Login




oder neu registrieren?



Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:









Top-15

meist-diskutiert

  1. Kirchen verfehlen die Lebensrealität vieler Christen in Deutschland
  2. Rundumschlag statt geistige Auseinandersetzung
  3. Papst mahnt "Gewissenserforschung" im Umgang mit Flüchtlingen an
  4. Umwandlung der Hagia Sophia löst Proteste in Ost und West aus
  5. Kritik: „Gewissensfreiheit durch die Hintertür eines faktischen Teilberufsverbots aushebeln“
  6. Diözese Linz verlinkt umstrittenes Bekenntnis zur LGBT-Propaganda
  7. Keine Solidarität der Muslime in Deutschland
  8. Papst: Schmerz wegen der Geschehnisse in Istanbul um die Hagia Sophia
  9. Das Priestertum in Deutschland leidet an kranken Strukturen
  10. „Meine Zeit im Gefängnis“ – „Mein katholischer Glaube hat mich gestützt“
  11. Grüne wollen Ärzte zur Abtreibung zwingen!
  12. Entbehrliches Christentum?
  13. Hagia Sophia: Zerstörung der 1300 Jahre alten Mosaiken befürchtet
  14. Der Glaube ist „verdunstet, verdampft, verflüchtigt“, auch an den katholischen Schulen
  15. Türkisches Gericht annulliert Museumsstatus der Hagia Sophia

Freiheit: Gesellschaft will eingesperrt werden – und Kirche gleich mit

21. April 2020 in Kommentar, 22 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


"Die freiheitliche Grundordnung in Deutschland steht auf der Kippe. Der Umgang mit #Corona-Maßnahmen ist ein Symptom des Niedergangs. Die Demokratie erlebt in diesem Land ihren härtesten Testlauf" Gastkommentar von Felix Honekamp


Berlin (kath.net/Papsttreuer Blog) Eigentlich muss man der Dame ja dankbar sein: Unsere Kanzlerin spricht von „Öffnungsdiskussionsorgien“ und macht dadurch – nach „alternativlos“, „nicht hilfreich“ und „nicht mehr mein Land“ – erneut deutlich, was sie als ehemalige FDJ-Sekretärin vom demokratischen Austausch von Meinungen hält. Beunruhigend ist daran aber vor allem, dass man vermuten muss, dass sie mindestens eine absolute Mehrheit der Bundesbürger hinter sich hat, die offenbar der Meinung sind, der Staat solle für sie entscheiden, welches Risiko sie eingehen dürfen und was verboten gehört.
Notwendige Verbote?

Warum sind solche Verbote für diese Menschen notwendig? Würden sie unweigerlich vor jeden LKW laufen, wenn das Überqueren der Straße bei „rot“ nicht verboten wäre? Würden sie ihre Kinder und ihre gebrechlichen Eltern dabei gleich mit ziehen? Also reichen für solche Menschen keine gesundheitlichen Bulletins, es reichen auch keine Virologen, die Gefahrensituationen beschreiben und Maßnahmen zu deren Vermeidung vorschlage. Ein Großteil der Menschen ist ohne Verbote und Zwangsmaßnahmen ganz offensichtlich nicht lebensfähig … und da verunsichern natürlich Diskussionen über Sinn und Unsinn einzelner solcher Maßnahmen nur.

Nun hat aber der „Lockdown“, das weitgehende zum Erliegen bringen des öffentlichen Lebens, auch noch mindestens zwei unangenehme Nebenwirkungen, nicht nur, dass manchem der dauernde Aufenthalt zu Hause auf die Nerven gehen kann. Es ist erstens der Verlust der sozialen Kontakte, den man mit Videokonferenzen nur bedingt ausgleichen kann. Natürlich kann man telefonieren, natürlich kann man Skype, Zoom, Webex etc. zum Einsatz bringen. Aber die Nähe eines Menschen, mit dem ich mich in einer Kneipe oder einem Café treffe, um über Gott und die Welt zu schnacken, ist nicht durch Emojis zu ersetzen.

