit her aber noch mehr: Wir dürfen unsere Talente nicht vergraben, sondern es gilt: No risk, no eternal life - ohne Risiko kein Ewiges Leben, ohne Risiko(-bereitschaft), Fehler zu machen, kein Ewiges Glück.

Nicht wenige Liebeslieder sind mit Leichtigkeit auf die Beziehung Gott - Mensch übertragbar, ja passen sogar oft noch besser auf den treuen Gott, wenn es da heißt (nur ein Beispiel der Band www.ich-und-ich.de , vielleicht soll dies ja sogar ein Gebet sein): "Du erinnerst mich an Liebe. Du erinnerst mich daran, wie es sein kann. Erinner' mich an Liebe, zeig' mir, wer Du wirklich bist. Erinner' mich daran, wie es sein kann."

Und wir wünschen den Seelen unserer lieben Verstorbenen, daß sie bald aus der Zeit des Fegefeuers entlassen werden und in der himmlischen Seligkeit dem Gott der Liebe singen können: "Ich kann sehen, wer Du wirklich bist."

Und wenn es auch der größte Liebesdienst gegenüber unseren Lieben ist, möglichst viele Heilige Messen persönlich andächtig mitzufeiern und möglichst viele Heilige Meßintentionen für die Seelen unserer Vorfahren zu bestellen, so vergessen wir mit dem heutigen Tag auch nicht, wie wichtig der regelmäßige Empfang des Sakramentes der Buße, der Beichte ist, um für die Armen Seelen von heute an bis 8. November inklusive täglich einen vollkommenen Ablaß, einen vollkommenen Nachlaß der verbliebenen zeitlichen Sündenstrafen gewinnen zu können, sodaß sich die Läuterungszeit im Fegefeuer verkürzt - wir hoffen ja immer, daß unsere Lieben wenigstens dort als Gerettete gelandet sind - und sie früher in das volle Glück mit Maria, allen Heiligen und Engeln eintreten dürfen.

Kürzlich fragte ja ein Mädchen namens Livia unseren Heiligen Vater Benedikt XVI., warum man vor dem Kommunionempfang immer beichten müsse, wenn man doch sowieso immer dieselben Sünden beginge. Der Papst lachte, als er diese Frage hörte. "Wahrhaftig, normalerweise sind unsere Sünden immer dieselben", erklärte er. "Aber es ist genauso, wie wenn wir unsere Wohnung und unser Zimmer zumindest jede Woche einmal putzen, obwohl immer derselbe Schmutz anfällt. Die Beichte ist immer dann notwendig, wenn wir eine schwere Sünde begangen haben, aber regelmäßig zu beichten unterstützt die Reinheit und die Schönheit der Seele und hilft uns im Leben."

Liebe Andächtige. Wir sollten ein wenig mehr für unser eigenes Seelenheil tun, wir sollten uns besser vorbereiten - niemand weiß den Tag und die Stunde. Eben deshalb wollen wir uns am kommenden Christkönigssonntag nach der feierlichen Sonntagsmesse wieder bei der Herz-Jesu-Grotte Christus, dem König unserer Seelen, von ganzem Herzen weihen. Es wäre tatsächlich keine christliche Haltung, sich erst mit dem Tod eine eigenverschuldete Ignoranz und die eigene Unwissenheit durch den Ewigen Richter selbst nehmen zu lassen, sondern wir sollten unseren Glauben an Gott wieder erneuern und vor allem die Grundwahrheiten wieder lesen und nachmeditieren.

Und deshalb ist nun endlich der ganz aktuelle weltweit gültige Katholische Kurzkatechismus erschienen, der den großen Katechismus der Katholischen Kirche, den es dann immer noch zur weiteren Vertiefung gibt, als Kompendium in der Form praktischer Fragen und Antworten zusammenfaßt. Dieses Buch, ob in der gebundenen oder in der Taschenbuchausgabe, ist nicht nur Gold wert, sondern es enthält in Kurzform alles, was wir in Richtung Ewiges Leben nicht nur wissen, sondern dann auch Gott selbst glauben sollten zu unserem eigenen Heil.

Wir werden es nämlich zu Weihnachten in der Hirtenmesse wieder vernehmen. Genauso wie die Hirten von den Engeln im Auftrag Gottes die volle Wahrheit über das gottmenschliche Erlöserkind in Bethlehem erfuhren, so wird für jede Wahrheit des katholischen Glaubens das Wort des Lukasevangeliums gelten: "Denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war." (Lk 2,20)

Wir werden es sehen, nach unserem Tod und bei der herrlichen zweiten Ankunft unseres Erlösers Jesus Christus. So viel Zeit sollte also sein, auch wieder die bleibenden und ewigen Wahrheiten ins Gedächtnis zu rufen. Denn die kommende Welt hängt eben nicht von unserer verengten Phantasie ab, hängt nicht von vielen einzelnen Menschen und ihren jeweiligen endlichen Gedanken ab, sondern der dreifaltige Gott existiert von Ewigkeit her, Er hat keinen Anfang und kein Ende, und das Himmelreich ist objektive Wirklichkeit, denn nicht nur das, was wir sehen und spüren können, ist wirklich da, sondern längst existiert das Himmelreich ganz real, und tatsächlich sind es beispielsweise unsere unsichtbaren unsterblichen Seelen, die schon jetzt miteinander kommunizieren, hier noch verbunden mit dem eigenen sterblichen Leib, aber ab dem Jüngsten Tag dann als Gerettete in Wiedervereinigung mit dem eigenen gewohnten, aber sodann herrlich umgewandelten Auferstehungsleib. Und genau davon erhalten wir in jeder Heiligen Messe jeweils einen Vorgeschmack mehr, wenn wir unsere Herzen ganz für unseren Schöpfer und Erlöser öffnen. Amen.

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