05 November 2019, 10:00
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„Ich frage mich: Woran glauben wir eigentlich heute? An alles Mögliche?“ Gastkommentar von Thorsten Paprotny

Hannover (kath.net) Einige werden genickt oder gejubelt haben, andere werden verwundert oder fassungslos gewesen sein. Von verschiedenen Medien zitiert wurde vergangene Woche der Essener Bischof Overbeck, der in einem Gespräch mit der „Bild“-Zeitung am 28. Oktober über den biologischen Unterschied der Geschlechter einen Einblick in sein theologisches Denken vermittelte: „Kann man zum Beispiel an einem Y-Chromosom den Zugang zum Priesteramt festmachen, indem man das mit dem Willen Jesu begründet? Die allermeisten Menschen verstehen das nicht mehr und glauben es auch nicht. Ich bin ebenfalls mehr als nachdenklich.“ Nachdenklich macht auch, dass ein Bischof sich auf diese Weise – mutmaßlich unbedacht – äußert. Wenige Tage später, am 31. Oktober, dem Fest des heiligen Wolfgang, hat der Regensburger Bischof Voderholzer für katholische Klarheit gesorgt. Wir können für sein Zeugnis nur dankbar sein. Den kommenden „Synodalen Weg“ kann man „verbindlich“ nennen – „verbindlich“ ist einzig die Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte. Daran hat Bischof Voderholzer erinnert, den Zölibat verteidigt und zugleich das „biologistische Argument“ in seiner Predigt energisch zurückgewiesen. Dies verenge „den Blick auf die Genetik und unterstellt eine Quasi-Gleichheit der Geschlechter“: „Immerhin, so ist zu entgegnen, lässt Gott, der Schöpfer, der den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat, aus dem »kleinen Unterschied« im genetischen Ursprung die unser Menschsein zutiefst bestimmende und prägende Geschlechterdifferenz entstehen. Und er hat auf der gegenseitigen Anziehung von Mann und Frau die Weitergabe des Lebens und damit nichts weniger als die Zukunft der Geschichte begründet. Und schließlich hat Jesus Christus die Ehe von Mann und Frau zur Würde eines Sakramentes erhoben.“ kath.net hat berichtet.

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Zur selben Zeit, als Bischof Voderholzer in St. Emmeram in Regensburg für das Evangelium und die Kirche des Herrn einstand, predigte der Bischof Heiner Wilmer in der protestantischen Andreaskirche in Hildesheim, offenbar in bester ökumenischer Absicht. Das Bistum Hildesheim hat (die Ansprache) veröffentlicht. Wer sich eine eigene Meinung dazu bilden möchte, möge seine Worte dort nachlesen. Vom Schmerz der getrennten Christen und dem Gebet um die Einheit der Kirche ist nicht die Rede, stattdessen von der Fruchtbarkeit der vielen Kirchen und Gemeinschaften, als ob der Herr ein ganzes Spektrum an bunter Kirchlichkeit gestiftet und begrüßt hätte: „Jesus wollte ein neues Israel stiften, das von Liebe und Versöhnung geprägt ist. Was die Zukunft nach seinem Tod und seiner Auferstehung betraf, ließ er der strukturellen Entwicklung freien Raum in der Kraft des Heiligen Geistes. So sind verschiedene Kirchen und Gemeinschaften entstanden. … Gottes Treue, in Jesus Christus sichtbar, stärkt und hält uns im Auf und Ab des Lebens. Im Vertrauen auf ihn verstehen wir Verschiedenheit als Bereicherung!“ Darüber ließe sich theologisch kontrovers diskutieren. In jedem Fall können einfach gläubige, ganz normale Katholiken daran erinnern, wozu sie sich im Credo der Kirche Sonntag für Sonntag bekennen: „Ich glaube an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche.“

Ich frage mich: Woran glauben wir eigentlich heute? An alles Mögliche? Was unterscheidet uns von den netten, sympathischen und gutwilligen Menschen von nebenan, die auch ihr Leben mit mancherlei Beschwerden meistern, ohne dass sie sich zu Jesus Christus und Seiner Kirche bekennen? Ein Beispiel geben könnten uns unsere Vorbilder – die Heiligen. In ihnen bleibt die „Lichtspur des Glaubens“ (Benedikt XVI.) gegenwärtig. Sie sind unsere Weggefährten, in Zeit und Ewigkeit. Die Heiligen standen in den Nachfolge Christi. Sie folgten keiner zeitgeistlichen Mehrheitsmeinung, sondern dem Herrn und Seiner Kirche. Sie wollten die Kirche nicht ideenreich reformieren und damit säkularisieren, sondern sich von der Kirche formen lassen. Die Heiligen wollten nur einem Herrn dienen: Jesus Christus. Möchten wir das nicht auch? Wir wollen uns kein neues Credo, sondern immer tiefer in das Credo der Kirche hineinwachsen. So formuliert es Pater Engelbert Recktenwald in seiner unbedingt hörenswerten Betrachtung: „Wir wollen dienen!“ Der Apostel Paulus beschreibt im Brief an die Römer 14,8 den Weg in der Nachfolge Jesu: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.“

Dr. Thorsten Paprotny lehrte von 1998-2010 am Philosophischen Seminar und von 2010 bis 2017 am Institut für Theologie und Religionswissenschaft der Leibniz Universität Hannover. Er publizierte 2018 den Band „Theologisch denken mit Benedikt XVI.“ im Verlag Traugott Bautz und arbeitet an einer Studie zum Verhältnis von Systematischer Theologie und Exegese im Werk von Joseph Ratzinger / Benedikt XVI.

kath.net-Buchtipp
Theologisch denken mit Benedikt XVI.
Von Thorsten Paprotny
Taschenbuch, 112 Seiten
2018 Bautz
ISBN 978-3-95948-336-0
Preis 15.50 EUR

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Petrus-Statue auf dem Petersplatz/bearbeitet




Bild (c) kath.net/Lorleberg

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