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Kritik an Bischofszeitung ‚Avvenire’ nach Verteidigung des Abtreibungsgesetzes

6. September 2020 in Prolife, 4 Lesermeinungen
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Abtreibungen würden stattfinden, auch wenn es das Gesetz nicht gebe, das Gesetz regle ein ‚unvermeidbares Übel’, heißt es in dem Artikel.


Mailand (kath.net/LifeSiteNews/jg)

Die den italienischen Bischöfen gehörende Zeitung Avvenire hat eine Verteidigung des italienischen Abtreibungsgesetzes veröffentlicht. Der Artikel wurde von Angelo Moretti, Direktor der Caritas der süditalienischen Erzdiözese Benevent, verfasst.

 

Marco Tarquinio, der Direktor von Avvenire, betonte gegenüber der Catholic News Agency, dass er zu bestimmten Themen unterschiedliche Meinungen zu Wort kommen lasse. Morettis Artikel sei gemeinsam mit einem anderen veröffentlicht worden sei, der eine ganz andere Ansicht vertrete. Beide Autoren seien „engagierte Katholiken“.

 

Anlass für Morettis Artikel war eine Änderung der Abtreibungsregelung. Medikamentöse Abtreibungen sind seither auch zu Hause möglich. Moretti vertritt die Ansicht, dass die geltende Abtreibungsregelung („Gesetz 194“) von Katholiken „zur Gänze“ akzeptiert werden kann. Das Gesetz sei „kein Gesetz gegen das Leben“, schrieb er wörtlich.


 

Abtreibung sei ein „soziales Phänomen“. Abtreibungen würden stattfinden, auch wenn es das Abtreibungsgesetz nicht gebe. Das Prinzip hinter dem Gesetz sei die „Regelung eines Phänomens“, das dadurch zu einer „öffentlichen Angelegenheit“ werde. Es sei kein Gesetz, das Abtreibung fördere. Bei einem „unvermeidbaren Übel“ sei das Setzen bestimmter Grenzen akzeptabel und auch in anderen Fällen von der Kirche toleriert, heißt es in dem Artikel weiter. Beispiele seien die Regel „Auge um Auge“ aus dem Alten Testament und die Akzeptanz von Kondomen in Afrika um die Verbreitung von AIDS einzudämmen.

 

In der Diskussion um die Abtreibungspille will Moretti sowohl „die Würde des Embryo“ als auch die „sozialen und anthropologischen Aspekte“ der Frage beachtet wissen. Dazu zählt er auch das von ihm kritisierte „Patriarchat“, noch mehr aber den Lebensstandard von heute mit dem damit verbundenen „Konsumismus“. Die Bereitschaft, Kinder anzunehmen sei gesunken, gegenüber dem „normalen Chaos der Liebe“ sei eine zunehmende Intoleranz in der Gesellschaft festzustellen. Diese Themen sollten im Mittelpunkt des „Dialoges“ stehen, nicht das Gesetz 194, schrieb er.

 

Etliche Lebensschützer wiesen auf den Widerspruch zwischen Morettis Aussagen und der katholischen Lehre zur Abtreibung hin, wie sie im Katechismus der Katholischen Kirche aufgezeichnet ist (KKK 2270-2275). Dazu gehört auch der gesetzliche Schutz der Ungeborenen (KKK 2271).

 

Virginia Coda Nunziante von Italiens „Marsch für das Leben“ sagte gegenüber LifeSiteNews, sie sei von Morettis Stellungnahme verblüfft. Avvenire sollte als offiziell katholisches Medium die Haltung der italienischen Bischofskonferenz einnehmen und nicht ein Gesetz rechtfertigen, das seit seinem Inkrafttreten für 6 Millionen Tote in Italien mitverantwortlich sei.

 

Bei ihrer Tätigkeit für den Marsch für das Leben habe sie leider immer wieder feststellen müssen, dass sich viele als Lebensschützer bezeichnen, aber das Abtreibungsgesetz akzeptieren. Die auch von Moretti vertretene Ansicht, Abtreibungen würden ohnehin vorgenommen, das Gesetz gebe nur bestimmte Regeln vor, treffe sie bei vielen Katholiken an, bis hinein in die kirchliche Hierarchie, sagte Coda Nunziante.

 

 


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