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Gott anbeten heißt zu spüren, dass wir Gott gehören und umgekehrt

6. Jänner 2020 in Aktuelles, 4 Lesermeinungen
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Franziskus: nur wenn wir Jesus von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, lernen wir sein Antlitz kennen. Wenn wir anbeten, entdecken wir, dass das christliche Leben eine Liebesgeschichte mit Gott ist. Die Predigt im Wortlaut


Rom (kath.net) Das Fest der Erscheinung des Herrn feierte Papst Franziskus mit der traditionellen heiligen Messe in der Petersbasilika. In den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte der Papst die Wirklichkeit der Anbetung.

„Theologie und pastorale Effizienz nützen wenig oder nichts, wenn man nicht die Knie beugt; wenn man es nicht wie die Sterndeuter macht, die nicht nur weise Organisatoren einer Reise waren, sondern sich auf den Weg gemacht und angebetet haben. Durch die Anbetung wird uns bewusst, dass der Glaube sich nicht bloß auf eine Fülle an schönen Glaubenslehren beschränkt, sondern die Beziehung zu einer lebendigen Person, die geliebt werden will, ist.

Nur wenn wir Jesus von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, lernen wir sein Antlitz kennen. Wenn wir anbeten, entdecken wir, dass das christliche Leben eine Liebesgeschichte mit Gott ist: Hier reichen einige gute Ideen nicht aus, sondern ihm muss man den ersten Platz einräumen, so wie es ein Verliebter gegenüber der Person macht, die er liebt. Genau so muss die Kirche sein, eine Anbeterin, die in ihren Bräutigam Jesus verliebt ist.“

"Und selbst das christliche Leben kann ohne die Anbetung des Herrn zu einer kultivierten Art der Selbstbestätigung und des Eigenlobes werden. Das ist eine ernste Gefahr: uns Gottes zu bedienen statt Gott zu dienen. Wie oft haben wir die Absichten des Evangeliums mit unseren eigenen Interessen vertauscht; wie oft haben wir unsere Bequemlichkeiten mit Religiosität bemäntelt; wie oft haben wir die Macht im Sinne Gottes – den Dienst am Nächsten – mit der Macht im Sinne der Welt – den Dienst an sich selbst – verwechselt!"

„Anbetung ist eine Geste der Liebe, die das Leben verändert. Anbeten heißt, es wie die Sterndeuter zu machen: dem Herrn Gold zu bringen, um ihm zu sagen, dass nichts wertvoller ist als er; ihm Weihrauch zu opfern, um ihm zu sagen, dass nur mit ihm unser Leben aufsteigt; ihm Myrrhe darzubringen, mit der verwundete und geschundene Körper gesalbt wurden, um Jesus zu versprechen, unserem ausgegrenzten und leidenden Nächsten beizustehen, weil er in ihm gegenwärtig ist.“


kath.net veröffentlicht die Predigt von Papst Franziskus zur heiligen Messe in der Petersbasilika am Hochfest der Erscheinung des Herrn:


Im Evangelium (Mt 2,1-12) erklären die Sterndeuter gleich zu Beginn ihre Absichten: »Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen« (V. 2). Die Anbetung ist der Zweck ihrer Reise, das Ziel ihres Weges. Denn in Betlehem angekommen, »sahen [sie] das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm« (V. 11). Wenn wir den Sinn der Anbetung verlieren, verlieren wir die Richtung des christlichen Lebens, das ein Weg auf den Herrn hin ist, nicht zu uns selbst. Vor dieser Gefahr warnt uns das Evangelium, wenn es uns neben den Sterndeutern einige Figuren vorstellt, die nicht anbeten können.

Da ist vor allem König Herodes, der das Wort „anbeten“ verwendet, aber in trügerischer Weise. Er bittet nämlich die Sterndeuter, ihm über den Aufenthaltsort des Kindes Auskunft zu geben, »damit« – so sagt er – »auch ich hingehe und ihm huldige« (V. 8). In Wirklichkeit aber betete Herodes nur sich selbst an und wollte sich deshalb mithilfe einer Lüge von dem Kind befreien.

