Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Papst Franziskus für Zivilunion für gleichgeschlechtliche Paare
  2. Ein künstlich zusammengeschnittenes Interview und Schweigen im Vatikan
  3. ‚Gehorsamstraining’: Kommentator verurteilt Maskenverordnungen
  4. „Wortlaut der Interviewäußerung ist mir nicht bekannt, aber die Wirkung ist fatal“
  5. Umstrittene Papstaussagen - Gebetsaktion am Petersplatz
  6. "Tun wir so als wäre da nichts"
  7. EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm träumt von „gemeinsamer Feier des Abendmahls“
  8. Kardinal Burke: Franziskus’ Aussagen im Dokumentarfilm ‚Francesco’ nicht lehramtlich
  9. US-Bischof: Die Kirche kann ‚objektiv unmoralische Beziehungen’ nicht akzeptieren
  10. "Die Katholiken sind nicht heimatlos geworden!"
  11. Vertuschungsvorwürfe – Hamburger Erzbischof Heße gerät weiter unter Druck
  12. Zusätzliche Verwirrung in einer ohnehin bereits vergifteten Zeit
  13. „Welt“: „Konservative fühlen sich von diesem Papst nicht mehr repräsentiert“
  14. Covid-19-Pandemie hat ‚neue Ekklesiologie, neue Theologie’ gebracht
  15. Schweden: Schüler muss Kreuz für Klassenfoto abnehmen

„Wir brauchen einen Klimawandel in Sachen Religionsfreiheit“

4. September 2020 in Weltkirche, keine Lesermeinung
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat Jan Figel zum Einsatz für Religionsfreiheit sowie seinem persönlichen Zugang zu dem Thema befragt.


Wien-München (kath.net/KIN)

Der slowakische Politiker Jan Figel war von 2016 bis 2019 erster EU-Sonderbeauftragter für Religionsfreiheit außerhalb der Europäischen Union. Nach einigem politischen Tauziehen wird dieses Amt auch unter Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wieder neu besetzt. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat Jan Figel zum Einsatz für Religionsfreiheit sowie seinem persönlichen Zugang zu dem Thema befragt. Anlass war der von den Vereinten Nationen ausgerufene „Internationale Gedenktag für die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben“ am 22. August. Das Interview führte Josué Villalon.

Josué Villalon: Was verbinden Sie mit dem Gedenktag für die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben, den die Vereinten Nationen 2019 zum ersten Mal ausgerufen haben?

Jan Figel: Der Tag ist wichtig, weil es viele Opfer religiöser Verfolgung gibt. Wir können von hunderten Millionen Betroffenen ausgehen. Die Verfolgung aufgrund der Religion nimmt weltweit zu. Viele weitere Millionen Menschen werden aufgrund ihres Glaubens diskriminiert. In der Vergangenheit wurde die Religionsfreiheit in internationalen Abkommen oft vernachlässigt, doch heute ist Religions- und Glaubensfreiheit der Lackmustest für den Status der Menschenrechte.


 

Wie sollte das Gedenken an die Opfer religiöser Verfolgung aussehen?

Sehr wichtig sind die Zeugnisse von Überlebenden. Beim UN-Gedenktag wurden Demonstrationen, Konferenzen, Online-Sitzungen und Webinare veranstaltet. Diese Veranstaltungen sollten in erster Linie dazu dienen, in uns das Bewusstsein für die universale Bedeutung der Religionsfreiheit zu schärfen und der Opfer religiöser Verfolgung zu gedenken. Denn wer das Gedächtnis verliert, verliert seine Identität und Orientierung.

Zum zweiten ist es sehr wichtig, den Fokus auf eine Erziehung zum Zusammenleben in Vielfalt zu legen. Denn Zusammenleben ist mehr als nur zusammen zu existieren. Und drittens müssen Staaten und nationale Autoritäten Gerechtigkeit für alle fördern, denn Frieden ist die Frucht der Gerechtigkeit. Zum Beispiel sind gleiche Bürgerrechte ein großartiger Ausdruck der Gleichheit für alle, sowohl für die Mehrheit der Gesellschaft als auch für Minderheiten.

 

Welche Erfahrungen haben Sie als junger Mensch in einem kommunistischen Land wie der damaligen Tschechoslowakei gemacht?

Ich habe mein halbes Leben lang ohne Freiheit gelebt. Es war eine unmenschliche Situation. Ich bin nach meinem Onkel benannt, der in den 1950er Jahren vom Geheimdienst des damals stalinistischen Staates ermordet wurde. Freiheit ist ein Ausdruck der Menschenwürde, und die Menschenwürde ist die Grundlage aller Menschenrechte. Die Freiheit des Menschen zu verleugnen bedeutet daher, die Menschenwürde zu verleugnen.