Soziale Wesen

Menschen sind soziale Wesen; eine Gesellschaft funktioniert nur so lange gut, wie soziale Kontakte gewährleistet sind. Autoritäre Systeme kennen das und nutzen den Effekt: Seit jeher gehört es zum sozialistischen Gedankengut, allzu enge Bindungen aufzulösen und als altbacken, fortschrittshemmend oder – natürlich – konservativ und im Zweifel rechts zu denunzieren. Wenn wir also heute eine politische Landschaft vorfinden, deren Protagonisten sich in erster Linie als „links“ definieren, dann ist Gefahr im Verzug: Die politische Nomenklatura hat längst für sich entdeckt, dass Angst ein wunderbares Vehikel ist, um den Menschen alle möglichen sozialen Einschränkungen zu „verkaufen“.

Zweitens gehört zu den windfall-profits einer Politik, die die Gesellschaft nach ihren eigenen Vorstellungen umbauen möchte, die Schwächung des christlichen Glaubens. Ob man nun Gottesdienste explizit verbietet oder sich diese nur aus anderen Freiheitseinschränkungen ergeben, ist dabei unerheblich. Die Kirchen sind weitgehend leer, abgesehen von Online-Angeboten mit durchaus unterschiedlicher und teilweise durchwachsender Qualität, liegt das geistliche Leben weitgehend brach. Wer den Gang in die Messe immer schon als eher störend empfunden hat und nur „in die Kirche gegangen“ ist, weil man das so tut, für den ist die jetzige Situation eine Entlastung. Diejenigen aber, die eine Messe besuchen wollen, die eine auf YouTube verfolgte Messe nicht für einen adäquaten Ersatz für die Beteiligung an einer Eucharistiefeier halten, leiden in diesen Tagen, und nicht nur zu Ostern.

Wie ziviler Ungehorsam aussehen könnte

Und sie leiden noch mehr, weil es die deutschen Kirchenführer nicht für nötig halten, sich dagegen adäquat aufzulehnen. Wenn man es wirklich ernst meinte mit dem Protest gegen religionsfreiheiteinschränkende Maßnahmen wäre der zivile Ungehorsam schnell hergestellt: Der Dispens, die Pflicht zur Teilnahme an der Heiligen Messe auszusetzen, kann bestehen bleiben, darüber hinaus gestaltet man die Kirchenräume risikoreduzierend, sorgt für Abstand zwischen den Familien und findet Möglichkeiten zum Empfang der Eucharistie, die sowohl für Priester wie auch für Gläubige das Risiko einer Corona-Infektion minimieren. Dann möchte ich mal sehen, wie Hundertschaften von Polizei und Ordnungsamt ausrücken, um tausende Heilige Messen in diesem Land zu unterbinden.

Das aber wäre eine Abkehr von dem Konsens, als Kirchenorganisation alles zu tun, um der Politik zu gefallen. Es wäre ein deutliches Zeichen des Widerspruchs gegen eine Politik und gegen einen gesellschaftlichen Trend, die den Glauben an den Rand zu drängen und den Kirchenbesuch auf eine Stufe mit einem Konzertbesuch zu stellen versuchen. Das stimmt mich wiederum nicht sehr optimistisch: Die Kirche als Stachel im Fleisch der Gesellschaft? Das ist leider schon eine ganze Weile her, auch wenn es unter den Bischöfen immer wieder auch Ausnahmen gibt, die sich mit der Politik nicht gemein machen.

Chefs oder Hirten?

Bei der Gelegenheit möchte ich mich schützend vor die einfachen Gemeindepriester stellen, die oft selbst unter der Situation leiden, ihren Bischöfen aber gehorsam bleiben. Ich kann gut verstehen, dass sie sich nicht gegen ihren „Chef“ auflehnen, auch wenn man durchaus unterschiedlich innovativen Umgang mit den Einschränkungen beobachten kann. Es ist eben ein Unterschied, ob ich die Kirchen lediglich öffne, oder ob das Allerheiligste ausstelle, damit die Menschen vor Jesus beten können – auch um ein Ende der Pandemie. Es ist ein Unterschied, ob ich ein YouTube-Video ins Netz stelle oder für Gelegenheiten sorge, bei aller gebotenen Vorsicht zu einem Austausch mit den Gläubigen zu kommen. Wenn Priester mit dem Monstranz durch die Straßen ziehen oder gar – wie in meiner Nähe geschehen – mit dem Flugzeug über die Gemeinde fliegen um sie aus der Luft zu segnen, dann zeugt das von viel Phantasie, Christus zu den Menschen zu bringen, wenn sie nicht zu ihm kommen können.