Was lehrt uns das? Dass der Mensch, wenn er nicht Gott anbetet, dazu neigt, sich selbst anzubeten. Und selbst das christliche Leben kann ohne die Anbetung des Herrn zu einer kultivierten Art der Selbstbestätigung und des Eigenlobes werden. Das ist eine ernste Gefahr: uns Gottes zu bedienen statt Gott zu dienen. Wie oft haben wir die Absichten des Evangeliums mit unseren eigenen Interessen vertauscht; wie oft haben wir unsere Bequemlichkeiten mit Religiosität bemäntelt; wie oft haben wir die Macht im Sinne Gottes – den Dienst am Nächsten – mit der Macht im Sinne der Welt – den Dienst an sich selbst – verwechselt!

Neben Herodes gibt es im Evangelium weitere Personen, die nicht anbeten können: die Hohepriester und Schriftgelehrten des Volkes. Sie zeigen Herodes ganz präzise auf, wo der Messias geboren werden sollte: in Betlehem in Judäa (vgl. V. 5). Sie kennen die Verheißungen und zitieren sie genau. Sie wissen, wo hinzugehen wäre, aber gehen nicht. Auch daraus können wir lernen. Im christlichen Leben genügt das Wissen nicht: ohne aus sich herauszugehen, ohne die Begegnung, ohne die Anbetung kann man Gott nicht erkennen.
Theologie und pastorale Effizienz nützen wenig oder nichts, wenn man nicht die Knie beugt; wenn man es nicht wie die Sterndeuter macht, die nicht nur weise Organisatoren einer Reise waren, sondern sich auf den Weg gemacht und angebetet haben.

Durch die Anbetung wird uns bewusst, dass der Glaube sich nicht bloß auf eine Fülle an schönen Glaubenslehren beschränkt, sondern die Beziehung zu einer lebendigen Person, die geliebt werden will, ist. Nur wenn wir Jesus von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen, lernen wir sein Antlitz kennen.

Wenn wir anbeten, entdecken wir, dass das christliche Leben eine Liebesgeschichte mit Gott ist: Hier reichen einige gute Ideen nicht aus, sondern ihm muss man den ersten Platz einräumen, so wie es ein Verliebter gegenüber der Person macht, die er liebt. Genau so muss die Kirche sein, eine Anbeterin, die in ihren Bräutigam Jesus verliebt ist.

Zu Beginn des Jahres entdecken wir wieder neu, dass der Glaube die Anbetung erfordert. Wenn wir uns vor Jesus niederknien können, werden wir der Versuchung widerstehen, dass jeder auf seinem eigenen Weg weitergeht. Anbeten bedeutet nämlich, aus der größten Sklaverei, aus der Knechtschaft des eigenen Ichs auszuziehen. Anbeten heißt, den Herrn ins Zentrum zu stellen, um nicht auf sich selbst fixiert zu bleiben. Es bedeutet, die Dinge recht zu ordnen und dabei Gott den ersten Platz einzuräumen.

Anbeten heißt, die Pläne Gottes vor meine Zeit, meine Rechte, meine Räume zu stellen. Es bedeutet die Umsetzung des Schriftworts: »Den Herrn, deinen Gott, sollst du anbeten« (Mt 4,10).

Deinen Gott anbeten heißt zu spüren, dass wir Gott gehören und umgekehrt. Es bedeutet, im Inneren zu ihm „Du“ zu sagen, das Leben zu ihm zu bringen und zuzulassen, dass er in unser Leben tritt. Es bedeutet, seinen Trost auf die Welt herabzurufen. Anbeten heißt zu entdecken, dass es beim Beten genügt, »Mein Herr und mein Gott!« (Joh 20,28) zu sagen, und ebenso sich von seiner zärtlichen Liebe erfüllen zu lassen.

Anbeten bedeutet, Jesus ohne eine Wunschliste in der Hand zu begegnen, sondern allein mit dem Wunsch, bei ihm zu bleiben. Es heißt zu entdecken, dass die Freude und der Friede mit dem Lobpreis und der Danksagung wachsen. Wenn wir anbeten, erlauben wir Jesus, uns zu heilen und zu verändern. Durch die Anbetung geben wir dem Herrn die Gelegenheit, uns mit seiner Liebe zu verwandeln, unser Dunkel zu erhellen, uns in der Schwachheit Kraft und in der Prüfung Mut zu verleihen.

