15 Januar 2020, 16:00
Entscheidungen treffen und den Willen Gottes erkunden
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„Bete, als hinge alles von Gott ab. Handle, als hinge alles von dir ab“ - Die kath.net-Jugendkolumne von Viktoria Samp

Linz (kath.net)
Das neue Jahr ist für uns immer wieder eine Gelegenheit, das Vergangene zu reflektieren und das Kommende voller Hoffnung und mit neuer Kraft anzugehen. Wir denken darüber nach, wo wir aktuell im Leben stehen und ob es irgendwelcher Veränderungen bedarf. Häufig müssen wir in dieser Zeit auch wichtige Entscheidungen überdenken oder neue Entscheidungen treffen.

Entscheidungen zu treffen fällt uns dabei gar nicht mal so leicht. Es fängt schon bei dem Kauf eines Geschenkes an und hört bei der Entscheidung für eine Ausbildung, einen Berufsweg oder gar einen Menschen, mit dem wir den Rest unseres Lebens verbringen sollen, nicht auf. Uns Christen sitzt dabei auch immer die Frage nach dem Willen Gottes im Hinterkopf. Und ich glaube, das ist gut so, denn dann fragen wir nicht nur: Was möchte ich, was macht mich glücklich, was macht mich reich, sondern: Was möchte Gott von mir, was erwartet Er von mir, wo braucht Er mich. Und mit diesen Fragen verbunden ist auch der Gedanke, wo braucht mich der andere Mensch?

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Und wenn wir schon soweit sind, den Willen Gottes erfüllen zu wollen, dann wirft sich die neue Frage danach auf, was denn der Wille Gottes in Bezug auf mein Leben sei.

Letztes Ziel und höchster Wille ist, dass wir alle die Heiligkeit erlangen, Aber ganz konkret? Ein Priester sagte mal: Es gibt nicht nur einen einzigen Weg, den Gott für uns vorbereitet hat und der uns zur Heiligkeit führen soll. Es gibt doch so viele Möglichkeiten, abzubiegen und es würde einem Lottogewinn gleichkommen, den richtigen, für uns vorgesehenen Weg zu wählen. Dass Gott allwissend ist und auch weiß, wie wir uns entscheiden werden, heißt aber nicht, dass Er diese Entscheidung für uns trifft und wir nichts mehr tun müssen oder gar tun können, da ja „eh schon alles vorentschieden“ sei. Gott hat uns den freien Willen und so viele Möglichkeiten und Fähigkeiten geschenkt, damit wir in unserer Freiheit entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen.

Aber dieser Gedanke hilft mir wieder nicht weiter, denn dass ich viele Entscheidungsmöglichkeiten habe, heißt nicht, dass alles Wege recht sind und es spielt immer auch ein bisschen die Befürchtung mit, dass ich mich falsch entscheide, die negativen Konsequenzen meiner Entscheidung mein Leben lang tragen werde und vielleicht nicht nur ich, sondern auch die Menschen um mich herum. Ein Zeichen von Gott, ein kleiner Hinweis, ein Traum, der mir bei der Entscheidung helfen könnte – wer hat sich das nicht schon mal insgeheim gewünscht?!

Eine Antwort auf meine Frage, warum Gott uns denn nicht einfach ein Zeichen gebe, habe ich letztens von einem schlauen Menschen und guten Freund erhalten: Würde Gott mir ein klares Zeichen geben, mir sagen, was ich tun sollte, wie könnte ich dann wachsen? Wo bliebe dann noch Freiraum für mich, um mich selber zu entwickeln, indem ich Optionen erwäge und frei eine Entscheidung treffe, deren Konsequenzen ich dann auch zu tragen habe? Unser Leben hier ist nur eine Vorbereitung auf das Alles, was danach kommt. Wir werden unser ganzes Leben lang Entscheidungen treffen müssen, sowohl in kleinen wie auch in großen Dingen. Auch wenn es uns manchmal schwer fällt, müssen wir es doch praktizieren, sonst werden wir es verlernen. Ähnlich wie man eine Sprache verlernt, wenn wir immer nur mit Menschen reisen, die die Kommunikation für uns übernehmen.

Aber ebenso wie es im Sprachgebrauch Regeln gibt, die wir berücksichtigen müssen, um die Sprache richtig verwenden zu können und, damit uns unser Gegenüber versteht, genauso gibt uns auch Gott Wegweiser: Die Frohe Botschaft, die Kirche und ihre Lehre, den Katechismus. Diese Mittel sind so gehaltsvoll und voller Weisheiten, dass wir keinen Grund und kein Recht haben, uns zu beschweren, dass Gott schweigt. In Sprüche 18,30 heißt es: „Gibt einer Antwort, bevor er gehört hat, ist es Torheit und Schande für ihn“.

Wichtige Lebensentscheidungen können nicht aus reinem Gefühl getroffen werden, sondern erfordern auch ein wenig Arbeit von unserer Seite. Wir sollen nicht nur fragen, sondern auch hören. Und Er hat uns bereits viel Material gegeben.

„Bete, als hinge alles von Gott ab. Handle, als hinge alles von dir ab“ – ein Zitat, das sowohl dem hl. Ignatius von Loyola als auch dem Hl. Augustinus Aurelius zugeschrieben wird und uns zeigt, dass weder das eine noch das andere ausreicht. Getrost können wir mit solch einer Einstellung auf Gottes Gnade vertrauen, selbst, wenn wir nicht die optimale Entscheidung treffen. Denn „Gott ist wie ein Arzt: Er hört nicht auf den Wunsch des Kranken, Er hört nur auf die Forderung der Gesundheit“ (Hl. Augustinus Aurelius). Im Gebet mit Ihm vereint und im Glauben und Vertrauen verharrend, werden wir schon Entscheidungen treffen, die uns nicht von Ihm trennen werden.

Und die Abkehr von Ihm wäre das einzige, was wir wirklich bereuen könnten! In der Vereinigung mit Gott, durch ständiges Gebet, die Lektüre des Evangeliums und geistlicher Werke sowie das Vertrauen, dass Er es mit uns gut meint – all das möge uns helfen Entscheidungen zu treffen!

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