 

Warum ist es in diesem Zusammenhang wichtig, die Religionsfreiheit zu schützen?

Die Religions- oder Glaubensfreiheit ist der höchste Ausdruck der Freiheit. Sie umfasst auch die Freiheit des Gewissens. Daher ist sie für Gläubige wie Nicht-Gläubige gleichermaßen wichtig. Sie ist ein zentrales Menschenrecht, da sie mit der Meinungs-, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit verbunden ist. Wird die Religionsfreiheit unterbunden, werden auch andere Rechte und Freiheiten unterdrückt. Deshalb müssen wir uns mehr denn je für Religionsfreiheit einsetzen.

 

Wie kann dieser Einsatz für die Religionsfreiheit aussehen?

Es ist unsere Pflicht, die Opfer von Verfolgung zu schützen. Es ist unsere menschliche Verantwortung, aber es liegt auch im grundlegenden Interesse aller. Die Medien sollten viel mehr über diese Themen und die Situation verfolgter Menschen berichten. Es liegt in unserer Verantwortung, denjenigen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben und sich nicht verteidigen können. Die Welt braucht heute einen „Klimawandel“ in Sachen Religionsfreiheit, denn die Situation ist sehr leidvoll. Millionen Menschen leiden unter religiöser Verfolgung, und der Trend ist besorgniserregend. Diese Tatsachen sollten in der internationalen Gemeinschaft ein größeres Bewusstsein für die Achtung der Religionsfreiheit und die Verteidigung der Menschenwürde überall auf der Welt wecken.

Foto: Rot erleuchtetes Kreuz bei einem Gebetsabend für verfolgte Christen von „Kirche in Not“.  © Kirche in Not


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Religionsfreiheit

  1. Trump ist ‚leidenschaftlicher Anwalt’ religiöser Menschen
  2. Marokko: Christen müssen ihren Glauben oft heimlich leben
  3. Kalifornien: Proteste gegen Gesangsverbot bei Gottesdiensten
  4. USA: Zwei Urteile des Obersten Gerichtshof zugunsten der Religionsfreiheit
  5. US-Justizministerium schreibt Brief an New Yorks Bürgermeister de Blasio
  6. Kritik nach Aus für EU-Sondergesandten zu Religionsfreiheit
  7. 'Karlsruhe würdigt freie Religionsausübung'

Klima

  1. "Möchte ich mich formell für die Klimaangst entschuldigen!"
  2. 'Klimawandel-Hysterie': Professorin fordert Aussterben der Menschheit
  3. Folgen des Klimawandels in der öffentlichen Debatte übertrieben
  4. Brandgefährlich und höhlt den Rechtsstaat aus
  5. Papst an Klimakonferenz: Welt zu weit von Klimazielen entfernt
  6. Dieter Nuhr: "Das Denken wird totalitär"
  7. Man muss nicht an den Klimawandel 'glauben'...







Top-15

meist-gelesen

  1. Papst Franziskus für Zivilunion für gleichgeschlechtliche Paare
  2. „Wortlaut der Interviewäußerung ist mir nicht bekannt, aber die Wirkung ist fatal“
  3. ‚Gehorsamstraining’: Kommentator verurteilt Maskenverordnungen
  4. Ein künstlich zusammengeschnittenes Interview und Schweigen im Vatikan
  5. Zusätzliche Verwirrung in einer ohnehin bereits vergifteten Zeit
  6. Umstrittene Papstaussagen - Gebetsaktion am Petersplatz
  7. Schweden: Schüler muss Kreuz für Klassenfoto abnehmen
  8. "Tun wir so als wäre da nichts"
  9. „Welt“: „Konservative fühlen sich von diesem Papst nicht mehr repräsentiert“
  10. Vertuschungsvorwürfe – Hamburger Erzbischof Heße gerät weiter unter Druck
  11. Kardinal Burke: Franziskus’ Aussagen im Dokumentarfilm ‚Francesco’ nicht lehramtlich
  12. Die Hybris des Jesuitenpaters James Martin
  13. Die Ehe ist heilig, während homosexuelle Beziehungen gegen das natürliche Sittengesetz verstoßen
  14. "Kirche, du sollst nicht lügen!"
  15. EKD-Vorsitzender Bedford-Strohm träumt von „gemeinsamer Feier des Abendmahls“

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz