29 September 2019, 11:55
"Zweideutige Redeweisen wie 'Wir brauchen eine neue Kirche'"
 
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"Bischöfe und Päpste haben keinen direkten Draht zum Heiligen Geist, der ihnen neben dem Zeugnis von Schrift und Tradition eine neue Form des Christentums offenbart." Von Gerhard Kardinal Müller

Vatikan (kath.net) Kardinal Müller hielt diesen Vortrag „Voraussetzungen für den Empfang des Weihesakraments“ beim „Schülerkreis und Neuer Schülerkreis Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI.“. kath.net dankt S.E. für die freundliche Erlaubnis zur Veröffentlichung:

Das II. Vatikanische Konzil hat im "Dekret über Dienst und Leben der Priester" (7.12. 1965) "auf die große Würde des Priesterstandes in der Kirche hingewiesen" (PO 1). Gerade den Bischöfen, Presbytern (=Priestern) und Diakonen komme eine höchst bedeutsame Rolle zu für die "Erneuerung der Kirche Christi" in unserer Zeit.

Denn die Kirche ist kein menschliches Unternehmen oder ein internationaler Konzern, keine Lobby für partikulare Interessen oder ein Geheimzirkel wie die Freimaurerei, die die Kirche als göttliche Stiftung bekämpft und ihr doch eine Nische zuweist in ihrem vom Menschenhand errichteten Tempel des "Humanismus ohne Gott" (Henri de Lubac). Sie ist vielmehr "in Christus das universale Sakrament des Heils der Welt, Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit." (LG 1; 45; GS 48). Nur der ewige Sohn des Vaters, das Fleisch gewordenen WORT, der Christus präsens in seiner Kirche, ist Grund, Inhalt und Kriterium des Glaubens, der uns rechtfertigt und heilig macht. Christlicher Glaube hat nichts zu tun mit einer heidnischen Gottheit, die sich kundgibt in Mythen und Utopien oder in der Dynamik historischer Ereignisse oder den von Menschen angestoßenen Prozessen, im Blut der Rasse, im Volksgeist oder in unmoralischen Lebenswirklichkeiten.

Das Wort Gottes in der Heiligen Schrift und der Apostolischen Tradition ist der einzige und wahre Locus theologicus, während dem Lehramt nur eine interpretative Funktion zukommt. "Und das WORT ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit." ( Joh 1, 14).

Es ist nur ein wiederauflebendes Heidentum, das schon Papst Pius XI. in seiner Enzyklika "Mit brennender Sorge" (Palmsonntag, 14. März 1937) gegen die nationalsozialistische Verfälschung des christlichen Offenbarungsbegriffes mit aller Klarheit und Schärfe zurückwies, welches neben die Fülle der Offenbarung in Jesus Christus weitere angebliche Offenbarungen Gottes entweder in den dynamischen Prozessen des Volksbewusstseins oder und in den Lebenswirklichkeiten vermutet oder anerkennt, auch wenn diese dem immer und unter allen Umständen verpflichtenden Willen Gottes im Naturrecht und dem Neuen Weg in der Nachfolge Christi widersprechen. (Vgl. Die Enzyklika "Veritatis splendor" des hl. Papstes Johannes Paul II.).

"Der im Evangelium Jesu Christi erreichte Höhepunkt der Offenbarung ist endgültig, ist verpflichtend für immer. Diese Offenbarung kennt keine Nachträge durch Menschenhand, kennt erst recht keinen Ersatz und keine Ablösung durch die willkürlichen 'Offenbarungen', die gewisse Wortführer der Gegenwart aus dem sogenannten Mythos von Blut und Boden herleiten wollen."

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Dies gilt für alle altheidnischen Mythen aber auch die neuheidnischen Mythen des liberalistischen Kapitalismus, sozialistischen Marxismus und der narzisstischen Homo- und Genderideologie, die alle in der Reduktion des Menschen auf bloße Materie wurzeln. Sie sind hoffnungslos Gott-los und damit radikal Menschen-feindlich.

Wenn der sog. synodale Prozess in Deutschland oder die Amazonien-Synode nicht im Desaster einer weiteren Verwirrung und Verweltlichung der Kirche enden sollen, müssen sich ihre Protagonisten die Feststellung Papst Pius' XI. in ihr Regiebuch schreiben lassen: "Jede wahre und dauernde Reform ging letzten Endes vom Heiligtum aus; von Menschen, die von der Liebe zu Gott und dem Nächsten entflammt und getrieben waren. Aus ihrer großmütigen Bereitschaft heraus, auf jeden Ruf Gottes zu hören und ihn in sich selbst zu verwirklichen, sind sie in Demut und mit der Selbstsicherheit von Berufenen zu Leuchten und Erneuerern ihrer Zeit herangewachsen. Wo der Reformeifer nicht aus dem reinen Schoß persönlicher Lauterkeit geboren wurde, ...ist er nicht selten der Ausgangspunkt für Irrwege gewesen, die verhängnisvoller waren als die Schäden, die man zu bessern beabsichtige oder vorgab... Aber Er, der die Kirche gegründet und sie im Pfingststurm ins Dasein gerufen hat, ER sprengt nicht das Grundgefüge der von IHM selbst gewollten Heilsstiftung."

