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Venezuela im Zeichen der Corona-Krise

28. März 2020 in Weltkirche, 1 Lesermeinung
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Ausgangssperren nehmen Menschen ihre Lebensgrundlagen. Die Coronavirus-Pandemie ist auch in Venezuela angekommen.



München-Wien (kath.net/KIN)

Die Coronavirus-Pandemie ist auch in Venezuela angekommen: Mehr als 70 Personen wurden positiv auf Covid-19 getestet. Da Corona-Tests knapp sind, liegt die Zahl der Infizierten wohl höher. Das Land schloss seine Grenzen und befindet sich seit dem 16. März unter offizieller Quarantäne. Diese Situation bringt die Bevölkerung in große Gefahr, denn die medizinische wie humanitäre Versorgung in Venezuela ist schon seit Längerem desolat.
 
Die venezolanische Bischofskonferenz hat ebenfalls vorbeugende Maßnahmen ergriffen: Unter anderem dürfen Priester die heilige Messe nur noch ohne Gläubige feiern. „Dies ist eine harte Zeit und eine Prüfung, aus der wir siegreich hervorgehen müssen. Glaube und Hoffnung sind das Mittel dazu. Sie müssen in unserer Nächstenliebe und Solidarität zum Ausdruck kommen. In diesen Zeiten der Gesundheitskrise müssen wir uns daran erinnern, dass der Herr in unserer Mitte ist und uns nicht im Stich lässt. Er ist der Fels, der uns rettet“, schreiben die Bischöfe in einer gemeinsamen Stellungnahme.
 
Angst vor Hungersnot
 
Die leeren Straßen in Venezuela sind nicht nur ein Zeichen, dass die Quarantäne-Vorschriften befolgt werden. Sie drücken auch die ernste Sorge Menschen aus über die Folgen, die eine fortschreitende Ansteckung nach sich ziehen könnte. Doch es kommen noch andere Sorgen hinzu: Viele Menschen in Venezuela sind aufgrund der sozialen Isolierung nicht in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen. „Ich weiß nicht, wie lange wir die Quarantäne ertragen werden, aber wenn das Virus uns nicht tötet, werden wir an Hunger sterben“, sagte Ester Chacón, eine Straßenhändlerin.
 
Ein in einem der wichtigsten Krankenhäuser des Landes tätiger Arzt, der nicht namentlich genannt werden möchte, sagte dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“: „Das venezolanische Gesundheitssystem ist nicht auf die große Notlage vorbereitet, die durch steigende Corona-Infektionen hervorgerufen werden könnte. Die prekäre Situation der Krankenhäuser und der Mangel an Medikamenten sind weltweit hinlänglich bekannt.“
 
Eucharistie auf die Straßen getragen
 
Die Kirche versucht den Menschen auch in dieser Zeit nahe zu sein. Eine besondere Aktion gab es am Sonntag, 22. März in der Diözese San Cristobal, die nahe der kolumbianischen Grenze liegt: Bischof Mario Moronta hatte die über 150 Priester seiner Diözese aufgerufen, mittags die Glocken zu läuten und – unter Berücksichtigung der Quarantäne-Vorschriften – die Eucharistie vor die Türen ihrer Kirchen zu tragen, „um von dort aus die Stadt, das Land, das Nachbarland Kolumbien und die ganze Welt mit dem Allerheiligsten zu segnen und Gott zu bitten, dass er uns von dieser Pandemie befreit.“
 
Bischof Moronta forderte außerdem die Behörden auf, dafür zu sorgen, dass die Menschen Zugang zu Lebensmitteln, Medikamenten und medizinischer Betreuung haben, sowie dafür zu sorgen, dass es nicht an Strom, Wasser und anderen unentbehrlichen Dienstleistungen mangelt. Moronta erklärte: „Wir bitten darum, der unmoralischen Praxis einiger Menschen zu begegnen, die unter Ausnutzung des Gesundheitsnotstands die Preise unvernünftig erhöhen. Diejenigen, die so handeln, haben keine Gottesfurcht.“

Foto: Bischof Mario Moronta aus San Cristobal trägt das Allerheiligste auf die Straßen. © KIRCHE IN NOT


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