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Salz der Erde, nicht Honig

12. September 2004 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Mahner und Mutmacher: Am 15. September 2004 wäre Erzbischof Johannes Dyba 75 Jahre alt geworden. Das Bistum Fulda veröffentlichte aus diesem Anlass einen Kommentar.


Fulda (www.kath.net)Am 15. September 2004 wäre Erzbischof Johannes Dyba (1929-2000) 75 Jahre alt geworden. Er hätte diesen Tag gerne erlebt, weil er sich schon sehr auf die Jubiläen in den Jahren 2002 (Bistumsjubiläum) und 2004 (Bonifatiusjubiläum) freute. Nun hat er sie „von oben“ mitgefeiert. Über vier Jahre nach seinem Tod bietet sein runder Geburtstag, mit dem er als Bischof offiziell seinen Rücktritt eingereicht hätte, einen willkommenen Anlass, an ihn und seine Botschaft zu erinnern und zu fragen, was er uns für unsere Zeit sagen kann.

Wenn man die heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen betrachtet, fällt zunächst auf, dass er vieles in geradezu prophetischer Weise vorausgesehen hat. So haben sich seine Befürchtungen hinsichtlich der Schutzlosigkeit des menschlichen Lebens leider bewahrheitet. Inzwischen ist die aktive Sterbehilfe in den Niederlanden, Belgien (und wahrscheinlich bald auch in Frankreich) legalisiert, die Reproduktion von menschlichen Embryonen zu Forschungszwecken (und sei es „nur“ aus therapeutischen Gründen) wird schon jetzt praktiziert und von den Wissenschaftlern immer vehementer gefordert, und die sogenannte „Homo-Ehe“, die – man mag es drehen und wenden, wie man will – sicherlich nicht zum Aufbau einer natürlichen Familie und zum Abbau des Kindermangels in Deutschland beiträgt, wird inzwischen von etlichen Politikern – bis in die Führungsetagen hinein – als überfällig bezeichnet.

Die Entwicklungen sind also weitergegangen, und in vielen Bereichen gehen sie aus christlicher Sicht in die falsche Richtung. Ist Erzbischof Dyba deshalb gescheitert? Wenn man sich die vielen Christen anschaut, die sich – letztendlich von seinem Zeugnis ermutigt – weiterhin für den Schutz des Lebens einsetzen, kann man das sicherlich nicht behaupten. Die Kirche wird hier in Zukunft eine ihrer wesentlichen Aufgaben der Verkündigung sehen. Und Erzbischof Dyba kann dabei ein guter Fürsprecher sein. Er bleibt Mahner für die Zukunft und Hoffnung aller, die sich dafür stark machen, der „Kultur des Todes“ eine Zivilisation der Liebe und des Lebens entgegenzusetzen.

Johannes Dyba ist aber nicht nur in Fragen des Lebensschutzes ein aktueller Ratgeber. Auch in puncto Profilschärfung des Christentums hat er uns einiges zu sagen. Nicht erst seit dem 11. September 2001, den er ja nicht mehr miterlebte, wissen wir, dass es im Dialog mit den anderen Religionen – allen voran dem Islam – in Zukunft verstärkt darauf ankommen wird, den eigenen Glauben bewusster zu kennen und zu bekennen. Das Christentum im 21. Jahrhundert wird ein missionarisches sein oder es wird nicht mehr sein.

Und dabei bedarf es bei aller Differenzierung, Toleranz und Lernbereitschaft auch eines beträchtlichen Mutes: eines Mutes, sich auch einmal als Kontrast und Gegenüber zur Gesellschaft zu begreifen, wo es vom Evangelium her geboten ist; eines Mutes, Salz der Erde zu sein, nicht Honig; eines Mutes, wie ihn Erzbischof Dyba ausgezeichnet hat. In dieser Hinsicht hatte er etwas von dem „eichenfällenden Mut“ des Bonifatius, der kein „stummer Hund“ sein wollte, sondern darauf bedacht war, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen.

Bei alldem war Johannes Dyba aber kein nörglerischer oder opportunistischer Geist, sondern ein Mensch voller Humor und Charme. Vielleicht kann uns auch das für die Zukunft ein Vorbild sein. Als Kirche sollten wir den Menschen zwar in aller Klarheit Rede und Antwort stehen und „Zeugnis geben von der Hoffnung, die uns erfüllt“ (vgl. 1 Petr 3, 15), wir dürfen dies aber durchaus in aller Freude, Natürlichkeit und Spontaneität tun.

Die Menschen sollen spüren, dass wir zu ihnen gehören und sie gern haben. Und wir müssen eine Sprache sprechen, die sie verstehen. Ein Geheimnis der Beliebtheit und des „Erfolgs“ von Erzbischof Dyba lag darin, dass er eine Sprache fand, die den Menschen ans Herz ging und von ihnen verstanden wurde. Selbst viele seiner Kritiker mussten zugeben, daß er als Mensch immer jemand war, mit dem man auf ganz natürliche, herzliche und einfache Weise umgehen konnte.

So ist Johannes Dyba als Mensch und Bischof in vielerlei Hinsicht ein Vorbild gewesen. Und er bleibt es auch in Zukunft. Die Fragen, die uns in den nächsten Jahren beschäftigen werden, machen ihn als Mahner und Mutmacher aktuell, aber auch als jemanden, der sich in seinem tiefen Glauben den Blick für das Wesentliche bewahrt hat. In seiner Bedeutung für Gesellschaft und Kirche bleibt er unvergeßlich.

Dr. Cornelius Roth / Pressestelle Bistum Fulda



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