21 November 2019, 08:49
„Götzendienst im Vatikan…“
 
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„Als Familienvater fühle ich mich von Vertretern der Kirche im Stich gelassen, und noch mehr: ich fühle mich attackiert. Der Papst sitzt dabei, wie Götzen angebetet werden und quittiert das mit einem Vaterunser.“ Gastkommentar von Stefan Ott

Vatikan (kath.net) Götzendienst im Vatikan, das ist die großartige Sensation, die uns die Medien in den letzten Wochen präsentiert haben. Eine Sensation, die sich ungefähr so bizarr anhört wie: „Endlich: Tofu aus Schweinefleisch!“, oder: „Tiefseetaucher beim Bungeejumping verunglückt!“

Eine durchaus prickelnde Schlagzeile, aber nicht in erster Linie wegen des noch genauer zu betrachtenden Götzendienstes, sondern deshalb, weil diese angeblich „kultursensiblen“ Vorgänge in den vatikanischen Gärten Gräben gerissen haben. Es sind Fronten geschaffen und verstärkt worden, es sind Gegner geschaffen und Feindbilder produziert worden. Kurz gesagt: Was hier geschehen ist, war eine zutiefst unchristliche Veranstaltung mit weltweiten Auswirkungen- unchristlich, weil sie bewusst Unsicherheit geschaffen hat.

Als sechsfacher Familienvater weiß ich, wovon ich rede. Unsere Kleineren mit 5 und 7 Jahren haben das noch nicht mitbekommen. Aber die Größeren zwischen 13 und 19 haben die Bilder gesehen und gespeichert.

Die unselige Problematik des Götzendienstes als solchem wurde in den Medien bereits etliche Male behandelt, sei es von Gegnern oder Befürwortern. Egal welche Position eingenommen wurde, es ging um: „Götzendienst im Vatikan“. Wurden die heidnischen Rituale verteidigt, dann wurde sich auch für die Katholiken entschuldigt, die sich durch die Vorgänge verletzt fühlten. Offensichtlich wussten die Verteidiger ganz genau, dass es nicht selbstverständlich ist das Niederfallen vor Holzfiguren als „religionsneutralen Vorgang“ zu erkennen.

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Die Positionierung des Papstes gegen diejenigen Katholiken, die sich durch die Vorgänge befremdet fühlen, mag wohl als Einladung angedacht sein- allerdings als Einladung für diejenigen, die einer Konkretisierung unseres Glaubens in Jesus Christus skeptisch gegenüberstehen. Zu einer Vertiefung des liturgischen Lebens führt es mit Sicherheit nicht.

Das Feindbild des spießigen, empörten Katholiken, der sich pflichtschuldig ereifert, weil irgendwo zu viel Haut zu sehen ist, wurde in den letzten Jahren immer wieder herangezogen um Dinge zu rechtfertigen, die eine ähnliche Funktion hatten, wie die Pachamamas in den Vatikanischen Gärten: Sei es eine Fotoausstellung im Kirchenraum zum Thema „Adam und Eva“ (entsprechend gut sichtbar „kostümiert“), sei es die im Schaukasten der Kirche beworbene Kunstausstellung mit einem Gemälde einer nackten Frau am Kreuz, oder der „Gespenstertanz“ in der Heiligen Messe an Fasching zu einem Lied mit dem Refrain: „Abrakadabra, ich bin ein Gespenst…“.

Das ist eben die deutsch katholische Kirche, „…aber Gott sei Dank gibt es ja die Weltkirche“, so sagte ich mir bisher. Nun aber haben wir von höchster Instanz die Anleitung: So geht offene Liturgie…

Auf einmal ist das ganze bunte Treiben nicht nur gerechtfertigt, wir haben ein Tor geöffnet mit der Aufschrift: „Kommt alle herein und bringt alles mit, wir bauen es ein!“

Auf den ersten Aufschrei in den Medien folgte eine Welle der Rechtfertigung und Beschwichtigung: „Das war doch gar kein Götzendienst!“ Die hochgebildeten Erklärer widersprachen einander so massiv, dass es gar keinen Sinn gemacht hätte auf den ganzen Unsinn einzugehen. Erst waren diese Holzfiguren Maria und Elisabeth, dann war es Pachamama, dann war es doch nicht Pachamama, dann war es zwar schon Pachamama, aber Pachamama ist ja gar nicht so eine Gottheit, wo es dann Götzendienst wäre, das Ganze hätte nichts mit Götzendienst gemein, da man ja nicht die Stirn auf dem Boden gelegen habe, da ja nur der Boden geküsst worden sei und das habe ja schon JPII so praktiziert, Pachamama werde ja gar nicht von den Ureinwohnern Amazoniens verehrt, Pachamama sei nicht personal… Man könnte die Reihe der Erklärungen noch auf mehreren Seiten fortsetzen.

Holzfiguren von nackten schwangeren Frauen und einem Mann, rundherum Leute, die ihren Hintern in die Höhe recken, Kopf auf dem Boden… Wenn das kein Götzendienst war, dann gab es in der gesamten Menschheitsgeschichte noch keinen Götzendienst.
Faktisch gab es aber historisch gesehen, bei Christen immer wieder die Weigerung bei derlei Vorgängen mitzumachen. Ob die Machthaber die Verehrung nun als tatsächlichen Götzendienst betrachteten, oder auch nur als Verehrung eines irgendwie gearteten „Urquells des Seins“, spielte da für die Christen eigentlich keine Rolle. Die dargestellten Götterfiguren im alten Rom wurden schon in der Antike nicht selbstverständlich als tatsächliche jenseitige übermächtige Wesenheiten angesehen, sondern vielfach einfach als Abbildungen zutiefst menschlicher Grundgegebenheiten. Trotzdem wurden sie verehrt. So gesehen hätten sich auch die frühen Christen problemlos vor fremden Göttern niederwerfen können. Im Sinne einer Verneigung vor der Natur und der ihr innewohnenden Lebenskraft hätten sie nach dieser Auffassung weder gesündigt noch jemandem Anstoß gegeben und hätten gleichzeitig die Römer noch ein wenig inkulturiert. Darüber hinaus hätten sie auch noch ihr Leben und evtl. das ihrer Kinder gerettet. Trotzdem entschieden sie sich, diese Verehrung zu verweigern.

