Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Österreich: Ab Montag verpflichtender Mund-Nasenschutz bei Gottesdiensten
  2. Vatikan gegen Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten
  3. 27 deutsche Ärzte ersuchen Bischöfe um Erlaubnis der Mundkommunion
  4. USA: Zweiter Fall eines ungültig getauften Priesters
  5. Berlin: „Antisemitismus-Beauftragter“ will Pacelli-Allee umbenennen
  6. 'Kirche, Sex und Sünde' - Fake-News-Alarm durch Kardinal Marx & Friends
  7. 'Synodaler Weg' braucht (fast) kein Mensch
  8. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  9. Linke US-Verfassungsrichterin Ginsburg an Krebs gestorben - Kommt katholische Höchstrichterin?
  10. Berliner Christenverfolgung
  11. "Aus dem Star, der Himmel und Erde gemacht hat, wird also ein Sternchen. Kyrie eleison!"
  12. Bischof Oster kritisiert Unterstützung von „She decides“ durch Maria Flachsbarth/Kath. Frauenbund
  13. Diesen Corona-Irrsinn versteht niemand mehr
  14. Schönstatt-Gründer Pater Kentenich ein Missbrauchstäter?
  15. Kardinal Woelki warnt vor Entstehung einer deutschen Nationalkirche

Studie: Psychiater besorgt über "Sterbehilfe" bei psychisch Kranken

15. September 2020 in Prolife, 2 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Veraltetes Wissen von Ärzten und Gesetzgebern über Therapiemöglichkeiten bei Persönlichkeitsstörung


Wien (kath.net/Imabe) Mangelnde Kompetenz und Überforderung angesichts von komplexen Krankheitsbildern bei psychischen Erkrankungen kann dazu führen, dass sich Ärzte und Therapeuten mit vermeintlichen Tötungswünschen ihrer Patienten solidarisieren statt sie weiter zu behandeln. Zu diesem besorgniserregenden Ergebnis kommt eine aktuelle, in Borderline Personality Disorder and Emotion Dysregulation publizierte Studie (2020: 7 (15) https://doi.org/10.1186/s40479-020-00131-9).

Das Autorenteam aus 11 Ländern rund um den Psychiater Lars Mehlum vom National Centre for Suicide Research and Prevention der Universität Oslo beobachtet mit Sorge die Entwicklung der Beihilfe zum Suizid und Tötung auf Verlangen für Menschen mit psychischen Erkrankungen (Personality disorder – PD). Im sog. Expertise Center for Euthanasia in Amsterdam wurden 75 Prozent der Tötungen auf Verlangen bei Patienten mit psychischen Erkrankungen durchgeführt (vgl. Bioethik aktuell, 4.6.2020)

Acht Länder weltweit haben Beihilfe zum Suizid legalisiert, davon fünf auch Tötung auf Verlangen (EAS=Euthanasie/Assisted Suicide). In sechs dieser Länder können auch Menschen mit psychischen Erkrankungen EAS in Anspruch nehmen, wenn sie den Wunsch danach äußern sowie ihre Leiden „unerträglich“ und „ohne Aussicht auf Besserung“ sind. In fünf Ländern ist EAS sogar bei Kindern und Minderjährigen erlaubt.


Nach Analyse der vorhandenen Daten zeigen die Autoren „ernsthafte Bedenken hinsichtlich der in immer mehr Ländern auftretenden Praxis, Menschen mit Persönlichkeitsstörungen die EAS zu erleichtern“. Die Vorstellung von Persönlichkeitsstörungen (PD) als „unbehandelbarer“ Zustände und „ohne Aussicht auf Besserung“ beruhe auf "veraltetem Wissen über den Stand der PD-Behandlung". Oft gebe es fehlerhafte Annahmen über die zugrunde liegende Psychopathologie sowie kaum Wissen über aktuelle Behandlungsmethoden, insbesondere bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen, kritisieren die Psychiater. Co-Autor ist u.a. der Psychoanalytiker Stephan Doering, Vorstand der Universitätsklinik für Psychoanalyse und Psychotherapie der MedUni Wien.

In den Niederlanden wiesen in der Gruppe der psychiatrischen Euthanasie-Fälle 52% der Patienten Persönlichkeitsstörungen oder -schwierigkeiten auf, in 56% der Fälle wurde auch soziale Isolation oder Einsamkeit erwähnt. In den meisten Fällen fehlte eine spezifische psychiatrische Behandlung.

