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Vor 60 Jahren wurde Jesuitenpater Alfred Delp hingerichtet

30. Jänner 2005 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Am 2. Februar starb Alfred Delp am Galgen der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee - Gedenkgottesdienst mit Kardinal Wetter am 5. Februar in München


München (kath.net/ok)
Am 2. Februar jährt sich zum 60. Mal der Tag der Ermordung des Münchner Jesuitenpaters Alfred Delp durch die nationalsozialistische Terrorjustiz. Am 2. Februar 1945, dem Tag, an dem die katholische Kirche das Fest Mariä Lichtmess feiert, starb Alfred Delp im Alter von 37 Jahren am Galgen der Hinrichtungsstätte Berlin-Plötzensee. Er war einer der maßgeblichen intellektuellen Köpfe im Kreisauer Kreis, der Widerstandsgruppe um den Grafen Helmuth James von Moltke. Delp lebte und starb für ein neues und besseres Deutschland. "Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind", heißt es in seinen Aufzeichnungen.

Die 1942 entstandene Widerstandsgruppe, die einen politischen Neuanfang nach dem Zusammenbruch der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland vorbereitete, hatte eines ihrer Zentren auch in der bayerischen Landeshauptstadt um den Jesuitenprovinzial Augustinus Rösch. Über die Planungen des Kreises waren auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Michael Faulhaber und der Bischof von Berlin, Graf Konrad von Preysing, durch Kontaktmänner "immer informiert", wie der Historiker Roman Bleistein SJ in einer Biographie über Rösch festgestellt hat.

Alfred Delp war am 28. Juli 1944 unmittelbar nach dem Ende der Frühmesse in der St. Georgskirche, einer Filiale der Pfarrei Heilig Blut im Münchner Stadtteil Bogenhausen, wo er seit 1939 als Seelsorger wirkte, von zwei Gestapo-Männern verhaftet worden. In seinem Notizbuch fand sich der Name des Hitler-Attentäters Graf Claus Schenck von Stauffenberg. So wurde er verdächtigt, an der Vorbereitung des Attentats vom 20. Juli 1944 beteiligt gewesen zu sein.

Ein evangelischer Pfarrer schmuggelte Wein und Hostien ins Gefängnis

Am 7. August 1944 wurde Delp von München in das Gestapo-Gefängnis Berlin-Moabit überführt. Dort wurde er am 14. und 15. August sogenannten "verschärften Verhören" unterworfen. In die Haftanstalt Berlin-Tegel wurde er am 27. September verlegt. Dort konnte er am 1. Oktober das erste Mal wieder die Eucharistie in der Gefängniszelle feiern. Der evangelische Pfarrer Harald Pölchau hatte dazu Wein und Hostien eingeschmuggelt. Am 8. Dezember, dem in der katholischen Kirche gefeierten Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Gottesmutter Maria, legte Delp heimlich vor einem Besucher, einem Mitglied seines Ordens, die Professgelübde ab und vollzog damit die endgültige Bindung an den Jesuitenorden.

Der Prozess gegen ihn wegen Hoch- und Landesverrat wurde am 9. und 10. Januar 1945 vor dem sogenannten Volksgerichtshof geführt. "Ich spürte bei den ersten Fragen die Vernichtungsabsicht. Es war alles fertig, ehe es anfing", schrieb Delp über den Prozess in einem Brief. Am 11. Januar 1945 verkündete der oberste Blutrichter des Dritten Reiches, Roland Freisler, das Todesurteil gegen Delp und seine Freunde aus dem Kreisauer Kreis. Mitten im Krieg habe er sich mit offenkundigen Staatsfeinden in konspirative Gespräche und Planungen eingelassen, hieß es in der Urteilsbegründung. Sein "Verrat" bezeuge "vollkommene Ehrlosigkeit". Der katholische Gefängnispfarrer Peter Buchholz berichtete noch am Tage der Hinrichtung einer Vertrauten von Pater Delp, er sei als ein "Vorbild der Starkmut und Geduld" in den Tod gegangen. Es habe sich erfüllt, was er in einem Gebet selbst formuliert hatte, "dass Gott mich in der Kraft halte, seiner Fügung und Zulassung gewachsen zu sein".