Nicht selten wird auf solche Ausnahmeinitiativen hingewiesen, wenn Kritik daran laut wird, die Kirche sei in dieser Zeit nicht in der Nähe der Menschen. Aber erstens sind es in der Tat Ausnahmen, und zweitens – was noch schwerer wiegt – tragen diejenigen, die qua Amt als Bischöfe die Hirten ihrer Gläubigen sein müssten, dazu offenbar nichts bei. Man hat es sich auf Bistumsebene in den Schützengräben anscheinend gemütlich gemacht, übt sich in falschem Gehorsam der Politik gegenüber und wartet, dass der Sturm vorüber geht. Keine Ahnung, wer diese Art von Hirten noch braucht?!

Demokratie im Test

Am Ende ist es aber – wie eingangs erwähnt – offenbar ein gesellschaftlicher Konsens, der sich hier wiederspiegelt (was insbesondere bei kirchlichen Würdenträgern nichts entschuldigt), dass man lieber kein Risiko eingeht, Menschen in Krankenhäusern und älteren Menschen in Altenheimen sich selbst und dem medizinischen Personal (die wirklich Anerkennung verdienen!) überlässt, und ansonsten meint, der Staat würde sich schon um einen sorgen. Das tut er in gewisser Weise, aber in besonderer Weise für sich selbst: Die Politik weiß, was sie an Menschen hat, die sich in ihren Häusern und Wohnungen einschließen lassen, den volkswirtschaftlichen Ruin in Kauf nehmen, wenn Vater Staat dafür aufzukommen und Entlastung verspricht, die ihre geistlichen Grundlagen aufzugeben und alles zu akzeptieren bereit sind, was ihnen die Regierung als alternativlos und/oder risikoreduzierend abverlangt.

Die Demokratie in diesem Land erlebt den vielleicht härtesten Testlauf seit ihrem Bestehen nach dem zweiten Weltkrieg, größer jedenfalls als durch linken Terror in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts oder den islamistischen Terror seit Beginn dieses Jahrtausends. Und weil die meisten diesen Test nicht mal sehen, bin ich mehr als vorsichtig in der Bewertung, wie der Test ausgeht: Wenn die deutsche Gesellschaft feststellen sollte, dass ihr weder der Glaube noch die Freiheit viel wert sind, dann haben ihre Gegner gewonnen.



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

 Steve Acker 23. April 2020 
 

Ich würde es ja noch verstehen, wenn die Einstellung

bestünde: "ist ne schwere Zeit. Es wird hart, müssen wir durch, beissen wir die Zähne zusammen.Geht wohl nicht anders".
aber was ich erschreckend finde, ist dass die Einschränkung von Freiheit und Grundrechten auch noch bejubelt wird, und offenbar viele sich noch härtere Einschränkungen wünschen.
Und das Denunziantentum blüht und wird von der Politik auch noch gefördert.
Und das findet man dann auch noch ganz toll.

Antony.
Deutschland steht relativ gut da, weil eine starke Wirtschaft ein leistungsfähiges Gesundheitswesen ermöglicht, mit u.a. einer wesentlich besseren Ausstattung an Intensivbetten.
Lässt man jetzt die Wirtschaft kaputtgehen, wird auch das Gesundheitswesen kaputt gehen, und dann wird es noch viel mehr Tote geben.
Wie Sie richtig schreiben: wir können nicht alles schliessen bis ein Impfstoff da ist.


1

0
 
 Thomas59 22. April 2020 
 

Schon vergessen?!