Anbeten heißt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das ist der Weg, um von vielen unnützen Dingen loszukommen, von Abhängigkeiten, die das Herz betäuben und den Geist benommen machen. Denn durch die Anbetung lernen wir zurückzuweisen, was nicht angebetet werden darf: den Götzen des Geldes, des Konsums, des Vergnügens, des Erfolges, unser Ich, das an die Stelle Gottes getreten ist.

Anbeten bedeutet, sich im Angesicht Gottes des Allerhöchsten klein zu machen, um vor ihm zu erkennen, dass die Größe des Lebens nicht im Haben, sondern im Lieben besteht. Anbeten heißt, wieder neu zu entdecken, dass wir vor dem Geheimnis der Liebe, die jede Distanz überwindet, Brüder und Schwestern sind: es bedeutet, das Gute an der Quelle zu schöpfen, und in Gott, der nahe ist, den Mut zu finden, sich den anderen Menschen zu nähern. Anbeten heißt, vor dem göttlichen Wort zu schweigen, um zu lernen, Worte zu sprechen, die nicht verletzen, sondern trösten.

Anbetung ist eine Geste der Liebe, die das Leben verändert. Anbeten heißt, es wie die Sterndeuter zu machen: dem Herrn Gold zu bringen, um ihm zu sagen, dass nichts wertvoller ist als er; ihm Weihrauch zu opfern, um ihm zu sagen, dass nur mit ihm unser Leben aufsteigt; ihm Myrrhe darzubringen, mit der verwundete und geschundene Körper gesalbt wurden, um Jesus zu versprechen, unserem ausgegrenzten und leidenden Nächsten beizustehen, weil er in ihm gegenwärtig ist. (...)

Liebe Brüder und Schwestern, heute mag sich jeder von uns fragen: „Bin ich ein Christ, der anbetet?“ Viele Christen, die beten, wissen nicht, wie man anbetet. Stellen wir uns diese Frage. Finden wir in unserem Tagesablauf Zeit für die Anbetung und geben wir der Anbetung in unseren Gemeinden Raum.

Es liegt an uns als Kirche, das Wort in die Praxis umzusetzen, das wir heute als Kehrvers zum Antwortpsalm gebetet haben: „Herr, alle Völker der Erde beten dich an.“ Durch die Anbetung werden auch wir wie die Sterndeuter den Sinn unseres Lebensweges entdecken. Und wie die Sterndeuter werden wir dann »von sehr großer Freude erfüllt« (Mt 2,10).


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Lesermeinungen

 lesa 6. Jänner 2020 

Theologie und Anbetung, Vernunft und Glaube ...

Eine zur Anbetung anregende Predigt! Eine Theologie, die nicht zur Anbetung führt, ist eine falsche. Theologie im Sinne der Gabe Heiliger Wissenschaft aber führt zur Anbetung, fördert diese und schützt vor Idolatrie.


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 Einsiedlerin 6. Jänner 2020 
 

In die Knie gehen

"Darum hat ihn Gott über alle erhöht und ihm den Namen verliehen, der größer ist als alle Namen, damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde ihr Knie beugen vor dem Namen Jesu und jeder Mund bekennt: Jesus Christus ist der Herr zur Ehre Gottes, des Vaters." (Phil 2,9-11)

Alle, die Jesus erkannt haben, sind vor Ihm in die Knie gegangen: Maria, Josef, die Hirten, die Weisen aus dem Morgenland, später die Apostel und Jünger, alle bekehrten Sünder.


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 Stefan Fleischer 6. Jänner 2020 

Danke, Heiliger Vater

Ohne die Wiederentdeckung der Anbetung, ohne die Rückkehr zu Gott als wahrer Gott, als Schöpfer und Herr, als Ursprung und Zentrum und Ziel von allem, dem alles gehört, also auch wir selbst, unsere Kirche, unsere Gesellschaft und die ganze Schöpfung, können wir uns bemühen wie wir wollen, es gibt kein wahres Heil.
Noch ein kleiner Hinweis: Die Aussage unseres Heiligen Vaters: «dass wir Gott gehören und umgekehrt» darf natürlich nicht falsch verstanden werden. Wahrscheinlich ist das falsch übersetzt. Gott gehört uns nicht im gleichen Sinn wie wir Gott gehören. Gott ist und bleibt immer und überall der Herr, selbst dort, wo er sich uns Menschen in die Hand gibt, wie zum Beispiel in seinem Tod für uns am Kreuz.


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 doda 6. Jänner 2020 

Danke für die Predigt.


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