Blutrichter Freisler überlebte Tod Delps nur einen Tag

Den Tag der Hinrichtung Delps am 2. Februar 1945 überlebte Roland Freisler nur einen Tag. Der fanatische Nationalsozialist, der einst seine politische Karriere als überzeugter Kommunist und sowjetischer Lagerkommissar begonnen hatte, wurde am 3. Februar 1945 bei einem Bombenangriff von einstürzenden Trümmern erschlagen. Graf von Moltke, ein bekennender evangelischer Christ, um den sich der Kreisauer Kreis gebildet hatte, war mit Delp verurteilt, aber bereits am 23. Januar 1945 hingerichtet worden. Er schrieb in einem Brief an seine Frau, in diesem Prozess habe er "als Christ und als gar nichts anderes" gestanden. Moltke zitierte auch eine Äußerung, die Freisler ihm gegenüber gemacht hatte: "Nur in einem sind das Christentum und wir gleich: Wir fordern den ganzen Menschen."

Symposion mit Originaltexten von Alfred Delp und Gespräch mit Zeitzeugen

Die Erzdiözese München und Freising wird Alfred Delps und weiterer sieben Männer bei einem Gottesdienst gedenken, die vor 60 Jahren im Widerstand gegen den Nationalsozialismus starben. Kardinal Friedrich Wetter wird den Gottesdienst am Samstag, 5. Februar, um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche Heilig Blut im Münchner Stadtteil Bogenhausen feiern. Zuvor, um 14.00 Uhr, beginnt im Pfarrsaal von Heilig Blut (München-Bogenhausen, Scheinerstraße 12) ein Symposion, das Leben und Wirken von Pater Delp darstellen und auch von ihm verfasste geistliche und gesellschaftspolitische Texte vorstellen wird. Die Pfarrei veranstaltet das Symposion gemeinsam mit der Deutschen Provinz der Jesuiten. Dabei wird auch eine Neuerscheinung aus dem Würzburger Echter Verlag mit dem Titel "Alfred Delp - Held gegen Hitler" präsentiert. Auch der Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV Hansa e.V. München) gedenkt gemeinsam mit dem Katholikenrat der Region München des Todestages von Pater Delp. Unter dem Motto "Im Sog des Untergangs" findet am Donnerstag, 17. Februar, um 19.00 Uhr im Münchner Hansa-Haus (Brienner Straße 39) ein Gespräch mit einem Zeitzeugen, Jesuitenpater Karl Adolf Kreuser, statt, der Alfred Delp noch persönlich gekannt hat.

In der Münchner Pfarrei Heilig Blut wirkte Alfred Delp als Seelsorger wie auch Kaplan Hermann Joseph Wehrle, dem als Seelsorger eines Widerstandskämpfers des 20. Juli, Ludwig Freiherr von Leonrod, der Prozess gemacht und der als Verräter bereits am 14. September 1944 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. In der Pfarrei lebte auch der Diplomat Franz Sperr, der letzte bayerische Gesandte in Berlin, der wegen seiner Kontakte zum Kreisauer Kreis am 23. Januar 1945 in Berlin erhängt wurde. An der 1934 von Kardinal Faulhaber geweihten Pfarrkirche mit dem beziehungsreichen Namen "Heilig Blut" findet sich eine große Gedenktafel, die an Delp, Leonrod, Wehrle und Sperr erinnert. Die vier Männer gehören zu den mehr als 700 katholischen deutschen Frauen und Männern, die als Zeugen für Christus im 20. Jahrhundert starben, die meisten von ihnen unter dem Nationalsozialismus. An der Gedenktafel werden die Teilnehmer des Symposions am 5. Februar um 17.00 Uhr einen Kranz niederlegen.



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