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Ukraine: „Perspektivlosigkeit führt zur Entzweiung der Familien“

8. Dezember 2019 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Die Ukraine ist nicht nur politisch in einer angespannten Situation. Auch die Gesellschaft droht auszubluten. Viele Menschen wandern ab, die Geburtenrate sinkt dramatisch – während die Zahl der Abtreibungen hoch bleibt.


München-Wien (kath.net/KIN)
Die Ukraine ist nicht nur politisch in einer angespannten Situation. Auch die Gesellschaft droht auszubluten. Viele Menschen wandern ab, die Geburtenrate sinkt dramatisch – während die Zahl der Abtreibungen hoch bleibt. Die Kirche in der Ukraine setzt sich für Lebensschutz ein und versucht, jungen Menschen Mut zu machen für ein verantwortungsvolles Familienleben.

Ende Oktober 2019 hat die römisch-katholische Kirche der Ukraine einen Familienkongress veranstaltet. Die Osteuropa-Referentin des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“, Magda Kaczmarek, war dabei. Im Interview mit Thomas Oswald erzählt sie über ihre Erfahrungen.

Thomas Oswald:Frau Kaczmarek, was ist Ihr Gesamteindruck Ihrer jüngsten Ukraine-Reise?

Magda Kaczmarek: Die Ukraine ist ein schönes und gastfreundliches Land. Es ist aber auch von siebzig Jahren Kommunismus gekennzeichnet. Das spiegelt sich in den Schwierigkeiten wider, denen junge Menschen begegnen, die sich eine berufliche Zukunft aufbauen oder eine Familie gründen wollen. Viele Ukrainer denken, dass ihr Land keine Zukunft hat. Die am besten ausgebildeten jungen Leute wandern aus, andere verzweifeln. Die Perspektivlosigkeit führt zu Alkoholismus und zur Entzweiung der Familien.


Woran lässt sich das festmachen?
65 Prozent der Kinder wachsen ohne Vater auf. Jeden Tag werden in der Ukraine 300 Abtreibungen durchgeführt. Und das einem Land, das über zu wenig Kinder verfügt, um den Generationenwechsel sicherzustellen. Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Claudio Gugerotti, hat das Problem zusammengefasst: Es fehlt an Hoffnung in der Gesellschaft und an Liebe in den Familien.

Was tut die Kirche in dieser Situation?
Die Kirche in der Ukraine ist sich bewusst, dass über die politischen Schwierigkeiten hinaus die Verteidigung der Familie das oberste Anliegen sein muss. Die römisch-katholische Kirche hat den Familienkongress in Winnyzja, einer Stadt auf halber Strecke zwischen Kiew und Lwiw (Lemberg), organisiert. Es haben dort Eltern gesprochen, die sich stark im Gemeindeleben organisieren. Sie haben viele Kinder. Das ist in der Ukraine außergewöhnlich. Ich glaube, dass das Engagement dieser Menschen zeigt: Die Zukunft der Kirche liegt in der mit Gott vereinten Familie, in der tägliche Gebete, Katechese, die Liturgie, Feste, gemeinsame Mahlzeiten in den Familien usw. eine Rolle spielen.

Dennoch: Die Zahl dieser Familien ist gering. Wie könnte ihr Beispiel für eine geistliche Wiedergeburt in der Ukraine sorgen?
Ein Schlüssel sind meiner Meinung nach die geistlichen Bewegungen. Viele Familien gehören Gemeinschaften wie dem Neokatechumenalen Weg, den „Familien von Nazareth“ oder der Bewegung „Hauskirche“ an, um nur einige zu nennen. Diese Gemeinschaften sind dynamische Orte, die auch auf die Umwelt ausstrahlen. Papst Franziskus hat das einmal so formuliert: Wir leben in Zeiten, in denen Christen ihren missionarischen Impuls innerhalb dieser Bewegungen wiedererlangen können, wie in den frühen Tagen des Christentums.

Wie stellt sich die Situation in der katholischen Kirche in der Ukraine dar?
Die katholische Kirche in der Ukraine besteht aus der griechisch-katholischen und der römisch-katholischen Kirche. Die katholische Kirche ist nach der kommunistischen Verfolgung wieder zu neuem Leben erwacht. Es ist überraschend zu sehen, wie jung ihr Klerus ist.
Die römisch-katholische Kirche kümmert sich auch stark um die Menschen in den Kriegsgebieten in der Ostukraine. Es gibt zum Beispiel ein „Christian Rescue Center“ (Christliches Rettungszentrum), in dem geflüchtete Menschen materielle und geistliche Hilfe erhalten. Für ihre Arbeit und den Wiederaufbau braucht die katholische Kirche in der Ukraine unsere ganze Unterstützung. Deshalb gehört die Ukraine auch zu den Ländern, die „Kirche in Not“ am meisten unterstützt.
Um die Arbeit der katholischen Minderheit in der Ukraine weiterhin fördern zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Ukraine

Foto: Kinder in einer katholischen Anlaufstelle für Flüchtlinge in Charkiw/Ukraine. © Kirche in Not

Weitere Informationen und Spendenmöglichkeiten:
Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz


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