04 März 2020, 16:00
Wir brauchen keine Kirche, die mit der Zeit geht
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Wir brauchen eine Kirche, die einfach da ist - Die Jugendkolumne von kath.net - Von Magdalena Preineder

Wien (kath.net)
Wenn ich in die Bibel blicke, ist es ein Wesensmerkmal Gottes, dass er da ist. Immer. Er zeigt das im Alten Testament, wo er sich Mose mit dem Gottesnamen vorstellt, der sich als „Ich bin da“ übersetzen lässt, und er zeigt es im Neuen Testament durch seinen Sohn Jesus Christus. Wo Menschen Hilfe brauchen, ist er da. Wo Menschen Not leiden, ist er da. Wo Ungerechtigkeit geschieht, ist er da. Wo die Liebe fehlt, ist er da.

Das Vorbild Christi und auch des Vaters selbst, ist das Vorbild, das seit dem Sohn für die Kirche gilt. Die radikale Forderung, die mit dem Leben Jesu einhergeht und nie alt wird, ist, da zu sein, hier im Jetzt zu sein. Das ist eine Forderung, die an alle Glieder der Kirche ergeht und ganz besonders an das Haupt, unsere Hirten, die Priester.

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Ich bin mir sicher, der Brand von Notre-Dame ist noch gut im Gedächtnis. Was mir dabei am eindrücklichsten in Erinnerung blieb? In den sozialen Medien fanden sich damals viele Postings mit Sätzen wie „Eure Kirche brennt schon lange.“ – und es stimmt, unsere Kirche brennt lichterloh. Die Glorie, die sie einst besaß, hat sie verlassen, sie gehört zu den Niedrigen. Doch wir dürfen nicht vergessen, dass Gott die Niedrigen erhöht.

Aber um das zu tun, hat Gott sich immer der Menschen bedient. Maria, das einfache Mädchen, ewige Jungfrau, erhob er zur Mutter des Königs. Doch nicht einfach so, sondern sie hat Ja gesagt. Denken wir an all die Seherkinder, die in der Armut großgeworden sind, doch sie waren reich im Herzen, denn darin hatten sie Gott. Denken wir an all die Heiligen und Seligen, deren Magd- und Knechtsein Gott verwendet hat, um seine Herrlichkeit in dieser Welt zu zeigen. Und auch wenn viele dieser Männer und Frauen in dieser Welt ein schweres Kreuz zu tragen hatten, dann führte ihre glaubende, gehorsame und stets liebende Niedrigkeit dazu, eine Stimme in der Wüste sein zu dürfen, die helfen kann, die Kirche aus ihrer Asche erstehen zu lassen.

Eine Welt, die in Angst und Schatten liegt, braucht eine Kirche, die furchtlos ist und das Licht bringt.

Dazu muss die Kirche da sein, im Hier und Jetzt. Dazu müssen wir alle als ihre Glieder da sein, im Hier und Jetzt. Und erneut möchte ich betonen: Ganz besonders müsst ihr da sein, liebe Priester.

Wenn die Kirchendächer über euch zusammenbrechen, dann müsst ihr da sein. Als Stützpfeiler, ohne der Angst selbst Schaden zu erleiden.
Wenn Kirchen zu Orten werden, an denen himmelschreiendes Unrecht geschieht, dann müsst ihr da sein.

Dann müsst ihr umso mehr präsent sein, um zu zeigen, dass die Menge der Priester, die ihren Glauben, ihre Gelübde und ihren Gott ernst nehmen, größer ist als die Zahl derer, die es nicht tun.

Wenn in der Kirche begonnen wird das Wort Gottes nach dem menschlichen Wohlgefallen zu beugen, dann müsst ihr da sein, ihr treuen Priester. Als jene, die einst dazu bestellt wurden, im Glauben zu ergreifen, was sie im Evangelium lesen, zu verkünden, was sie glauben und zu leben, was sie verkünden.

Wenn verwundete Seelen in euren Kirchen einkehren, dann müsst ihr da sein. Als Arzt und Vater, in dem Wissen, dass Gott euch mit dem ausrüstet, was ihr für euren Dienst braucht.

Wenn Kirchen für Events und Kunstaustellungen missbraucht werden, die an einem Heiligen Ort nichts zu suchen haben, dann müsst ihr da sein. Als das Haupt der Kirche, das nicht duldet, dass der Ort der Verehrung und Anbetung Gottes, der Ort an dem das Opfer Christi vergegenwärtigt wird, zu einer Räuberhöhle wird.

Wenn versucht wird die Wahrheit der Lehre der Kirche zu übertönen, dann müsst ihr da sein. Als Zeugen dieser, als jene Priester auf ewig, die bereit wären für diese Wahrheit ihr Leben hinzugeben, so wie es Christus für seine Kirche tat.

Dieser Anspruch ist hoch. Aber er ist nicht zu hoch, denn mit eurer Weihe hat Gott euch ausgestattet für jeden Dienst, den er euch zudenkt.

Doch dieser Anspruch des Da-seins richtet sich wie erwähnt auch an uns übrige Glieder der einen Kirche. Lesen wir nicht in Mt 5,13: „Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden.“ ? Das ist kein exklusiver Anspruch an unsere Hirten, das ist ein Anspruch an jedes einzelne Glied der Kirche.

Stellen wir uns doch einmal die Kirche als ein Gewässer vor. Je mehr Salzgehalt in dem Wasser ist, umso tragender ist es. Wollen wir nun, dass unsere Kirche wie das Tote Meer ist, das stark genug ist, um Menschen auf seinen Wogen zu tragen oder wollen wir ein Wasser, dessen Tragfähigkeit von der Schwimmfähigkeit des Einzelnen abhängt? Ich behaupte, dass wir immer mehr zu Letzterem werden während wir eigentlich Ersteres sein wollen. Während Ersteres sogar unsere Berufung ist, denn unsere Kirche ist auf Gemeinschaft ausgerichtet, nicht darauf, dass ein Einzelner sich alleine den Weg zum Heil erkämpfen muss und dabei vielleicht sogar innerkirchlich auf Widerstände, reißende Wellen, trifft.

Wenn wir eine Kirche wollen, die (er)tragen kann, was sie in der heutigen Zeit tragen muss, dann müssen wir ihr Salz sein.

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