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Erzbischof Heße wendet sich an Bischofskongregation - „Ich kann nicht Richter in eigener Sache sein“

21. November 2020 in Deutschland, keine Lesermeinung
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Hamburg (kath.net/peh) Der Erzbischof von Hamburg, Dr. Stefan Heße, lässt vorerst sein Amt als Geistlicher Assistent des Zentralkomitees der Katholiken ruhen. Zugleich hat sich der Erzbischof am Freitag offiziell mit einem Schreiben an die Bischofskongregation in Rom gewandt. Darin informiert er diese über die aktuelle Situation und die öffentliche Debatte um die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln, mit denen auch er als damaliger Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal und Generalvikar befasst war. Er kündigt in dem Brief zudem an, dass er - sobald die Ergebnisse der jetzt in Köln laufenden Untersuchung vorliegen - diese an die Bischofskongregation senden werde. „Auf meine Bitte hin soll Rom prüfen, ob die dann vorliegenden Untersuchungsergebnisse Auswirkungen auf mein Amt als Erzbischof in Hamburg haben", so der Erzbischof. Köln hat die Vorlage der Untersuchung für März 2021 angekündigt.

„Ich habe mich heute schriftlich an den Präfekten der Bischofskongregation, Kardinal Marc Quellet, gewandt und ihm die Situation geschildert. Ich habe ihm gegenüber erklärt, dass ich mich stets nach bestem Wissen und Gewissen an der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln und nie an der Vertuschung solcher Fälle beteiligt habe. Die seit Monaten öffentlich geführte Debatte über meine Zeit in Köln belastet nicht nur mich persönlich, sondern auch die Katholikinnen und Katholiken im Erzbistum. Aus Sorge um das Erzbistum Hamburg sehe ich es daher als meine Pflicht an, die römischen Stellen sowohl über die aktuelle Situation als auch über die im März vorliegenden Untersuchungsergebnisse aus Köln zu unterrichten. Für mich ist es selbstverständlich, dass ich nicht Richter in eigener Sache sein kann, sondern die Instanz um Prüfung bitte, die mich in mein Amt als Erzbischof eingesetzt hat", erklärte Erzbischof Stefan Heße.


Am Abend zuvor hatte Erzbischof Heße als Assistent des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) vor den in einer digitalen Konferenz tagenden Mitgliedern des ZdK eine Erklärung abgegeben. Er gab dort seinem Bedauern Ausdruck, dass seine Aufgabe für das Zentralkomitee zum gegenwärtigen Zeitpunkt durch die öffentliche Debatte über die Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln belastet sei. Er kündigte daher am Donnerstagabend an, sein Amt als Geistlicher Assistent vorläufig ruhen zu lassen, bis die Sachverhalte durch eine derzeit in Köln laufende Untersuchung endgültig geklärt seien. Aus diesem Grund werde er auch an der am Freitag und Samstag digital tagenden Vollversammlung des ZdK nicht teilnehmen.

Im folgenden Auszüge aus der gestrigen Erklärung:

„Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Schwestern und Brüder,

ich möchte im Rahmen dieser Vorkonferenz wie angekündigt ein Statement abgeben angesichts der aktuellen öffentlichen Debatte über den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und im Besonderen über die Aufarbeitung des Missbrauchs im Erzbistum Köln. Ich möchte dies gerade deshalb tun, weil dabei auch mein Name fällt. Es geht vor allen Dingen um meine Tätigkeit als Leiter der Hauptabteilung Seelsorge-Personal zwischen 2006 und 2012 sowie um meine Aufgaben als Generalvikar und Diözesanadministrator in Köln in den Folgejahren bis zu meinem Wechsel nach Hamburg Anfang 2015. Ich bedauere, dass dies meine Aufgabe als geistlicher Assistent des ZdK belastet.

Mir ist es ein großes Anliegen, dass der sexuelle Missbrauch innerhalb der katholischen Kirche aufgearbeitet und aufgeklärt wird. Die Wahrheit über das geschehene Unrecht und der Umgang der kirchlich Verantwortlichen damit muss transparent gemacht werden.

Nach der Präsentation der sogenannten MHG-Studie hat das Erzbistum Köln eine eigene Studie in Auftrag gegeben zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kölner Erzdiözese. Ich habe von Anfang an meine Bereitschaft erklärt, daran mitzuwirken, weil ich mir dadurch eine Klärung der systemischen Ursachen und auch meiner persönlichen Verantwortung erhoffe. Dies kann meines Erachtens nur durch eine umfassende, unabhängige und transparente Recherche geschehen. Um es in einem Bild zu sagen: eine solche Studie hält mir wie in einem Spiegel vor Augen, wie ich damals meine Verantwortung wahrgenommen habe. Dieser Verantwortung stelle ich mich.

Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs habe ich stets nach bestem Wissen und Gewissen vorangebracht. Deswegen schließe ich für mich persönlich jegliches Vertuschen ausdrücklich aus. Dass auch mir Fehler unterlaufen sein können, kann ich nicht ausschließen und das habe ich von Anfang an wiederholt deutlich gemacht. Möglicherweise habe ich – erst recht unter heutigen Bewertungsmaßstäben - manches nicht bzw. nicht genügend im Blick gehabt.

Ich habe von Anfang an mit der durch das Erzbistum Köln beauftragten Untersuchung kooperiert, durch Gespräche und schriftliche Stellungnahmen. Mittlerweile hat sich das Erzbistum Köln von der Zusammenarbeit mit der Kanzlei Westphal aus München getrennt und den Auftrag neu vergeben. Diese Entscheidung der Kölner Bistumsleitung habe ich über die Pressemitteilung erfahren. Selbstverständlich werde ich auch mit Professor Gercke kooperieren, der jetzt vom Erzbistum Köln beauftragt wurde, auch wenn ich zum derzeitigen Zeitpunkt noch keine Informationen über den Ablauf dieser Studie und die konkret gewünschte Mitarbeit habe.

Bei der neuerlichen Kölner Untersuchung hoffe ich auf eine profunde Arbeit, die auch mein Wirken konkret darstellt und meine Verantwortlichkeiten benennt, und die mir vor allen Dingen die Augen dafür öffnet, es einzuordnen sowie bewerten zu können und die nötigen Schlüsse daraus zu ziehen.

Ich bitte vor diesem Hintergrund um Verständnis dafür, dass ich an der anstehenden Vollversammlung nicht teilnehmen werde. Mit dem Präsidium des ZdK habe ich mich diesbezüglich beraten und wir sind zu der gemeinsamen Überzeugung gekommen, dass ich als geistlicher Assistent des ZdK pausieren werde bis zur endgültigen Klärung der Sachverhalte.

Bleiben Sie auch persönlich behütet und gesund. Ich wünsche Ihnen bei Ihrer Versammlung gute Beratungen und Beschlüsse und darf mich bis auf Weiteres von Ihnen verabschieden. Danke für Ihre Aufmerksamkeit!"

Pressefoto Erzbischof Heße (c) Erzbistum Hamburg


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