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Katholische Kirche hat 'ihre wesentlichen Prinzipien' verleugnet!16. April 2020 in Weltkirche, 136 Lesermeinungen Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden
Italienischer Philosoph Agamben übt in NZZ scharfe Kritik an den #corona-Maßnahmen durch die Politik und die Kirche: "Die Kirche unter einem Papst, der sich Franziskus nennt, hat vergessen, dass Franziskus die Leprakranken umarmte" Kirche hat Rom (kath.net)
Der italienische Philosoph Giorgio Agamben hat in einem NZZ-Essay schwerste Kritik an der Gesellschaft und auch an der Kirche im Zusammenhang mit der Corona-Krise geübt. Im Kampf gegen die Pandemie wurde die Schwelle, welche die Menschlichkeit von der Barbarei trennt, überschritten. Noch nie in der Geschichte sei es so weit gekommen, dass im Namen eines bloßen Risikos Menschen einsam sterben und ihre Leichen ohne Bestattung verbrannt werden mussten. Nicht einmal während der Weltkriege sei laut dem Philosophen die allgemeine Bewegungsfreiheit derart eingeschränkt gewesen wie jetzt. Zahlreiche Regierungen haben vorschnell mit Notverordnungen das Prinzip der Gewaltenteilung ausgehebelt, welches die Demokratie definiert.
Schwere Kritik übt Agamben auch an der katholische Kirche. Diese habe in der Coronakrise ihre wesentlichen Prinzipien" radikal verleugnet und sich zur Magd der Wissenschaft gemacht, die ihrerseits zur neuen Religion unserer Zeit geworden sei. "Die Kirche unter einem Papst, der sich Franziskus nennt, hat vergessen, dass Franziskus die Leprakranken umarmte. Sie hat vergessen, dass eines der Werke der Barmherzigkeit darin besteht, die Kranken zu besuchen. Sie hat vergessen, dass die Martyrien die Bereitschaft lehren, eher das Leben als den Glauben zu opfern, und dass auf den eigenen Nächsten zu verzichten bedeutet, auf den Glauben zu verzichten."
Dem Einwand, dass die schweren Opfer im Namen moralischer Prinzipien dargebracht worden" seien, hielt Agamben entgegen, dass auch Adolf Eichmann sich stets auf sein Gewissen und die Gebote der kantischen Moral berufen habe. Eine Norm, die besagt, dass man auf das Gute verzichten müsse, um das Gute zu retten, ist ebenso falsch wie die, welche verlangt, dass man auf die Freiheit verzichten müsse, um die Freiheit zu retten, betonte der 78-jährige Philosoph.

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