15 Dezember 2019, 10:00
Patriarch: Kirche im Irak verzichtet auf große Weihnachtsfeiern
 
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Chaldäischer Patriarch sagt alle Weihnachtsfeste abseits von Gottesdiensten und Gebeten ab - Dafür vorgesehenes Geld fließt in Fonds für Verwundete - Sako: "Es ist nicht normal, unsere Freude und unser Glück zu feiern, während andere sterben".

Bagdad (kath.net/ KAP)
Im Irak soll es nach dem Wunsch von Kardinal Louis Raphael Sako heuer keine großen christlichen Weihnachtsfeiern abseits von Gottesdiensten und Gebeten geben. "Es ist nicht normal, unsere Freude und unser Glück zu feiern, während andere sterben. Das funktioniert nicht", sagte der chaldäisch-katholische Patriarch der Nachrichtenagentur AP mit Blick auf die zahlreichen Toten und Verletzten bei den aktuellen Massenprotesten gegen die Regierung. Es sei auch aus moralischer Sicht nicht möglich, "in einer solchen Atmosphäre der Spannung" zu feiern: "Wir können kein großes Fest feiern, wenn unser Land in einer solch kritischen Situation ist."

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Die Weihnachtsfeiern würden daher auf Gottesdienste beschränkt, auch am Sitz des Patriarchats in Bagdad fänden keine der traditionellen Empfänge, an denen politische und religiöse Autoritäten teilnehmen, statt, kündigte Sako an. Das für die Feste, aber auch für Konzerte, Christbäume und Straßendekorationen vorgesehene Geld soll an Fonds gespendet werden, die verwundete Demonstranten unterstützen.

Regierung und Parlament ruft der Patriarch auf, die Forderungen der Demonstranten zu hören und im Dialog geeignete Lösungen zu finden. "Die militärische Lösung ist schlecht", so Sako im AP-Interview. Die Demonstranten strebten nach "Gerechtigkeit und Stabilität" und wollten "gleichberechtigte Bürger sein", sagte der Kardinal.

Es sei dieselbe Gerechtigkeit, um die die bedrohten Christen im Irak seit langem bitten, fügte Sako hinzu. Vor dem US-Einmarsch im Jahr 2003 gab es etwa 1,5 Millionen irakische Christen. Heute beträgt die Zahl nach Schätzungen weniger als 500.000. Der Aufstieg der IS-Milizen veranlasste viele Christen, aus Angst um ihr Leben aus dem Land zu fliehen.

"Wir haben viel gelitten", erinnerte Patriarch Sako an die Lage der Christen im Land: "Seit dem Zusammenbruch des alten Regimes wurden viele getötet oder entführt, andere wurden bedroht und sind weggegangen, viele Häuser und Grundstücke von Christen wurden von Milizen besetzt."

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