Auch die NSDAP ist per Notstandsgesetze an die Macht gekommen!
Geschichte wiederholt sich ständig, nur das Deckmäntelchen wechselt Form und Farbe.
Zitat Wikipedia:
"... Andererseits werden mit Notstandsgesetzen häufig demokratische Rechte außer Kraft gesetzt und führen zum Machtmissbrauch, wie zum Beispiel das Ermächtigungsgesetz (Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich) vom 24. März 1933, durch das Adolf Hitler ermächtigt wurde, ohne Zustimmung von Reichstag und Reichsrat sowie ohne Gegenzeichnung des Reichspräsidenten Gesetze zu erlassen."


5

0
 
 Herbstlicht 22. April 2020 
 

@Diadochus

Vielen Dank für Ihre Worte, denen ich vorbehaltlos zustimme.
In meinem Kommentar weiter unten habe ich vom "Versuchsfeld" gesprochen, Sie vom Testlauf". Beides drückt dasselbe aus.
Die Corona-Krise wird von den Politikern instrumentalisiert. Sie dient ihnen dazu, Angst zu erzeugen. Durch dieses Gefühl wird eine Gesellschaft leichter lenkbar.

Die Kirche in ihren drei Gestalten:
leidend, kämpfend, triumphierend!
Eine kämpfende Kirche kann ich nicht erkennen.
Was ich erkennen kann ist eine folgsame Kirche.
Was uns bleibt ist Jesus Christus, darauf haben Sie mit Recht verwiesen.
Halten wir uns an Ihn und auch an seine Mutter.
Wir haben Gott an unserer Seite und alle Engel und Heiligen.
Gott sei Dank!


5

0
 
 Diadochus 22. April 2020 
 

Testlauf

Von einer Demokratie möchte ich nicht mehr sprechen. Nach diesem Testlauf wird es keine mehr sein. Wir sind mitten drin in der Umgestaltung. Wären wir noch eine Demokratie, würden die verbrieften Freiheitsrechte nicht derart beschnitten. Freiheitsrechte gelten normalerweise auch in Notsituationen. Für mich ist diese Notsituation mutwillig herbeigeführt. Was bedeutet das für die Kirche? Sie tanzt nach der Pfeife des Staates, hat ihre Freiheit aufgegeben. Ist das dann noch eine Kirche? Es ist nicht mehr diese, wie wir sie gewohnt waren. Es ist nur mehr eine leere Hülle. Der Christenmensch bleibt indessen frei. Sein König ist Jesus Christus. Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Im Herzen sind wir frei. Da herrscht nur Gott. Diese Freiheit kann mir niemand nehmen, auch wenn meine Freiheitsrechte äußerlich beschnitten werden.


7

0
 
 Konrad Georg 21. April 2020 
 

./. Der letzte Prophet

Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf. (Erich Honecker)
Das ist kein Gag von mir, sondern bittere Wahrheit.
In allen Großorganisationen, als da sind UNO, EU, alle NGO usw.


5

0
 
 Konrad Georg 21. April 2020 
 

Leider finde ich nirgends eine saubere Darstellung

der einzelnen Maßnahmen. Ich will möglichst weit herum sachverständig sein und da reicht meine Ausstattung nicht, überall Experte zu sein. Nachkommastellen interessieren nur, wenn sie Gewicht haben. ZB 0,04 % CO2 in der Luft. Details von Straftaten sind nicht wichtig, nur wenn es heißt "ein Mann". Als 2015 die Grenzen geöffnet wurden, musste ich aus meinem Kenntnisstand zum Islam erkennen, daß Deutschland spinnt. Inklusiv CDU und CSU. Die haben in ihrer Ignoranz noch nicht einmal gemerkt, daß der von Schröder ausgerufene Kampf gegen rechts gegen sie selber gerichtet ist.
Ach so, sie hatten die Mitte längst verlassen.

Wieso hat die Merkel ums verrecken die Grenzen nicht mehr zu gemacht? Und von daher erscheinen die jüngsten Ereignisse in einen besonderen Licht. Warum konnten Flugzeuge aus China und Iran ohne weiteres auf dt. Flughäfen landen und die Einreisenden mit einem Flyer in der Hand das Gelände verlassen?
./.



