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| ![]() "Eine Kirche, die man nicht mehr braucht"8. Oktober 2019 in Kommentar, 21 Lesermeinungen "Die augenblickliche Krise der Kirche ist fundamental, größer als die arianische Erschütterung im 4. Jahrhundert." Gastkommentar des Pastoraltheologen Hubert Windisch Linz (kath.net) Eine schwammige und vieldeutige Kirche aber ist den Menschen über kurz oder lang egal. Wer will es ihnen verdenken? Thomas Rietzschel kommt bei der kritischen Analyse der Kirchenaustrittszahlen aus dem Jahre 2018 (Kirchenaustritte: Rette sich, wer noch kann!, in: die achse des guten vom 21. Juli 2019) zu der schmerzhaft nüchternen Feststellung: Was um alles in der Welt und im Himmel sollten sie (die Menschen) auch auf Institutionen geben, deren Vertreter das Kreuz ablegen, bevor sie den Tempelberg in Jerusalem betreten. Warum sollte diesen Schlawinern noch vertrauen, wer es ernst meint mit dem christlichen Glauben? Die Institutionen (sprich: Kirchen) verfaulen vom Kopf her. Daß dieser Fäulnisprozeß nicht richtig behandelt werden kann, liegt daran, daß laut Kardinal Burke und Weihbischof Schneider (vgl. kath.net vom 30. September 2019: Wir sind wahre Freunde von Papst Franziskus) denjenigen, die sich besorgt über diesen Zustand äußern, in einer Atmosphäre fast totaler Unfehlbarkeit päpstlicher Erklärungen vielfach mit den Mitteln sentimentaler Beweisgründe oder solchen der Macht begegnet wird. Ehrliche und respektvolle Äußerungen von Besorgnis wegen Angelegenheiten von hoher theologischer und seelsorglicher Bedeutung im Leben der heutigen Kirche auch an die Adresse des Papstes werden sofort unterdrückt, in ein negatives Licht gerückt und mit verleumderischen Vorwürfen überschüttet: Es würden Zweifel gesät, man sei gegen den Papst oder gar schismatisch. * Um die augenblicklichen kirchenzerstörerischen Umtriebe in der kirchlichen Hierarchie und ihrer Theologie, wie sie sich z. B. in Erwartungen und Stellungnahmen zur Amazonassynode und zum sog. Synodalen Weg der Kirche in Deutschland zeigen, besser verstehen und einordnen zu können, muß man weiter ausgreifen und die kirchliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte betrachten, wie es in bezug auf den Verfall der kirchlichen Sexualmoral erst kürzlich Papst em. Benedikt XVI. in seinem Schreiben Die Kirche und der Skandal des sexuellen Mißbrauchs im Klerusblatt vom April 2019 getan hat. * Es wird immer wieder kolportiert, Johannes XXIII. habe mit der Einberufung des * Vor dem Hintergrund des erschütternden Viganó-Berichts schreibt Hedwig von Beverfoerde (vgl. Der Rauch Satans, in: Die Tagespost vom 28. 8. 2018) desillusioniert und kirchlich tief enttäuscht sogar: Die Fassade der nachkonziliaren Kirche ist zusammengebrochen. Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als wolle man in manchen Teilen der Hierarchie partout diesen Zusammenbruch schönreden und als kirchlich notwendigen Aufbruch verkaufen, anstatt durch Umkehr zum heiligen Anfang (so wörtlich: hierarchä) die Kirche zu erneuern. So gleichen Bischöfe bisweilen eher dem Chef einer Abbruchsfirma als einem Stellvertreter der Apostel, der Lehrer des Glaubens, Priester des heiligen Gottesdienstes und Diener in der Leitung sein soll (vgl. CIC c. 375 § 1). Verwundert und besorgt fragt man sich angesichts mancher Initiativen und Äußerungen, was Papst, Kardinäle, Bischöfe und Theologen eigentlich umtreibt, das Katholische der Kirche zur Disposition zu stellen. * Eine nicht unwesentliche Rolle bei den derzeitigen kirchlichen Auswüchsen, die einen Verlust des kerygmatischen Kirchenbewußtseins offenbaren, spielt die eng mit Karl Rahner und seinem Schrifttum verbundene sog. anthropologische Wende in der Theologie seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. In ihrem Gefälle kam die Tradition immer öfter auf die Anklagebank, denn das Neue als Neues hatte den Vorrang. Die Kirche hat sich seitdem mit ihrer Botschaft verstärkt vor der Welt bzw. den jeweiligen Zeitläuften zu rechtfertigen, anstatt ihrem Auftrag nachzukommen, die Welt bzw. die jeweiligen Zeitläufte vor die Rechtfertigung Gottes in Jesus Christus zu bringen. Das Extra nos unseres Heiles wurde zunehmend in ein Intra nos aufgelöst (ganz deutlich bei Eugen Drewermann), was nach Fulbert Steffensky letztlich einer Verhaustierung Gottes gleichkommt. So aber wird die Kirche in ihren Grundvollzügen Martyria/Leiturgia/Diakonia flach und banal. Das traurige Ergebnis dieser Entwicklung gipfelt in der bedrückenden Erkenntnis, die viele Kirchenleute, die sich in ihrer ideologischen Blase eingerichtet haben, nicht haben können oder haben wollen, daß man die Kirche in der Welt von heute als eine Größe will, die man nicht mehr braucht. * Den vielen kritischen und mahnenden Worten und Analysen von Kardinälen, Bischöfen und Theologen müssen Taten folgen. Denn die Spaltung der Kirche ist nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern teilweise schon weltweit wirksam. Der Zustand der Kirche ist besorgniserregend. Sie ist der Leib Christi und darf nicht weiter Schaden nehmen. Glaubenstreue Hirten sind gefordert einzuschreiten. Der Herr bedarf ihrer (vgl. Lk 19,31.34). Prof. Dr. Hubert Windisch ist emeritierter Professor für Pastoraltheologie der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg. Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal! ![]() LesermeinungenUm selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen. Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. | ![]() Mehr zuTheologie
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