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Kongo: 'Die Kirche ist unsere einzige Hilfe'
 
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Was das Fernsehen nicht zeigt: Millionen Kriegsopfer im Kongo und kein Ende
Von Hildegarde Vansintjan

Kongo (kath.net/KiN)
Er kam aus Kongolo und besaß nichts mehr. Drei Monate hindurch war er mit den Leuten seiner Pfarrgemeinde im Wald herumgeirrt. Mangos waren ihre einzige Nahrung. Er war krank geworden, lebensgefährlich krank. Sie gaben ihm eines der drei Fahrräder des Bistums und er radelte damit drei Tage, bis er Kisondo erreichte. Ein anderer Priester sorgte für eine medizinische Untersuchung: Nierensteine - ein Todesurteil im heutigen Kongo. Er gab ihm etwas Geld für den Bus, so erreichte er Bukavu. Er brauchte Pflege, aber niemand hatte das nötige Geld. Alles, was man für ihn tun konnte, war, ihm etwas Geld für ein T-Shirt und eine Hose zu geben.

Das geschah im letzten Sommer. Wir waren dort für das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ und konnten dafür sorgen, dass der Priester in Nairobi eine Behandlung in Nairobi bekam. Dieser Mann wurde gerettet, aber zweieinhalb Millionen Kongolesen starben.

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Die Katastrophe in der Demokratischen Republik Kongo, dem früheren Zaire, ist jetzt auch in Zahlen fassbar. Les Roberts, Direktor für Gesundheitspolitik beim Internationalen Rettungskomitee (IRC) in New York, hat berechnet, dass es in den bisherigen 33 Kriegsmonaten zweieinhalb Millionen Tote mehr gegeben hat, als zu normalen Friedenszeiten; ein Drittel davon waren Kinder. Er hat Hinweise darauf, dass von den 52 Millionen Kongolesen etwa 350.000 gewaltsam zu Tode kamen, vierzig Prozent davon Frauen und Kinder. Das bedeutet, dass in einer von acht Familien jemand eines gewaltsamen Todes starb. Mehr als zwei Millionen Menschen starben an Krankheiten, besonders an Malaria, Durchfall und Unterernährung, direkten Folgen des Krieges.

Achtzehn Millionen Kongolesen leiden immer noch auf die eine oder andere Weise wegen des Krieges, fast zwei Millionen sind geflohen und eine Million ist obdachlos. Etwa 338.000 Kongolesen leben in Flüchtlingslagern außerhalb des Landes. Sechzehn Millionen Menschen haben zu wenig zu essen, zehn Millionen hängen von Notfallhilfe ab. Von 1.000 Kindern sterben 127 bei der Geburt. Von 100.000 Müttern überleben 1087 den Geburtsvorgang nicht: das sind mehr als irgendwo sonst auf der Welt, wo sich doch Kongo bisher damit zu brüsten pflegte, die beste Gesundheitsvorsorge in Afrika zu haben. Aber jetzt sind die Gesundheitszentren geplündert. In bestimmten Gebieten sterben dreiviertel aller Kinder, bevor sie das zweite Lebensjahr erreichen.

„Ausmaße eines Völkermordes“

Und damit nicht genug: Zwei Millionen Menschen haben AIDS, zweimal soviel wie 1999. Im Osten des Landes ist die HIV- Infektionsrate jetzt fünfmal höher als bei Kriegsbeginn. Da Vergewaltigung ein typisches Kriegsverbrechen ist, überrascht das niemanden mehr.

Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der Gewalt, über die seelischen Qualen, die daraus entstanden, sagen sie nichts. Die Gewalt wird Teil des Alltags. Die jungen Menschen sind für ihr Leben traumatisiert. Der siebte Bericht des UN-Generalsekretärs vom April diesen Jahres stellt klar heraus, dass jetzt eine Kultur der Gewalt den Süden der kongolesischen Ostprovinz Kivu überzieht. Der Terror ist allgegenwärtig. All die kriegführenden Gruppen greifen zu Mord, Vergewaltigung, Brandstiftung, Einschüchterung, Entführung, wahllosen Gefangennahmen und Exekutionen. Sie setzen Landminen ein und rekrutieren Kinder. Alle, die solche Verbrechen begehen, bleiben straflos. Nach dem UN-Bericht „nehmen Hass und Gewalt jetzt die Ausmaße eines Völkermordes an“.

Aber die katholische Gemeinschaft, die ich in Bukavu traf , steht zusammen, um eine Lösung zu finden und den Glauben zu bewahren. Überall gibt es ‚les comités des mamans’, Mütterkomitees, die zusammenkommen, um das Wort Gottes zu leben. Jeden Tag nehmen sie ein Wort aus dem Evangelium und versuchen, es zu leben. Einmal im Monat besuchen sie eine Trainingsstunde, wo über ihre Rechte und die Rechte der Kinder gesprochen wird. „Gottes Wort gibt uns Mut“, sagt eine Mutter. „Wenn die Priester nicht predigen könnten, wüsste ich nicht, wie wir überleben würden. Das Gebet ist unser einziger Trost. Die einzige Hilfe, die wir haben, kommt von der Kirche; ihre Priester sind unsere einzige Unterstützung. Wer von Gott berufen und zum Priester geweiht ist, repräsentiert Jesus Christus. In ihm sehen wir den lebenden Jesus, die Güte Jesu. Die Priester besuchen unsere Familien, deshalb fühlen wir uns nicht allein. Jesus ist mit uns. Nur die Kirche hilft uns zu leben; alles dreht sich um die Kirche.“

„Als ich nach achtmonatiger Abwesenheit in meine Diözese zurückkam“, schrieb der wieder genesene Priester aus Kongolo, wurde ich herzlich empfangen.“ Bei unserem Treffen vor einem Jahr sagte er: „Der Krieg hat mich vieles gelehrt. Ich bin seit drei Jahren Priester. Als der Krieg ausbrach, blieb ich bei meiner Gemeinde. Wie konnte ich meine Schafe verlassen? Uns ist nichts geblieben. Ich habe ein Stück Land mit ihnen gepflügt. Wir pflanzten Getreide. Ich hoffe, dass wir es, wenn ich zurückkehre, ernten und die Ernte unter die Leute verteilen können. Ich möchte weiterhin Jesus bezeugen. Das ist in meinem Herzen. Das ist alles, was ich habe. Ich will weiterhin Zeugnis von meinem Glauben ablegen. Ich will alles tun, um Gottes Antlitz zu zeigen. Erzähle von mir und von der Göttlichen Vorsehung, wenn Du in Dein Land zurückgehst.“

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