Dabei erscheint ein besonderes Interesse der Kanzlerin


4

0
 
 W.S. 21. April 2020 

Danke Antony

für ihre klaren Ausführungen!
Heute hat mir eine befreundete Krankenschwester unter Tränen von den unmenschlichen Maßnahmen in unserem Krankenhaus berichtet. Sie bestätigte in vollem Umfang die Analyse von
Prof. Dr. med. Sucharit Bhakdi

Link hier:
https://youtu.be/dwJSNPz_8uk


7

0
 
 antony 21. April 2020 

@ ottokar: Ich frage mich, auf welchen Grundannahmen das Lob für Deutschland beruht.

Momentan scheint mir die Meinung vorzuherrschen: "Möglichst wenige Neuinfektionen und Tote=erfolgreicher Verlauf". Das scheint mir zu kurz gedacht.

Ohne einen Impfstoff (perspektivisch Anfang 2021 verfügbar) oder ein in ausreichenden Mengen vorhandenes wirksames Medikament wäre doch das Ziel, die Epidemie ohne Überlastung des Gesundheitswesens möglichst schnell hinter sich zu bringen. Wenn ich von einer 90%-Dunkelziffer ausgehe, wären in D aktuell 1,5 Mio. Menschen per Infektion immunisiert bei ca. 40.000 Neuansteckungen tgl. Um 75% der restlichen 80.500.000 zu immunisieren (erst dann kann man wieder normal leben) bräuchte man bei dem Tempo 1.500 Tage! Wie soll unser Land das wirtschaftlich überstehen?

Alternative: Schnelle Durchseuchung unter Berücksichtigung der Intensivkapazitäten (macht am Ende genausoviele Tote). In meiner Heimatstadt (freilich eine eher gering betroffenes Region) waren max. 7 Covid-Pat. auf ITS, bei ca. 30 freien Plätzen. Jetzt werden es immer weniger. Nutzen?


5

0
 
 St. Hildegard 21. April 2020 
 

@Ottokar

Bzgl. Singapur: Die rapide angestiegenen Neuinfektionen betreffen zum großen Teil die ausländischen Billiglöhner - beim Rest der Bevölkerung ist die Sache wohl weitgehend im Griff. Deshalb wäre es aus meiner Sicht wichtig, die Zahlen mal genauer unter die Lupe zu nehmen, nur so sieht man den Erfolg gewisser Maßnahmen ...


5

0
 
 ottokar 21. April 2020 
 

Was ist die beste Lösung?

Antony und ich als Ärzte wissen, dass man zu einer sicheren Diagnose erst kommt, wenn man alle Befunde, die eine Krankheit hinterlässt,sorgfältig analysiert hat.Bezüglich Corona bietet Schweden einen im Augenblick recht günstigen Befund, Singapur und Korea zeigten ursprünglich sehr günstige Befunde,beim augenblicklichen Wiederaufflammen der Infektionen sieht es nicht gut aus.Deutschland wird wegen seines klugen Vorgehens zur Beherrschung der Infektion im Augenblick international als Musterknabe gelobt (NZZ vom18./19.April), wie es allerdings morgen aussieht, das weiss niemand. Deshalb warnen die Infektiologen so sehr vor einer zu raschen Rücknahme der Restriktionen. Und die verantwortlichen Politiker sind so klug dem zu folgen. Um also beim Patienten zu einer sicheren Diagnose zu kommen greife ich mir nicht den augenblicklich scheinbar günstigsten Befund heraus, sondern warte mit meinem Urteil, bis alle Befunde vorhanden sind. Dem Patienten gegenüber wäre alles andere grobfahrlässig.


9

0
 
 credoindio 21. April 2020 
 

@ottokar

"Was wäre dann passiert?"
Das gleich wie in Schweden.


5

0
 
 antony 21. April 2020 

@ ottokar: Wie es geht, zeigen die Schweden

Nach den Bildern aus der Lombardei war es richtig, erst einmal auf Nummer sicher zu gehen und alles runterzufahren.

