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Schwaderlapp: „Ich feiere Messe noch intensiver für das Volk Gottes“

19. März 2020 in Interview, 1 Lesermeinung
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kath.net-Interview in der Corona-Pandemie: „Ich möchte Gläubige ermuntern, sich in seelsorglichen Nöten oder für Empfang des Bußsakramentes an Priester zu wenden, denn dafür müssten wir jetzt viel mehr Zeit zur Verfügung haben.“ Von Petra Lorleberg


Köln (kath.net/pl) Die Streichung der Sonntagsgottesdienste „tut eben weh, sehr weh!“, aber sie gehört zu den wesentlichen Elementen, „eine solche Epidemie einzudämmen“. Das erläutert der Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp im kath.net-Interview. Dann gesteht er ein: „Ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem diese Einschränkungen wieder aufgehoben sind“.

kath.net: Herr Weihbischof, wie nehmen Sie die emotionalen Reaktionen auf das Corona-Virus wahr?

Weihbischof Dominikus Schwaderlapp:
Das Thema beschäftigt die Menschen. Ob man auf der Straße geht und zufällig ein Gespräch mitbekommt, am Arbeitsplatz ist oder mit Freunden oder Familienangehörigen zusammen ist oder korrespondiert, kaum gibt es ein anderes Thema. Der Corona-Virus ist allgegenwärtig. Das ist ja auch verständlich. Das öffentliche und auch zunehmend das private Leben in unserem Land kommt allmählich zum Erliegen.

Vereinzelt gab es heftige Reaktionen auf die Aussetzung der öffentlichen Gottesdienste in vielen Diözesen. „Glauben die da oben überhaupt noch an die Eucharistie?“ So oder ähnlich wurde gefragt. Bei allem Verständnis für die unterschiedlichen Emotionen, hier ist meiner Ansicht nach eine gewisse Nüchternheit gefordert.

Am letzten Sonntag haben wir im Evangelium beispielsweise gehört, dass Jesus durstig, müde und hungrig war, als er zum Jakobsbrunnen kam. Er hat keine Engel vom Himmel bestellt, die ihn bedienten, sondern mit diesen menschlichen Bedürfnissen ist er nach menschlicher Art umgegangen. Er hat die Samariterin um Wasser gebeten. Christus ist ganz Mensch geworden und unterwirft sich den menschlichen Gesetzen. Auch seine Heilungswunder sind nicht die Antwort auf die medizinischen Nöte der damaligen Zeit, sondern Ausweis seiner göttlichen Macht.

Übertragen auf unsere Situation bedeutet dies: Die Behörden haben aus vernünftigen Gründen drastische Einschränkungen der Versammlungsfreiheit vorgenommen. Dies ist ein wesentliches Element, eine solche Epidemie einzudämmen. Daher mussten wir selbstverständlich dieser öffentlichen Anordnung Folge leisten. Doch das tut eben weh, sehr weh! Und ich freue mich schon jetzt auf den Tag, an dem diese Einschränkungen wieder aufgehoben sind.

kath.net: Eine Pandemie hierzulande, das war doch außerhalb unseres Horizontes. Haben wir Sicherheit und Komfort für allzu selbstverständlich gehalten?

Schwaderlapp:
Wir leben in einem hochentwickelten Land mit einer hervorragenden ärztlichen Versorgung. Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass viele Krankheiten, die früher todbringend waren, nun heilbar sind. Das hat vielleicht zur unausgesprochenen Illusion geführt, dass wir eigentlich das Thema Krankheit im Griff haben.

Zumal das Thema Tod und Sterben ohnehin in der Gesellschaft tabuisiert an den Rand geschoben ist und auf eine Art als „Betriebsunfall“ gesehen wird, den man am besten übergeht.

Der Corona-Virus führt uns in aller Deutlichkeit vor Augen: Das stimmt einfach nicht! Ein kleiner Virus, viel tausendfach kleiner als wir selbst, vermag das ganze gesellschaftliche Leben nicht nur in unserem Land, sondern in der ganzen Welt auszuhebeln.

Für viele ist daher die Corona-Krise ein Schock, freilich ein Schock, der uns auch befreien kann von so mancher übersteigerten Selbsteinschätzung und Illusion.

kath.net: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zu-rückkehren wirst.“ Sehen Sie das Corona-Virus auch als Weckruf in der Fastenzeit 2020?

Schwaderlapp:
Im Tagesgebet des 2. Fastensonntags heißt es: „Reinige die Augen unseres Geistes“. Die österliche Bußzeit will uns den Blick für die Wirklichkeit öffnen, die immer eine gottmenschliche Wirklichkeit ist. Zur menschlichen Wirklichkeit gehört unsere Hinfälligkeit und Versuchbarkeit, aber auch Krankheit und Not. Die Wirklichkeit hat aber auch eine göttliche Dimension. „Ich bleibe bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt!“ Dieses Versprechen Jesu ist Realität.

