11 November 2019, 09:30
Franziskus würdigt Benedikt XVI. als "Theologen und Hirten"
 
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Lob für seinen Vorgänger bei Verleihung des Ratzinger-Preises an kanadischen Politikwissenschaftler und Philosophen Charles Taylor sowie Theologen Paul Bere (53) aus Burkina Faso

Vatikanstadt (kath.net/KAP) Papst Franziskus hat die theologischen Bemühungen seines Vorgängers Benedikt XVI. (2005-2013) gewürdigt. "Sein Ziel war es, dass wir trotz sich ändernder Zeiten und Situationen uns einen lebendigen Glauben erhalten", sagte der Papst bei der Verleihung des Ratzinger-Preises am Samstag im Vatikan. Gläubige, so habe es Benedikt XVI. gewollt, sollten Zeugnis für ihren Glauben geben können in einer Sprache, die von Zeitgenossen verstanden wird, sagte Franziskus weiter.

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"Der Theologe und Hirte" Joseph Ratzinger habe sich nie in eine abstrakte Kultur bloßer Denkmodelle" eingeschlossen. Vielmehr sei er ein Beispiel gewesen für "eine Wahrheitssuche, in der Vernunft und Glaube, Intelligenz und Spiritualität, ständig verbunden werden".

Mit der neunten Verleihung des Ratzinger-Preises wurden der kanadische Politikwissenschaftler und Philosophen Charles Taylor (87) sowie der Theologen Paul Bere (53) aus Burkina Faso ausgezeichnet. Bei der Feierstunde würdigte Franziskus die Beiträge beider für einen ernsthaften Dialog des Christentums mit unterschiedlichen Kulturen, einmal der säkular-westlichen sowie mit der vornehmlich mündlich-afrikanischen.

So stelle die von Taylor untersuchte Säkularisierung mit all ihren Folgen eine "bedeutende Herausforderung für die katholische Kirche wie für alle Gottgläubigen" dar, sagte Franziskus. Nur wenige hätten das Problem der Säkularisierung mit einer derartiger Weitsicht dargestellt wie der kanadische Philosoph. Dieser lade dazu ein, "neue Weisen zu erspüren und zu suchen, wie die transzendenten Dimensionen der menschlichen Seele gelebt und ausgedrückt werden können".

Paul Bere, erster Ratzinger-Preisträger aus Afrika, stehe für eine moderne afrikanische Theologie, die Inkulturation ernst nimmt, so der Papst. Nachdem das Christentum in den ersten Jahrhunderten durch nordafrikanische Theologen wie Tertullian, Cyprian und Augustinus geprägt worden war, hätten die Ausbreitung des Islam sowie die lange Phase des Kolonialismus eine "echt afrikanische Inkulturation der christlichen Botschaft verhindert", sagte Franziskus.

Der Burkinabe Bere lehrt Bibelwissenschaften in Rom und in der Elfenbeinküste. Er engagiert sich für die Ausbildung einer afrikanischen Theologie, war zudem Berater mehrerer Bischofssynoden. Der Bibelwissenschaftler befasst sich vor allem mit den der mündlichen Kultur afrikanischer Länder.

Der 1931 in Montreal geborene Taylor war Professor für Philosophie an der McGill University in Montreal und arbeitet am Institut für die Wissenschaften vom Menschen in Wien. In seinem Werk untersucht er die Folgen neuzeitlicher Entwicklungen: etwa die Privatisierung des Glaubens, Schwächungen religiöser Praxis sowie die Beliebigkeit religiösen Bekenntnisses. Mit der Analyse solcher Relativierungen treffe sich Taylor mit einem Grundanliegen der Theologie Joseph Ratzingers/Benedikts XVI., so Kardinal Gianfranco Ravasi im September bei der Bekanntgabe der Preisträger.

Im vergangenen Jahr waren die bayerische, in Wien lehrende Theologin Marianne Schlosser und der Schweizer Architekt Mario Botta mit dem Ratzinger-Preis ausgezeichnet worden. Die jeweiligen Preisträger werden dem Papst vom wissenschaftlichen Komitee der Vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger/Benedikt XVI. vorgeschlagen. Zu diesem gehören die Kardinäle Angelo Amato, Kurt Koch, Ravasi, Luis Ladaria und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer.

Papst Franziskus und Papst em. Benedikt XVI. im Oktober 2019




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