Mittlerweile wissen wir aber: Wir (Deutschland) haben diese Probleme nicht. Wir hätten sie auch bei Infektionszahlen wie in der Lombardei nicht bekokmmen, weil wir 4x soviele Intensivbetten pro Einwohner haben wie Italien.

Und wir wissen mittlerweile, dass die Ansteckungsrate schon um den 20./21.3. unter 1 sank.

Statt die Maßnahmen entschlossen zurückzufahren, (er-)findet man nun aber einfach neue Gründe, um sie fortzuführen.

Schweden macht es derzeit richtig. Ja, dort gibt es durch den raschenen Infektionsverlauf mehr Tote. Aber: Bei uns wird es durch den langsameren Verlauf genausoviele Tote geben, nur über einen längeren Zeitraum verteilt. Außer, man hält die Beschränkungen für sehr sehr lange Zeit aufrecht (Warten auf Impfung). Dann gibt es aber viele Tote, weil das Geld im Gesundheitswesen fehlt.

Die Schweden werden das Problem in ca. 3 Monaten erledigt haben.


7

0
 
 ottokar 21. April 2020 
 

Zu Antony,

Lieber Antony, bitte erklären Sie uns doch,wie Sie diese einmalige, für die verantwortlichen Politiker,Virologen ,Ärzte und Ökonomen noch nie da gewesene Situation besser meistern würden. Kritik sollte im Stande sein eine begründbare bessere Lösung vorzuschlagen. Klar, dass diese Situation ganz schlimme individuelle, gesundheitliche und wirtschaftliche Kollateralschäden hat und in Zukunft haben wird.Die Richtigkeit der Massnahmen wird zukünftig sicher besser zu analysieren sein, als gegenwärtig.Ich jedenfalls, auch Mediziner, aber kein Virologe oder Epidemiologe , möchte nicht in der Haut der gegenwärtigen Entscheidungsträger stecken.Manche gegenwärtige Diskussion erinnert an den Spruch: Alle denken an sich, nur ich denke an mich.Wir sollten in solchen schlimmen Situationen an einander denken.Und wir sollten zu diesem Zwecke offene Kirchen, mit uns leitenden und beruhigenden Hirten haben!Aber letztere sind auch nur (teilweise einfallslose) Menschen, ängstlich wie Du und ich.


9

0
 
 ottokar 21. April 2020 
 

Ist die Empörung gut überlegt?

Man stelle sich vor, die Verantwortlichen für den täglichen Ablauf unseres gesellschaftlichen Lebens, nämlich die von uns selbst gewählten und somit in die Verantwortung hinein gehobenen Politiker, hätten nicht frühzeitig die unser Leben so stark beeinträchtigenden Einschränkungen angeordnet. Was wäre dann passiert? Welche ungeheuren Vorwürfe müssten sie sich jetzt mit Recht von uns gefallen lassen, weil die Pandemie sich unkontrolliert mit zahllosen Toten ausgebreitet hätte .Das ist Gottlob nicht geschehen! Und jetzt, da vorsichtig die Einschränkungen wieder aufgehoben werden, wird überall, (auch hier) geschimpft, dass alles zu langsam ginge und eifersüchtig wird verglichen, wer darf sein Geschäft wieder öffnen und wer nicht.Ich halte das nicht für eine Bevormundung, sondern für eine verantwortungsvolle Schutzaktion unserer nicht zu beneidenden Politiker. Oder ist das naiv? Hat den einer von euch schon Erfahrung mit einer derartigen Viruspandemie? Dann soll er doch sagen, wie es geht!


9

0
 
 Rolando 21. April 2020 
 

antony

Das kann ich, als Feuerwehrmann bestätigen, der Löschschaden wird in diesem Fall erheblich über dem des Feuers liegen.


10

0
 
 antony 21. April 2020 

@SpatzInDerHand: Da kommen mehrere Faktoren zusammen.

Vorsicht in der Bevölkerung, warmes Wetter (da halten sich die virustragenden Tröpfchen in der Luft nicht). Flächendesinfektion scheint überflüssig zu sein. Auf Oberflächen findet sich zwar Virus-RNA, aber keine reproduktionsfähigen Viren (hat Streeck in Bonn mit Abstrichen und Zellkulturen getestet).

