23 Januar 2020, 08:00
Nigeria: Terroristen ermorden Präsident von Christenverband
 
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Pastor und Vorsitzender der "Christian Association of Nigeria" im Bundesstaat Adamawa von Boko Haram exekutiert - Scharfe Kritik von Kirchen und Menschenrechtlern (Auch Amnesty International) an Regierung

Abuja (kath.net/KAP) Im Norden Nigerias haben Dschihadisten einen zu Jahresbeginn entführten hochrangigen christlichen Geistlichen ermordet. Wie das Präsidentenbüro in Abuja laut Medienberichten bestätigt hat, handelt es sich um Pastor Lawan Andimi, Mitglied der protestantischen "Kirche der Brüder in Nigeria" (EYN) und im Bundesstaat Adamawa Präsident der "Christian Association of Nigeria" (CAN), des wichtigsten ökumenischen Verbandes Nigerias. Andimi ist demnach Anfang Jänner von bewaffneten Mitgliedern der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram entführt und nun enthauptet worden.

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Der protestantische Geistliche und verheiratete Familienvater war am 3. Jänner während eines Angriffs von als Militärangehörige verkleideten Islamisten auf die an der Grenze zu Kamerun gelegenene Stadt Michika entführt worden. In einem Tage später von seinen Geiselnehmern veröffentlichten Video hatte er Adamawas Gouverneur Ahmadu Fintiri sowie Nigerias Staatspräsident Muhammadu Buhari dazu aufgerufen, sich für seine Freilassung einzusetzen.

Präsident Buhari nannte die Ermordung Andimis in einer Reaktion "brutal, unmenschlich und absichtlich provokant" und kündigte an, die Verantwortlichen müssten einen "hohen Preis für ihre Taten zahlen". Scharfe Kritik an Buhari äußerte allerdings der Ökumene-Verband CAN. Dessen Sprecher Kwamkur Samuel Vondip verurteilte gegenüber dem Onlineportal christianitytoday.com (Dienstag) die "brutale Ermordung" Pastor Andimis als eine "Schande für die nigerianische Regierung". Von Kirchenseite sei alles für eine Befreiung Andimis unternommen worden, man verfüge jedoch nicht über die nötige militärische Macht um wirksam einzugreifen.

Die "weiterhin unverändert stattfindenden Entführungen, Erpressungen und Ermordungen von Christen und unschuldigen Nigerianern" konterkarierten die Aussagen der Regierung, "die ständig damit prahlt, den Aufstand besiegt zu haben", so der CAN-Sprecher. Von der Regierung forderte er, sich endlich proaktiv darum zu bemühen, den "ständigen Belagerungszustand Nigerias" wie auch die "mutwilligen Morde und Vernichtung von Leben und Eigentum" zu beenden. Dafür sei entschlossenes Vorgehen gegen die Terroristen wie auch gegen deren Geldgeber und Waffenlieferanten vonnöten. Vondip appellierte gleichzeitig an die nigerianischen Christen, Ruhe zu bewahren.

Ähnlich verurteilte auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International die Ermordung des Pastors und rief die nigerianischen Behörden dazu auf, ihre Bemühungen zur Rettung hunderter Zivilisten in Gefangenschaft von Islamisten zu "verdoppeln".

In Nigeria sind islamistische Angriffe auf Christen an der Tagesordnung. Im Dezember hatte der nigerianische IS-Ableger ISWAP die Tötung von elf entführten Christen im nordöstlichen Bundesstaat Borno für sich reklamiert. Neben ISWAP verübt die Dschihadistenmiliz Boko Haram seit 2009 Gewalttaten im Norden Nigerias. Dabei wurden bisher an die 30.000 Menschen getötet. Zwei Millionen Menschen sind innerhalb Nigerias und mehrere hunderttausend in den Nachbarländern auf der Flucht.

Zugleich befinden sich Nigerias Christen zwischen vielfachen Fronten zugleich. So berichtet etwa das Portal allafrica.com am Mittwoch von einem tags zuvor verübten Angriff von Fulani-Milizen auf die katholische Pfarre St. Augustin im südöstlich der Hauptstadt Abuja gelegenen Ort Abebe. Dabei starben dem Angaben zufolge vier Personen, darunter der Gemeindeleiter Augustine Avertse und dessen Vater. Die genauen Hintergründe sind unklar; es habe in der Region zuvor keine Konflikte zwischen der Bevölkerung und den Fulani-Hirten gegeben, gab ein Überlebender des Angriffs zu Protokoll, auch habe es sich nicht um einen Raubüberfall gehandelt. Peter Ahemba von der Jugendorganisation "Tiv Youth", sprach von gezielten Störungen durch "Feinde des Friedens", um damit einen neuen Konflikt anzuzetteln.

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Foto: Screenshot aus dem Video, das die Entführer vom Pastor erzwungen hatten

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