14 Februar 2020, 13:30
Woher der Wind weht
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Ich möchte vorschlagen, dass auch wir, die wir Jesus mit Petrus nahe sind, nicht vorschnell aus womöglich falscher Motivation (wie Zorn, Bitterkeit….) mit unseren Schwertern dreinschlagen - BeneDicta am Freitag von Linda Noé

Linz (kath.net)
„Dam da daaaa, bring me a higher love…“ Zum Gedudel aus dem Lautsprecher schunkle ich kochenderweise durch meine Küche. Wie hübsch dieser gesungene Wunsch von Whitney Houston eigentlich ist - und wie schwer es oft scheint, in der Liebe zu wachsen. Ich sinniere weiter vor mich hin, da plötzlich ertönt ein schriller und hochgradig empörter Aufschrei aus dem Wohnzimmer: „Mamiiiii!!! Er hat mich gehaut!! Maaaamiii!!“ Ahja…. willkommen bei uns Zuhause. Eine meiner beiden Töchter liegt sich, wie oft in letzter Zeit, mit ihrem kleinen Bruder in den Haaren. Der Bursche weiß, wie er zu Aufmerksamkeit kommt, und ist gerade tätlich geworden- ein No-Go in unserer Familie.

Streiten- ja, das müssen sie lernen- und wo sonst sollten sie das, wenn nicht zuhause- aber Handgreiflichkeiten gibt es bei uns nicht ohne Konsequenzen. Nach einer Weile des Gesprächs sieht der kleine Bruder also ein, dass er um Verzeihung bitten muss, und dass diejenigen, die schlagen und Sachen durch die Gegend werfen, leider nicht mitspielen können. Wer kennt es nicht, dieses manchmal wohl eher notgedrungene und halbgeleierte „Entschuuuuldiguuung“.

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Die mühsam ausgetreckte Hand bei der Begrüßung. Das genuschelte „Danke…“. Nicht unbedingt immer aus der tiefsten Herzensmotivation heraus geschehen diese Handlungen unserer Kinder vielleicht, aber doch, immerhin, sie geschehen. Mein Vater hat einmal scherzhaft gesagt: „Wir müssen die Kinder erst von den Bäumen holen“- in dem Sinne, dass unter anderem soziales Verhalten eben einfach erst gelernt werden muss. Welcher Elternteil fühlt sich nicht bisweilen wie in einem Affenzirkus? Einiges müssen wir also als Menschen wohl einfach zu tun lernen, noch bevor wir überhaupt ganz verstanden haben, warum das so sein muss. Es kann ein langer Weg sein, bis wir etwas zu unserem eigenen Wert gemacht haben, den wir auch dann befolgen, wenn wir meinen, dass keiner zusieht.

Grüßen, um Verzeihung bitten, sich bedanken, nicht lügen, niemanden bestehlen und so viel mehr, ein Übungsfeld von Kindheit an. Ein Zeichen eines seelisch gesunden Erwachsenen ist es aber wohl dann, wenn unsere Motivation reiner und intrinsisch ist. Wenn wir keinen Druck oder Strafe von Außerhalb brauchen, um das Gute zu wählen. Wenn nicht die Mama danebenstehen muss, damit wir „Entschuldiguuung…“ sagen.

Für uns Christen ist die Frage nach dem richtigen Handeln, der richtigen Motivation, und dem Verhältnis der beiden zueinander, wohl auch immer ein heißes Thema.
Die folgende Redensart ist ihnen bestimmt bekannt: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert“. Wir wissen, wie wahr es ist, dass man gerne einen Haufen gute Vorsätze fasst, wie gerade vor Kurzem zu Neujahr vielleicht bei vielen geschehen. Wie schnell solche Vorsätze aber ohne sichtbare Erfolge wieder versanden können, wissen wir auch- am Ende ist man eventuell mutloser als vorher, weil ohnehin offensichtlich nichts zu ändern ist. Der Hausverstand sieht bereits also: eine gute Motivation allein reicht nicht. (Wenn sie überhaupt tatsächlich so gut ist, denn wie leicht kann man sich selbst täuschen).