Fakt ist aber: Die umfangreichen Kontaktbeschränkungen, Schul- und Kirchenschließungen haben keinen Zusatznutzen gebracht. Die Basisreproduktionszahl sank schon zuvor auf unter 1 und dümpelt seitdem irgendwo zwischen 0,7 und 0,9 vor sich hin.

Und Fakt ist: Wir haben durch diese Maßnahmen einen gewaltigen Schaden, der auch Menschenleben kosten wird (weniger Wirtschaftsleistung, mehr Arbeitslosigkeit - eniger Geld im Gesundheitswesen - manche Behandlungen können nicht mehr bezahlt werden - manche Menschen sterben früher).

Mittlerweile vermute ich (als Mediziner): Die Löscharbeiten verursachen mehr Schaden als das Feuer.


13

0
 
 agora 21. April 2020 
 

Volle Zustimmung zum Text

Bischöfe als Diener des Staates, nicht mehr Apostel Jesu Christi und Hirten der Gläubigen. Schrecklich, enttäuschend, unverzeihlich.


11

0
 
 SpatzInDerHand 21. April 2020 

@antony: Dass die Zahlen der Neuinfektionen schon früher als erwartbar sanken,

hängt stark damit zusammen, dass man auch schon vor dem Lockdown ein Bewusstsein für die Gefahrenlage entwickelte und deutlich vorsichtiger wurde. Ich habe das in meinem Umfeld deutlich beobachtet, im Sportverein verzichtete man bsp. bei uns bereits auf Handschlag und Umarmung, hielt Abstand, öffnete Türen mit dem Ellenbogen und man sah und roch erstmals Desinfektionsmittel!


4

0
 
 Winrod 21. April 2020 
 

Der Mensch ist ein soziales Wesen.

Wie recht Felix Honekamp mit dieser Feststellung hat!
Über die psycho-sozialen Schäden die die soziale Isolierung nach sich zieht, wird viel zu selten oder noch gar nicht nachgedacht. Und jetzt sind die Politiker eifrig daran, die Schutzmaskenpflicht einzuführen. Sie ist geradezu ein Sinnbild für die soziale Isolierung , in die die Menschen getrieben werden. Das ist fast so, als wenn die Nächstenliebe verboten würde.
Und dass die Kirche dazu schweigt, ist für mich überhaupt nicht nachvollziehbar.


4

0
 
 antony 21. April 2020 

(Fortsetzung)

Mit der neuesten Argumentation werden die bürgerlichen Freiheiten noch mindestens bis zum Jahresende, vielleicht auch noch viel länger (bis ein hinreichend getesteter Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung steht).

Es ist Zeit für einen deutlich hörbaren verbalen Aufstand!

Der Link zur Studie des RKI (schon vor umfangreichen Kontakteinschränkungen nur noch wenige Neuinfektionen):

https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2020/Ausgaben/17_20_SARS-CoV2_vorab.pdf%3F__blob%3DpublicationFile&ved=2ahUKEwjby-3ovvHoAhWG16QKHZJqB6kQFjAAegQIBhAC&usg=AOvVaw1S7DaLMjYKKMyzEU-ZhZh1


9

0
 
 antony 21. April 2020 

Nach den neuesten Daten des RKI ist der Lockdown überflüssig!

Am 15.4. hat das Robert-Koch-Institut eine Studie veröffentlicht, in der die Basisreproduktionszahl (R) über den Zeitverlauf seit März ermittelt wurde. Ergebnis: Bereits seit dem 20.3. sank die Basisreproduktionszahl auf unter 1. Seitdem hat also jeder Infizierte im Schitt weniger als einen weiteren angesteckt.

Die umfangreichen Kontaktbeschränkungen traten aber erst am 23.3. in kraft!

Seitdem sank R nicht mehr weiter.

Erst wurde gesagt: "Wir müssen die Kontakte beschränken, um das Gesundheitswesen nicht zu überfordern". Die Überforderung blieb aus, mittlerweile leeren sich die Intensivbetten wieder.

