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„Die deutsche Kritik geht am eigentlichen Anliegen der Instruktion völlig vorbei“

28. Juli 2020 in Aktuelles, 18 Lesermeinungen
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Bemerkenswerte Reaktion des Kurienkardinal em. Walter Kasper auf deutsche Kritik an der neuen Vatikan-Instruktion zur missionarischen Pfarreipastoral: Dieses Grundanliegen von Papst Franziskus sei vielmehr „hoch aktuell“.


Köln (kath.net/pl) „Die deutsche Kritik geht am eigentlichen Anliegen der Instruktion, der pastoralen Umkehr zu einer missionarischen Pastoral, völlig vorbei.“ Das schrieb der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper in einem Gastkommentar über Reaktionen auf die vatikanische "Instruktion: Die pastorale Umkehr der Pfarrgemeinde im Dienst an der missionarischen Sendung der Kirche" beim Kölner „Domradio“. Dabei hat er zwar durchaus ebenfalls Kritikpunkte, diese sind aber nach seiner grundsätzlichen Zustimmung zur Vatikan-Instruktion nur zweitrangig. „Genau dieses Grundanliegen von Papst Franziskus“ sei doch „in Blick auf die beunruhigenden jüngst veröffentlichten Zahlen der Kirchenaustritte hoch aktuell“, notierte der frühere Bischof der süddeutschen Diözese Rottenburg-Stuttgart (1989-1999) und emeritierter Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen (bis 2010). Außerdem habe man in Deutschland offenbar „überlesen“, dass in der Instruktion „ausführlich von der gemeinsamen Verantwortung des gesamten Volk Gottes und von der ganzen Gemeinde als Subjekt solcher missionarischer Seelsorge, die Rede ist“.


Die Kritik aus Deutschland beziehe sich hauptsächlich auf „die Stellung des Pfarrers innerhalb (!) dieses Gesamtgefüges“, erläuterte Kasper und betonte, dass er seinerseits „für diese Ausführungen dankbar“ sei. Denn die Dauerdiskussionen in der Kirche um Deutschland rund um „Zölibat, Frauenpriestertum, Leitungsteams usw. usf.“ führe unabhängig von den jeweiligen Antwortversuchen dazu, „dass kein junger Mensch mehr weiß, auf was er sich einlässt, wenn er sich für den Priesterberuf entscheidet“. Damit arbeite man allerdings nicht gegen einen Priestermangel, sondern produziere ihn.
 
Die „Betonung der Gesamtverantwortung des Priesters als Pfarrer der Gemeinde“ nannte Kasper ausdrücklich „theologisch legitim“. Gleichzeitig werde anerkannt, dass es Mitarbeiter und beratende Gremien gebe, mit denen ein Pfarrer „nicht nach Lust und Laune“ umgehen könne.

Abschließend äußerte Kasper auch einige Kritikpunkte, die aber angesichts seiner ausdrücklichen, grundsätzlichen Zustimmung zur Instruktion kein Grundsatzgewicht mehr erlangen konnten.

Im deutschen Sprachraum wird das Statement Kaspers bisher zwar aufgegriffen, aber man kann die Reaktionen durchaus als verhalten bezeichnen. Immerhin muss das „offiziell nicht offizielle“ Internetportal der Deutschen Bischofskonferenz bereits in der Überschrift einräumen: „Kardinal Kasper: Deutsche Kritik verfehlt Anliegen der Instruktion“. Der ORF titelt „Kardinal verteidigt umstrittene Vatikan-Instruktion“.

 

Archivfoto Kardinal Kasper (c) kath.net/Petra Lorleberg


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