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„Synodaler Weg? Im Grunde ist es ganz einfach“

6. Februar 2020 in Kommentar, 17 Lesermeinungen
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„Es stehen sich zwei Lager gegenüber: Auf der einen Seite jene (ZdK und Teile des Episkopates), die es gar nicht erwarten können, die Kirche von Grund auf umzumodeln und nach ihren Vorstellungen zu gestalten…“ Gastkommentar von Susanne Wenzel


Frankfurt a.M. (kath.net) Beim Synodalen Weg stehen sich zwei Lager gegenüber: Auf der einen Seite jene (ZdK und Teile des Episkopates), die es gar nicht erwarten können, die Kirche von Grund auf umzumodeln und nach ihren Vorstellungen zu gestalten, also in ein "goldenes Zeitalter" von ihren Gnaden zu führen. In dem man Jesus klarmacht, was er eigentlich gedacht hat und sagen wollte. Freilich soll das nicht nur für Deutschland gelten, denn der Präsident des selbstermächtigten ZdK, Thomas Sternberg, hat ja im Vorfeld schon verlauten lassen, man habe der Welt von Deutschland aus etwas zu sagen... Hier, wie auch bei den ewiggestrigen Forderungen der "Reformer" denkt man sich "Ach je, mal wieder..."

Auf der anderen Seite stehen kirchen- und lehramtstreue Kleriker und Laien, für die Heilige Schrift und Lehramt noch eine Bedeutung haben. Sie wollen sich Gedanken machen, wie die Kirche wieder sinnstiftende und Orientierung gebende Kraft in unserer Gesellschaft werden kann. Sie wollen über die Evangelisierung sprechen und den Wunsch nach dem Empfang der Sakramente wieder entfachen, um ihrem Hirtenamt nachzukommen und die Gläubigen in den Himmel zu führen. Also echte Reformen, nicht alten kalten Kaffee aufwärmen.

So könnte man das in groben Zügen beschreiben.

Nun sitzt man – angeblich auf Augenhöhe – miteinander in Versammlungen. Ich bin seit 30 Jahren politisch aktiv. Und ich habe des Öfteren an Versammlungen oder Sitzung teilgenommen, bei denen Ergebnisse schon vorher festgezurrt wurden. Und diese Versammlung ist so mit Politik-Vertretern durchzogen, dass man das Spiel durchschaut.

Aber auch hier sei es gesagt: Mehrheit hat mit Richtigkeit nichts zu tun. Darauf wurde in den letzten Tagen wiederholt hingewiesen. Ich gehe noch weiter mit dem Satz, dessen Verfasser mir gerade nicht einfällt: „Eine Lüge wird nicht zur Wahrheit, nur weil eine Mehrheit von ihr überzeugt ist“. Und es wird an mehr als einer Stelle gelogen oder zumindest die Augen vor der Wahrheit verschlossen, etwa wenn über die tatsächlichen Ursachen des Missbrauchs und die in diesem Zusammenhang hartnäckig weiter begangenen Fehler geschwiegen wird. Ja, das ist tatsächlich "systemisch", denn über die Homosexualität als Ursache oder mindestens begünstigendem Faktor wird beharrlich geschwiegen. Wer es anspricht, wird mit Empörung überzogen - auch ein altes Spiel. Vielleicht ist das ja der Grund, weshalb über McCarrick und den Untersuchungsbericht zum Missbrauch in den USA hierzulande geschwiegen wird. Aber das ist ein anderes Thema.


Geführt wird die erstgenannte Gruppe der "Reformer" (ich möchte sie eigentlich Ewiggestrige nennen ob des längst überschrittenen Verfallsdatums ihrer Forderungen) eigentlich von den Laienvertretern. Diese, so konnte man in den letzten Wochen und Monaten eindrücklich verfolgen, sind an sich nicht zimperlich mit dem, was sie als "Gegner" ausmachen. Da spricht eine Karin Kortmann (MdB und ZdK-Vize) im BR3-Interview gerne mal vollmundig davon, dass einige Bischöfe die geforderten Reformen „bejammern“ und ein Kardinal Paul Cordesnicht „müde wird, da rumzujammern“. Sie attestiert freigiebig Bischöfen, die treu zu Lehramt stehen wollen, „Ängstlichkeit“, wie es ja überhaupt en vogue ist bei Linken, ihre Gegner gerne mal zu pathologisieren. Die Liste ließe sich fortsetzen, nicht nur mit Äußerungen der wortgewaltigen ZdK-Frau und "Maria2.0"-Bemerkungen und blasphemischen Bildern auf irgendwelchen Demo-Transparenten, wo man für Kritik daran noch verhöhnt wird.

Sobald aber die klare Sprache von anderen genutzt wird, bricht mit ohrenbetäubendem Lärm die Empörungsmaschinerie los. Da wird Kardinal Müller für einen spitzen, aber treffenden Vergleich mit den Vorgehensweisen in anderen Zeiten gescholten, während man woanders mit dem Nazi-Begriff geradezu inflationär umgeht. Auch da wird mit starken Worten wie „vergiftend und zerstörerisch“ nicht gespart. Im Grunde könnte man antworten "Wer sagt, Deutschland habe der Welt etwas zu sagen und könne Vorbild für die Welt sein, hat sich ja zumindest die Hosenbeine schon etwas mit brauner Soße angefärbt. Muss sich also nicht wundern über derartige Vergleiche."

