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Vor 25 Jahren erschien das erste private Buch eines Papstes

18. Oktober 2019 in Buchtipp, keine Lesermeinung
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"Die Schwelle der Hoffnung überschreiten" von Johannes Paul II. wurde in 50 Sprachen übersetzt und mehr als 20 Millionen Mal verkauft - Der Bestseller hatte eine ungewöhnliche Vorgeschichte - Von Johannes Schidelko


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Päpste erlassen Enzykliken, verfassen Dekrete und apostolische Schreiben, Predigten und Lehrschreiben. Dass sie darüber hinaus auch private Bücher schreiben und sogar Interviews gewähren, ist noch relativ neu. Franziskus hat inzwischen mehr als ein Dutzend großer Presseinterviews gegeben, Benedikt XVI. verfasste ein dreiteiliges Werk über Jesus von Nazareth und veröffentlichte mehrere Interview-Bücher. Den Anfang machte aber schon Johannes Paul II.: Vor 25 Jahren, am 20. Oktober 1994, erschien sein Buch "Die Schwelle der Hoffnung überschreiten". Das Werk wurde ein Bestseller, in über 50 Sprachen übersetzt und mit mehr als 20 Millionen Exemplaren verkauft.

Das 250-seitige Buch war eine Premiere - mit einer ungewöhnlichen Vorgeschichte. Geplant war es als Fernseh-Interview, das aber nie zustande kam. Johannes Paul II. hatte der italienischen RAI zum 15. Pontifikatsjubiläum 1993 ein Gespräch zugesagt. Als Interviewer stand der katholische Publizist Vittorio Messori bereit, der schon neun Jahre zuvor ein vielbeachtetes Interviewbuch mit Joseph Ratzinger "Zur Lage des Glaubens" publiziert hatte.


Die TV-Premiere scheiterte am dichten Programm des Papstes. Jedoch fand Johannes Paul II. offensichtlich Interesse an den 20 schriftlich vorgelegten Fragen - und beantwortete sie, schriftlich. Ein halbes Jahr später übergab der damalige Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls dem überraschten Messori einen dicken Briefumschlag mit dem Manuskript des Papstes - zur freien Verfügung.

Werk mit autobiografischen Zügen

So ungewöhnlich wie die Vorgeschichte waren auch Zuschnitt und Inhalt des Interview-Buches, das weniger einem Gespräch glich als einer Serie von Reflexionen und Abhandlungen zu gegebenen Stichworten. Es ist ein theologisches, ein philosophisches Werk, mit vielen autobiografischen Zügen. Messori verzichtete auf klassische Journalistenfragen, auf kirchliche oder politische Tagesaktualität, auf heiße Eisen von Zölibat bis Sexualmoral.

Vielmehr stellte er dem Papst Grundfragen des christlichen Glaubens. Johannes Paul II. sprach über Gebet und Gottesbeweise, über christliche Hoffnung, menschliche Würde und ewiges Leben. Er hob die Vernünftigkeit des Glaubens und seine erlösende Perspektive hervor, verband eigene Erfahrungen mit Ermahnungen und theologischen Spekulationen. Das Buch zeigte einen Papst, der die Sorge um den Menschen im Mittelpunkt seines Lehramtes stellt. Der auf die tiefsten Ängste der Menschen in der heutigen Zeit eingeht, auf die er mit seinem am Wahltag formulierten Motto antwortet: "Fürchtet euch nicht".

Da es kein lehramtliches Schreiben war, sollte das Buch nicht im Vatikan erscheinen. Der Mailänder Mondadori-Verlag erhielt den Zuschlag, nahm die Veröffentlichungen in die Hand, die deutsche Ausgabe erschien bei Hoffmann und Campe. Präsentiert wurde das Buch in einem Mailänder Krankenhaus, exakt ein Jahr nach dem geplanten TV-Termin - vom damaligen Kardinalpräfekten Joseph Ratzinger. Da im Vatikan gerade eine Weltbischofssynode (über das Ordensleben) das mediale Interesse anzog, hielt sich die Aufmerksamkeit in Grenzen.

Fehler in deutscher Übersetzung

Für einige Verwirrung und Verstimmung sorgte unterdessen die deutsche Fassung des Papst-Buches, die der Verlag einer per Zeitungs-Annonce gefundenen Übersetzerin übergeben hatte. Das Staatssekretariat konnte nach eigenen Angaben den Text nicht mehr, wie geplant, abschließend überprüfen. Er enthielt etliche Fehler und Ungenauigkeiten. So wurde der feststehende Begriff "Leib Christi" durchgehend mit "Körper Christi" wiedergegeben.

Es blieb freilich nicht das einzige private Buch des polnischen Papstes. In zwei Veröffentlichungen ("Geschenk und Mysterium", und "Auf, lasst uns gehen!") legte er Erinnerungen aus seiner Zeit als junger Priester sowie als junger Bischof vor. Im Jahr 2003 erschien eine Gedichtsammlung "Römisches Tryptichon". Und zu Jahresbeginn 2005, kurz vor seinem Tod, kamen unter dem Titel "Erinnerung und Identität. Gespräche an der Schwelle zwischen den Jahrtausenden" heraus. Grundlage waren Unterredungen mit zwei polnischen Philosophen im Jahr 1993, in denen es um "die Koexistenz von Gut und Böse", um "Freiheit und Verantwortung", um den Begriff "Vaterland" aber auch um "Europa", um Staat-Kirche-Beziehungen sowie und Chancen und Risiken der Demokratie ging.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich
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