Als Familienvater fühle ich mich von Vertretern der Kirche im Stich gelassen, und noch mehr: ich fühle mich attackiert. Diese schamlose Inszenierung fühlt sich für mich an wie ein bösartiger, hinterhältiger Angriff auf meine Familie. Der Papst sitzt dabei, wie Götzen angebetet werden und quittiert das mit einem Vaterunser. So ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Und sollte es auch irgendwelche akrobatischen Erklärungen geben, die das Ganze unter dem Strich noch irgendwie halbwegs verständlich wirken lassen könnten, wir können nicht wieder gut reden was die Welt gesehen hat. Hier wurden Fakten geschaffen.

Menschen, die hier nämlich nicht in dieses neue Bild passen werden für böse, nicht zurechnungsfähig, kriminell, nicht hörenswert erklärt. Ihre Meinung braucht nicht berücksichtigt zu werden. So ging es auch mit den Katholiken, die die Figuren entwendeten, und damit allen, die sich ebenfalls durch die seltsam anmutende Zeremonie negativ berührt fühlten. Wer sich unangenehm berührt fühlt, ist auf der Seite der Kriminellen. Wer sich unangenehm berührt fühlt von Gespenstern in der Kirche, ist auf der Seite der Kriminellen. Wer sich unangenehm berührt fühlt von Nacktfotos in der Kirche, ist auf der Seite der Kriminellen. Wer sich unangenehm berührt fühlt…

Meine Kinder fühlten sich damals unangenehm berührt von dem Faschingsgottesdienst und nannten die Kirche nach oben beschriebener Szene nur noch die „Gespensterkirche“. Jetzt liegt natürlich der Verdacht nahe, dass „ultra-erzgiftende Katholikeneltern“ ihre Kinder beimpfen, Dinge schlecht zu finden, die empörend, obszön und nackt sind. Falls dieser Verdacht bei jemandem aufkommen sollte, dann kann ich das nicht ändern. Beteuerungen wie wohlerzogen, aufgeklärt, intelligent oder gläubig die eigenen Kinder sind, oder auch wieviel die Kinder von sich aus ohne Zutun der Eltern erkannt haben, bleiben stets unter Verdacht, insbesondere wenn viel dazu erklärt wird, deshalb halte ich mich mal diesbezüglich zurück. Nur soviel, den Namen „Gespensterkirche“ hatte ich mir nicht ausgedacht…

Ein Sohn von Freunden erlebte vor ein paar Jahren, dass bei einer katholischen Jugendfreizeit eine Buddha-Statue bei der Hl. Messe neben den Altar gestellt wurde. Ich empfand das damals schon als massiven Verstoß gegen das erste Gebot, fühlte mich aber nur an der Oberfläche angegriffen, da wir ja zur Weltkirche gehören und das, was in Deutschland passiert, „das ist nicht so wichtig“. Dieses nachträgliche „mit ins Boot holen“ von all den Dingen, die mir damals die Liturgie versauert haben, fühlt sich größer an als ein einmaliger Verstoß gegen das erste Gebot, es ist das Errichten einer Schaubühne für die ganze Welt, mit der Überschrift: „Die Kirche ist freigegeben, bitte bedient euch!“ Wer jetzt hier immer noch der Meinung ist, hier würde doch gar nicht gegen das erste Gebot verstoßen, dem sei die Frage erlaubt, warum wird hier etwas veranstaltet, was Millionen von Katholiken weltweit für genau das halten? Ist es nicht Katastrophe genug, wenn auf der ganzen Welt die Menschen jetzt glauben die katholische Kirche hätte den Götzendienst erlaubt, auch wenn es gar nicht so ist? Oder ist es jetzt die neueste Mode Dinge zu tun die da verdammt nah dran sind?

Unsere großen Kinder haben das genau mitbekommen. Freunde haben das mitverfolgt. Die Medien haben über Götzendienst berichtet. Und solche Vorbilder schaffen ungeahnte Möglichkeiten: Möglichkeiten zu gestalten, zu verwerfen, zu verstoßen und zu verletzen. Vorbilder schaffen Nachahmer und wer nicht mitspielt, wird kriminalisiert.

Was allerdings kaum Beachtung gefunden hat, ist die Tatsache, dass am Ende mit den Füßen abgestimmt wird. Leute, die regelmäßig in die Hl. Messe gehen, halten in der Regel das 1. Gebot immer noch für wichtig. Wer also in Zukunft nach Amazonischem Ritus den Phallus, „Mutter Erde“ oder das Ökosystem preist, wird damit rechnen müssen, dass Leute, die hier alles und jeden ändern möchten, für gewöhnlich keine regelmäßigen Kirchgänger sind.

Der Verfasser, Stefan Ott, ist Diplom-Theologe.

Papst Franziskus bei der umstrittenen Zeremonie mit Pachamama-Statuen in den Vatikanischen Gärten am 4.10.2019


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