Sturmreif geschossen werden soll auch ein Kardinal Rainer Maria Woelki. Was ist sein "Vergehen"? Er hat – gemeinsam mit anderen – der Satzung zum Synodalen Weg in der DBK-Vollversammlung im Herbst 2019 nur unter Vorbehalt zugestimmt. Sein mit dem Regensburger Bischof Voderholzer ausgearbeiteter Alternativentwurf wurde abgelehnt mit Mehrheit in der Bischofskonferenz. Beider Vorbehalte wurden aber deutlich gemacht.

Nun hat nach dem Ablauf der ersten Vollversammlung am vergangenen Wochenende der Erzbischof von Köln in einem Interview deutlich sein Unbehagen über diese erste Versammlung ausgedrückt. Er hat unter anderem, das ist im Interview nachzulesen, den mitunter fehlenden Respekt vor anderen Meinungen beklagt, Dinge angesprochen, die sich ändern müssten. Das aber wird quittiert u. a. mit der Äußerung seines Amtsbruders Kardinal Marx „Das möchte ich nicht einmal kommentieren“ – den Blick nach unten gerichtet. Und Frau Kortmann fordert gar eine „Entschuldigung“. Wofür? Dafür, dass man eigene Eindrücke äußert und Verbesserungen wünscht? Der Vorsitzende des Kölner Diözesanrates, Tim Kurzbach, darf gleich – natürlich bei Herrn Frank im Kölner Stadtanzeiger – noch nachlegen und den Kardinal belehren, er sei schließlich nur „einer von vielen Gläubigen“.

Auch von anderen Teilnehmern der Synodalversammlung war Kritik an der undemokratisch anmutenden Sitzungsleitung bezüglich festgezurrter Ergebnisse und der (Nicht-)Zulassung von Wortmeldungen geäußert worden, etwa Prof. Gerl-Falkovitz und auch der Vertreterin von Maria 1.0.

Das alles ist letztlich eine Farce. Indes, die Giftigkeit, mit der auf abweichende Meinungen von sich als katholisch und christlich bezeichnenden „offiziellen“ Laienvertretern reagiert wird, erschreckt und befremdet.

Wir wollen klarstellen: Ihnen geht es nicht um das Ringen um gemeinsame Lösungen, wie die Kirche zurück in das Bewusstsein und Leben der Menschen gebracht werden kann. Den Ewiggestrigen geht es um die Durchsetzung ihrer uralten und seit dem II. Vatikanischen Konzil immer wieder vorgebrachten Forderungen. Klappt das nicht, war der Gesprächsprozess vertane Zeit.

Es ist eigentlich ganz einfach. Sollen sie sagen, dass sie doch tatsächlich eine andere, eine neue Kirche wollen, in der – demokratisch, versteht sich – die Laien das Sagen haben und jeder machen kann, was er will, der Katechismus je nach Mehrheit, Beliebigkeit und Unvermögen bei der Befolgung immer wieder angepasst und an den Köpfen der Gläubigen solange herumgedreht wird, dass wir nicht einmal sicher sein können, sie sitzen noch an der richtigen Stelle, wenn man damit fertig ist. Sollen sie eingestehen, dass sie nur ihre Forderungen durchgesetzt sehen wollen. Das spart Zeit und man kann sich lange Gespräche sparen.

Denn dann könnte man ihnen sagen, sie sollen ihre eigene Kirche aufbauen, sie nehmen und gehen. Und uns nicht länger die Zeit und Energie stehlen und unsere Kirchensteuern verschwenden. Ich rede hier nicht der Spaltung das Wort, sondern verlange eine Konsequenz aus großen Worten, die allenthalben anderen vor die Füße geworfen werden mit dem Anspruch, über jeden Widerspruch und jede Kritik erhaben zu sein. In einer Art und Weise, dass man schon fast Mitleid bekommen könnte.

Die tatsächlich an Christus und uns Gläubigen interessierten Bischöfe aber können sich dann auf die wesentlichen Fragen, die schon Papst Franziskus in seinem Brief genannt hat, konzentrieren und gemeinsam mit Weltchristen Wege suchen und finden, die Botschaft Christi in die Welt zu tragen. Und zwar mit Freude am Glauben, nicht moralinsauer mit diesem dauernden Gefasel von Macht und Geschlechtergerechtigkeit und einer andauernden Pikiertheit, die einfach nur noch nervt.

Geht! Ich verstehe das und unterstütze das. Lasst Eurem Spieltrieb freien Lauf und ändert heute dies, morgen das und macht am nächsten Tag alles wieder rückgängig, wenn Euch danach ist. Aber lasst uns in Ruhe und hört auf, uns zu erklären, wir wollten dieses von Euch veranstaltete Chaos, wüssten es nur noch nicht!

Susanne Wenzel ist die Sprecherin der „Neuen katholische Frauenbewegung“ (NFK)

Symbolbild: Fehlender Puzzlestein



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