Die Autoren weisen darauf hin, dass ein artikulierter Todeswunsch ein Symptom der Störung sein kann und in Wirklichkeit mehrere andere mögliche Botschaften vermittelt. Der Patient fühle sich verlassen, enttäuscht oder wütend. Für jemanden, der häufig starke und peinigende Gefühle von Hilflosigkeit, Traurigkeit und Gefangenschaft verspürt, kann der Gedanke an Tod und Selbstmord ein gewisses Gefühl der Kontrolle („Ich kann den Schmerz stoppen“) und Erleichterung bieten. Der geäußerte Wunsch nach Tötung sei vielfach ein Hilfeschrei zum Leben und nicht der Wunsch nach Hilfe zum Sterben. In den meisten Fällen könnten schwere Suizidtendenzen und selbstverletzendes Verhalten behandelt und Betroffene bei der Genesung unterstützt werden, so die Experten.  

Auch die mögliche Befangenheit von Ärzten und Therapeuten stelle ein Problem dar. Jeder Arzt oder Betreuer sollte kritisch seine eigenen Emotionen angesichts schwieriger und anspruchsvoller Patienten mit Todeswünschen reflektieren. Therapeuten können sich oft „hilflos, entsetzt, schuldig, wütend, betrogen, angewidert und traurig“ fühlen, was ihre Entscheidung, eine EAS zu befürworten, beeinflusst. Je besser Ärzte über mögliche Therapieoptionen und medikamentöse Behandlungen Bescheid wüssten, desto geringer sei ihre Bereitschaft, einer Beihilfe zum Suizid oder Tötung auf Verlangen zuzustimmen.

Die Autoren betonen, dass eine Reihe von psychosozialen Interventionen in randomisierten Studien gezeigt haben, dass sich das Suizid- und Selbstverletzungsverhalten sowohl bei Erwachsenen und Jugendlichen deutlich reduzieren lässt: „Dass dies offenbar der Aufmerksamkeit von Gesetzgebern und medizinischen Fachkreisen entgangen ist, ist zutiefst beunruhigend“.


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 wneusch vor 6 Tagen 
 

Misshandlung wird den Todeswunsch verstärken

Zu den wirksamsten Maßnahmen gegen einen Todeswunsch gehört es sicherlich, das Leben lebenswerter zu machen. Die Psychopharmaka und Elektroschocks der klassischen Psychiatrie, welche das Gehirn schädigen und die Fähigkeit, mit dem Leben fertig zu werden, vermindern, leisten das definitiv nicht.


0

0
 
 Herbstlicht 15. September 2020 
 

Der Wunsch, sterben zu wollen, entspringt doch sicher einer Traurigkeit und Hilflosigkeit.
Sich mit seinen Gefühlen alleingelassen zu fühlen, lässt Einsamkeit entstehen und daraus folgend den Todeswunsch.
Am Bett sitzen, dem kranken Menschen die Hand halten, ihm zuhören, ihn stärken - das kann doch bestimmt sein Gefühl der Überforderung vermindern.

Aber natürlich, wer dies jahrelang tut, kommt sicher auch einmal an die Grenzen seiner seelischen Kraft.
In einer Zeit, wo nur Leistung und sichtbare Erfolge Maßstab sind, zählen die stillen, aufopferungsvollen Stunden am Krankenbett eines lieben Angehörigen nur wenig.

Viele denken wohl: Was stört, muss weg.
Ob es sich um ungeborenes Leben handelt oder um alte oder kranke Menschen - töten scheint der einfachste Weg der Problemlösung.
Die Alten bzw. die Kranken wissen um dieses Denken und wollen deshalb nicht zur Last fallen.
Das zeigt, wie moralisch gefährdet unsere Gesellschaft inzwischen ist.


5

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu









Top-15

meist-gelesen

  1. Berliner Christenverfolgung
  2. Schönstatt-Gründer Pater Kentenich ein Missbrauchstäter?
  3. Österreich: Ab Montag verpflichtender Mund-Nasenschutz bei Gottesdiensten
  4. 'Kirche, Sex und Sünde' - Fake-News-Alarm durch Kardinal Marx & Friends
  5. Vatikan gegen Mahlgemeinschaft von Katholiken und Protestanten
  6. Diesen Corona-Irrsinn versteht niemand mehr
  7. Priester in Italien auf offener Straße erstochen
  8. Bischof Oster kritisiert Unterstützung von „She decides“ durch Maria Flachsbarth/Kath. Frauenbund
  9. USA: Zweiter Fall eines ungültig getauften Priesters
  10. Berlin: „Antisemitismus-Beauftragter“ will Pacelli-Allee umbenennen
  11. Linke US-Verfassungsrichterin Ginsburg an Krebs gestorben - Kommt katholische Höchstrichterin?
  12. Die Helden von Berlin - Trotz Corona mehr als 3000 Teilnehmer beim Marsch für das Leben
  13. 27 deutsche Ärzte ersuchen Bischöfe um Erlaubnis der Mundkommunion
  14. Diese Ablehnung aus Rom war deutlich genug
  15. Erzbischof Gänswein aus Krankenhaus in Rom entlassen

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz