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Streit über Wiederzulassung von Messfeiern in Italien beigelegt

9. Mai 2020 in Aktuelles, keine Lesermeinung
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Bischöfe und Regierung einigen sich auf Übergangsvorschriften - öffentliche Gottesdienste ab 18. Mai mit Schutzvorschriften möglich - Korrespondentenbericht von Alexander Pitz


Rom (kath.net/KAP) Am Ende ging alles ganz schnell in Italien: Nach wochenlangem Hin und Her ist das Tauziehen über die Wiederzulassung öffentlicher Gottesdienste nach dem Corona-Lockdown vorbei. Die katholischen Bischöfe verständigten sich mit der Regierung am Donnerstag auf einen Neustart ab dem 18. Mai. Der Schritt erfolgt damit rascher und mit weniger Einschränkungen als gedacht.

Etliche Beobachter waren davon ausgegangen, dass erst Ende Mai wieder mit Messfeiern zu rechnen sei - und dann womöglich nur im Freien. Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, hatte die Gläubigen am Montag um Geduld gebeten: "Wir müssen noch ein paar Wochen warten, um die Lage richtig einschätzen zu können." Überstürzte Schritte halte er für "unangemessen", denn sie könnten die Gesundheit aller gefährden.

Nur wenige Tage später die Vollzugsmeldung: Bereits Mitte Mai dürfen die Italiener wieder in ihren Kirchen zelebrieren. Thermoscanner an den Eingängen zur Kontrolle der Körpertemperatur, wie sie zeitweise erwogen wurden, sind nicht vorgesehen. Etliche Diözesen hatten dagegen erfolgreich Widerspruch eingelegt. Sie sahen sich außerstande, die teuren Geräte zu beschaffen.


Dafür enthält ein von Bassetti, Ministerpräsident Giuseppe Conte und Innenministerin Luciana Lamorgese unterzeichnetes Protokoll allerhand andere Schutzvorschriften. So ist für jedes Gotteshaus, abhängig von der Größe, eine Höchstzahl von Gläubigen pro Feier festzulegen. Das soll Gedränge vermeiden und einen Mindestabstand von einem Meter gewährleisten. Qualifizierte Ordner sollen auf die Einhaltung der Vorgaben achten.

Die Teilnehmer sind gehalten, Masken zu tragen. Personen mit Krankheitssymptomen oder vorherigem Kontakt zu Covid-Patienten dürfen nicht mit dabei sein. Nach jedem Gottesdienst sind Sakristei und liturgische Geräte zu desinfizieren; die Weihwasserbecken bleiben leer.

Während der Messe ist auf den Austausch des Friedensgrußes zu verzichten. Zur Austeilung der Kommunion müssen Priester und Austeiler sich abermals die Hände desinfizieren, einen Mund-Nasen-Schutz sowie Handschuhe anlegen. Orgelmusik und Gesang sind erlaubt, Chorgesang jedoch nicht. Die Kollekte wird in Körben am Ausgang eingesammelt.

Wo diese Vorschriften nicht eingehalten werden können, wird zu Feiern unter freiem Himmel geraten - ein Kompromiss, mit dem die italienischen Bischöfe zufrieden sein dürften. "Das Protokoll ist das Ergebnis einer gemeinsamen, gründlichen Zusammenarbeit", sagte Kardinal Bassetti in einer ersten Stellungnahme am Donnerstag. Alle Akteure hätten "verantwortungsvoll" ihren Teil zum Gelingen der Verhandlungen beigetragen.

Ganz so reibungslos verlief die Genese des Protokolls freilich nicht. Das Gottesdienst-Verbot hatte schwer am Selbstverständnis der katholischen Kirche in Italien genagt. Als sich die Bischöfe Anfang März dazu durchrangen, die Aussetzung der Messen mitzutragen, kam das nicht überall gut an. Viele Priester und Gläubige halten die Schutzmaßnahmen gegen die Corona-Pandemie nach wie vor für überzogen.

"Nie in der Geschichte des Landes sind je Messen ausgesetzt worden", kritisierte Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant'Egidio. "In Krisenzeiten war die Kirche immer ein wichtiger Bezugspunkt. Wie 1943 bis 1945, angesichts der deutschen Besatzung und Gewalt", wandte der Historiker ein.

Zuletzt hatte es auch in den Gesprächen zwischen Kirche und Regierung wiederholt Misstöne gegeben. Etliche Bischöfe warfen Ministerpräsident Conte vor, lediglich den wirtschaftlichen Neustart des Landes zu planen, während die Religionsfreiheit weiter eingeschränkt bleibe. Franziskus warnte hingegen in einer Predigt davor, die Erfolge im Kampf gegen das Coronavirus leichtfertig zu verspielen.

Durch die nun gefundene Lösung können alle Beteiligten ihr Gesicht wahren. Sollten die Infektionszahlen allerdings wieder dramatisch steigen, wird die Gottesdienst-Debatte von neuem beginnen.

Copyright 2020 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
Alle Rechte vorbehalten


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