Bei all den Sorgen und Herausforderungen sind wir nicht allein unterwegs, sondern Christus, der sich uns am Kreuz geopfert hat und von den Toten auferstanden ist, er verlässt uns nicht.

Anfang des Jahres ist mir ein Kalenderblatt in die Hand gefallen mit einem sehr schönen Gebet, das der hl. Edith Stein zugeschrieben wird. Es beginnt mit den Worten: „Ohne Vorbehalt und ohne Sorgen lege ich meinen Tag in deine Hand.“ Diese Sorglosigkeit zu der dieses Gebet auffordert, ist nicht die „Vogel-Strauß-Politik“, sondern getragen vom festen Vertrauen, dass wir in der Hand Gottes geborgen sind, was auch kommen mag.

Und so lädt uns die österliche Bußzeit 2020 dazu ein, die irdische Wirklichkeit ernst zu nehmen, aber sie im Lichte unseres Glaubens zu betrachten. Und in diesem Licht hat Panik keinen Platz, sondern ruhige Zuversicht.

kath.net: Die Feier der Hl. Messe ist ja für Sie derzeit eine eher einsame Sache geworden, zumindest vordergründig. Wie gehen Sie damit um?

Schwaderlapp:
Nun, ich feiere natürlich jeden Tag die hl. Messe. Und ich tue dies gerade in diesen Zeiten noch intensiver als zuvor für das Volk Gottes und insbesondere für jene, die nicht teilnehmen können. Ich bin froh, dass zum Beispiel über Domradio, EWTN und andere Sender die hl. Messen aus dem Kölner Dom übertragen werden, so dass wenigstens die Gläubigen auf diesem Weg die hl. Messe mitfeiern können.

Natürlich kann dies nicht die reale Teilnahme ersetzen, aber es ist wichtig, dass diese Krisenzeit nicht einfach eine eucharistielose Zeit ist. Sie ist es nicht, weil wir Priester natürlich weiterhin die hl. Messe feiern, aber auch vom Erleben her sollte sie nicht eucharistielos sein. Ich freue mich, von Pfarreien zu hören, die die hl. Messen ebenfalls per Live-Stream übertragen.

Ich möchte auch auf diesem Wege die Gläubigen ermuntern, sich in seelsorglichen Nöten oder für den Empfang des Bußsakramentes an Priester zu wenden, denn dafür müssten wir ja jetzt ohnehin viel mehr Zeit zur Verfügung haben.

Und lassen wir uns gegenseitig im Gebet nicht allein, dann werden wir auch diese Krisenzeit mit der Hilfe Gottes bestehen.

kath.net: Zu welcher inneren Haltung raten Sie uns Christen?

Schwaderlapp:
Für mich die zentrale Bitte des Vaterunsers schlechthin die Bitte: „Dein Wille geschehe!“ Wenn ich Biografien von Heiligen, so sind sie sich bei aller Unterschiedlichkeit in einem Punkt ganz ähnlich. Alle versuchten sie in jedem Augenblick ihres Lebens ganz und gar den Willen Gottes vorbehaltlos zu erfüllen.

Das bedeutet konkret: Es gibt die Corona-Krise. Gott hat sie also zugelassen. Und was Gott zulässt, das will ich annehmen, ohne Protest, ohne Widerspruch von ganzem Herzen und alles tun, dass in dieser Situation Gottes Wille Wirklichkeit wird.

Ich glaube, diese Haltung bewahrt uns vor allzu großem Jammern und Klagen, aber auch vor Panik und Haltlosigkeit. Auch mir fällt es nicht leicht, nach dieser Vorgabe zu leben. Es ist eben ein Weg, der Tag für Tag, Stunde für Stunde und Augenblick für Augenblick beschritten werden will.

kath.net: Wie setzen Sie die Hygieneempfehlungen um – ganz praktisch, privat?

Schwaderlapp:
Ganz einfach, ich versuche sie umzusetzen. Das heißt, ich desinfiziere mir die Hände, halte wo möglich, den nötigen Abstand und reduziere meine Sozialkontakte.

Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp - Gruß aus Köln - In Coronazeit ist die Geistliche Kommunion ein guter Gedanke!




Foto oben: Weihbischof Schwaderlapp (c) Erzbistum Köln


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Lesermeinungen

 gloria:olivae 20. März 2020 
 

Dankeschön, Herr Weihbischof!


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