Nun werden aber nicht etwa die Kontaktbeschränkungen entschlossen wieder gelöst, stattdessen ziehen die deutsche Bundeskanzlerin und ihr Kanzleramtsminister eine neue Begründung aus dem Hut, damit alles so bleibt wie es ist: Man will das Virus zurückdrängen, bis man die Infektionswege wieder nachvollziehen kann, solange, bis ein Impfstoff zur Verfügung steht.

(Fortsetzung folgt)


9

0
 
 Herbstlicht 21. April 2020 
 

auf den Punkt gebracht!

Vielen Dank, Felix Honekamp, für Ihre Einschätzung. Sie deckt sich haargenau mit der meinen.
Politikern kommt diese Situation zupass.
Sie zeigen damit ganz konkret der Bevölkerung, welche Stellung sie inne hat, nämlich: "Ihr da unten!"
Die jetzige Situation eignet sich auch als Versuchsfeld für andere, evtl. spätere Situationen:
Wie weit kann man gehen, in welchem Maße lässt sich die Bevölkerung bevormunden, ohne dass sie aufbegehrt?

Frau Merkel spricht von „Öffnungsdiskussionsorgien“ und verrät damit mehr über ihr wahres Denken als ihr bewusst sein mag.
"Gelernt ist gelernt!" und ihre Lehrzeit hat sie in der ehemaligen DDR absolviert und sie geprägt, wenn nicht gar verinnerlicht.
Diskussionen und damit verschiedene Ansichten zu vertreten ist nicht unbedingt erwünscht.

Und die Mehrzahl der Bischöfe schweigt!
Setzen sich nicht für die Gläubigen ein, sind nicht Zeugen für Jesus Christus, sondern vermitteln das Bild von Beamten, die -weil vom Staat bezahlt- Gehorsam üben.


10

0
 

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Gesellschaft

  1. CNN-Moderator Chris Cuomo: Amerikaner "brauchen keine Hilfe von oben"
  2. Fridays For Future Weimar: „Die Polizei diskriminiert, mordet, prügelt, hehlt“
  3. Ich bin ein 'weißer Mann', aber deshalb knie ich mich nicht nieder
  4. Menschenwürde und Menschenrechte haben frühere Anhänger verloren
  5. Berlin: Portal des Senats wirbt für Austritt aus der Kirche
  6. Der letzte Feind
  7. „Polizisten sind aus taz-Sicht offensichtlich keine Menschen“
  8. taz-Leser: „taz sollte sich schämen, so ein Hate-Speech abzudrucken“
  9. „Da müsste das Christentum eigentlich Widerstand leisten“
  10. „Hier werden Frauenrechte auf dem Trans-Altar geopfert“








Top-15

meist-gelesen

  1. Benedikt XVI.: „Vergelt’s Gott, lieber Georg, für alles“
  2. Rundumschlag statt geistige Auseinandersetzung
  3. „Meine Zeit im Gefängnis“ – „Mein katholischer Glaube hat mich gestützt“
  4. Grüne wollen Ärzte zur Abtreibung zwingen!
  5. Kirchen verfehlen die Lebensrealität vieler Christen in Deutschland
  6. „Herr, ich bin da!“ – Georg Ratzinger über seine Primiz
  7. Das Priestertum in Deutschland leidet an kranken Strukturen
  8. Wir knien nur vor dem allmächtigen Gott nieder!
  9. Entbehrliches Christentum?
  10. Umwandlung der Hagia Sophia löst Proteste in Ost und West aus
  11. „Unser aller aufrichtige Anteilnahme gilt dem Papa emerito Benedikt XVI.“
  12. „Black Lives Matter“ fordert Auflösung der Kernfamilie
  13. Hagia Sophia: Zerstörung der 1300 Jahre alten Mosaiken befürchtet
  14. Türkisches Gericht annulliert Museumsstatus der Hagia Sophia
  15. Johannes Hartl: „Männer und Frauen sind verschieden“

© 2020 kath.net | Impressum | Datenschutz