In Offenbarung 20, 12 heißt es ganz klar über das letzte Gericht: „Die Toten wurden nach ihren Werken gerichtet, nach dem, was in den Büchern aufgeschrieben war.“ Die Werke sind es also, ganz klar, die am Ende zählen. In Matthäus 3,8 sagt Johannes der Täufer zu Pharisäern und Sadduzäern: Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt!“ Von der eigenen Umkehr kann man dementsprechend reden und träumen, aber solange es keine sichtbaren Früchte gibt, ist vieles wohl also nur heiße Luft und Einbildung. „So ist der Glaube für sich allein tot, wenn er nicht Werke vorzuweisen hat“ stellt Jakobus 2, 17 fest- und man könnte noch endlos biblische Beispiele bringen. Kurz zusammengefasst: was wir tun, ist es, was vor Gott und den Menschen zählt.

Auf der anderen Seite jedoch ist unsere Motivation von immenser Wichtigkeit, Gott sieht sie und legt seinen Finger darauf. In Sprüche 21,2 heißt es „Jeder meint, sein Verhalten sei richtig, doch der Herr prüft die Herzen.“ In Matthäus 5,22 - 28 legt Jesus in der Bergpredigt neue Maßstäbe mit „Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein“ und „Wer eine Frau auch nur lüstern ansieht, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen. Markus 7,20-23 stellt klar: „Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.

Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft. All dieses Böse kommt von innen.“

Hier kann man klar erkennen, woher der Wind weht: von innen nach außen. Sich zu einer guten Tat zu überwinden, obwohl die innere Motivation dafür nicht da ist, ist gut, heroisch und vielleicht manchmal der einzige Weg, denke ich. Zum Beispiel, wenn man jemandem willentlich verzeihen möchte, simpel weil man das „Vater unser“ ernst nimmt, auch wenn die Emotion noch hinterherhinkt. Zum Beispiel, wenn das Kind um Verzeihung bitten soll, auch wenn es keine Lust hat und das Ausmaß seiner Handlung eventuell nicht ganz durchschaut hat.

Auf längere Dauer gesehen jedoch wird der Kraftaufwand zu solchen Überwindungen irgendwann zu hoch, die Bemühung wird langsam aber sicher brüchig, und wir haben bald keine Kraft mehr zum guten Werk, oder dazu, etwas Schlechtes zu vermeiden. Die innere Not, Wut, Trauer, bahnt sich früher oder später ihren Weg, wenn wir uns andauernd ausschließlich „durch die Gegend zwingen“. Hauptsächlich aus diesem Grund ist es wichtig, darüber nachzudenken, woher der innere Wind weht.

Wir wissen als Christen, dass die reinste Motivation „aus und in Liebe und für Gott, für Jesus“ ist. Aber auch in diesem Wissen müssen wir uns immer mal wieder fragen, ob wir nicht gerade dabei sind, dem Malchus ein Ohr abzuhauen (Joh 18,10) und eigentlich vielmehr aus Wut und Hilflosigkeit heraus handeln, als darauf zu hören, was Gottes Stimme uns zu tun heißt.

Ich denke, auch gerade in der Verteidigung des Glaubens ist das wichtig, denn das Beispiel mit Malchus ist wohl nicht zufällig aufgeschrieben. Ich möchte vorschlagen, dass auch wir, die wir Jesus mit Petrus nahe sind, nicht vorschnell aus womöglich falscher Motivation (wie Zorn, Bitterkeit….) mit unseren Schwertern dreinschlagen, denn Gegner gibt es wahrlich zu viele- und letztlich sind sie dann nicht einmal aus Fleisch und Blut (Eph 6,12). Es droht sonst ein Burnout, in dem es uns nichts nützen wird, eigentlich mit unserem Anliegen Recht gehabt zu haben, und wir können nur beten, dass Jesus die Wunden heilt, die wir beim Dreinschlagen anderen zufügen.

Laut Eph 2, 10 sind wir in Christus Jesus dazu geschaffen, in unserem Leben die guten Werke zu tun, die Gott für uns im Voraus bereitet (!) hat. Wir können also in aller Ruhe zuerst im Gebet Gottes Willen und Weisung suchen, dann können wir in diesen vorbereiteten Werken gehen.

Das erfordert sehr oft eine Veränderung unserer natürlichen spontanen Verhaltensweise. Ich bete in diesen Tagen darum, dass mir das sowohl zuhause mit den Kindern immer besser gelingen möge, als auch in der Bezeugung meines Glaubens- wenn es sein muss auch innerhalb der Kirche. Aus Liebe zu Jesus, dem Sieger über Sünde und Tod, und dadurch in Seiner Kraft. Das bete ich für uns alle.

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