Das ist eben die hierarchische, d.h. sakramental verfasste Kirche des drei-einigen Gottes, wie sie im 3. Kapitel von Lumen gentium dargestellt wird (LG 18-29). Sie hat ihre Grundlage in der geschichtlichen Offenbarung als Selbstmitteilung Gottes in Jesus Christus und im Heiligen Geist, wie das II. Vatikanum es darstellt in Dei verbum (DV 1-10). Dem Lehramt der Bischöfe und des Papstes ist nur die treue und vollständige Auslegung des geschriebenen und überlieferten Wortes Gottes anvertraut. "Es dient dem Wort Gottes, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist...und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft." (DV 10).

Bischöfe und Päpste haben keinen direkten Draht zum Heiligen Geist, der ihnen neben dem Zeugnis von Schrift und Tradition eine neue Form des Christentums offenbart, in dem Christus auf eine historische Vorstufe des heute geltenden Paradigmas zurückfallen müsste. Jede zweideutige Redeweise (wie z. B. "wir brauchen eine neue Kirche" oder "die Kirche muss sich bekehren") verrät "die vielen falschen Propheten, deren Geist nicht aus Gott ist" (1 Joh 4,1). Denn Christus baut Seine Kirche auf Petrus und nicht Petrus seine Kirche auf einen Jesus, wie ihn die Leute sich vorstellen und wünschen und die wissen, was er sagen würde, wenn er heute leben würde. (Mt 16,18).

Aber nur weil sie die Kirche Christi ist, wird sie von den Pforten der Unterwelt (Apostasie, Häresie und Schisma) nicht überwältigt. Bei aller Bedeutung des unfehlbaren Lehramtes des Papstes und der Bischöfe, die für den katholischen Glauben konstitutiv ist, erinnert das II. Vatikanum gegen jeden Lehramtspositivismus daran: "Eine eine neue öffentliche Offenbarung als Teil der göttlichen Glaubenshinterlage ( fidei depositum) empfangen sie jedoch nicht." (LG 25). Es ist nur noch bestürzend, dass in manchen kirchlichen "Reformtexten" Gott, Christus, die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments entweder überhaupt nicht vorkommen oder das Evangelium unter dem Wust von sozio-psychologischer und pastoraler Betroffenheitsrhetorik zu ersticken droht.

Was das Amt der Apostel ist, das vom Bischof in seiner Fülle und von den Priestern und Diakonen in unterschiedlicher Teilhabe daran ausgeübt wird (LG 21; 28), kann nur im Licht der Sendung Jesu vom Vater zum Heil der Welt verstanden und erklärt werden. Es ist Anteil (kleros) von Menschen an der Sendung und Vollmacht Jesu, (LG 19-21), der nach der Auferstehung zu den Jüngern sagte: "Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch... Empfangt den Heiligen Geist. Denen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen..." (Joh 20,21ff). Als für Judas ein zwölfter Apostel nachgewählt werden musste, sagte Petrus: "sein Anteil (kleros) am Apostolat und Episkopat soll ein anderer erhalten. Dieser wurde dann aber durch den Heiligen Geist erwählt, während die Apostel das Los (kleros, sors) warfen und dann Matthias an seiner Stelle den Aposteln kooptierten (Apg 1,17. 20).

Daraus folgt, dass diese Repräsentanten und Verantwortungsträger der Kirche des dreifaltigen Gottes weder "von Menschen noch durch Menschen bestellt" werden- wie Paulus im Hinblick auf seine Berufung zum Apostelamt allein "durch Jesus Christus und durch Gott, den Vater" (Gal 1, 1) unterstreicht- noch sich wie die Funktionäre oder Aktionäre eines religiös-sozialen Konzerns betätigen können.

Das Amt des Bischofs, der Priester und Diakone wird durch die sakramentale Weihe von Gott übertragen und zwar nur denen, die von ihm selbst dazu berufen sind. So fasst das II. Vatikanum die gesamte katholische Glaubenslehre aufgrund von Schrift und Tradition zusammen: "Durch die Weihe und die vom Bischof empfangene Sendung werden die Presbyter zum Dienst für Christus, den Lehrer, Priester und König, bestellt. Sie nehmen teil an dessen Sendung, durch die die Kirche auf Erden ununterbrochen zum Volk Gottes, zum Leib Christi und zum Tempel des Heiligen Geistes auf erbaut wird." (PO 1).

Sie handeln nicht in eigener Machtvollkommenheit, nach privatem Gutdünken und gemäß den selbst ausgeklügelten Lehren und Ideologien von Gnosis bis Gender, vom Neomarxismus bis New Age. Bischöfe und Priester sind wie die Apostel hingegen ausschließlich "Diener Christi und Verwalter von Mysterien Gottes, von denen man nur verlangt, dass sie sich treu erweisen." (1 Kor 4,1f). Sie brauchen das Christentum nicht neu zu erfinden, indem sie sich selbst für klüger halten als Jesus selbst, der noch vom alten Weltbild begrenzt gewesen sei und dessen Lehren dringend der Anpassung an das aufgeklärte Denken seiner Jünger von heute bedürfte. Das ist seit 2000 Jahren nun wirklich neu, dass sich plötzlich Jünger über den Meister erheben (Mt 10, 24). Paulus schreibt Timotheus und damit allen katholischen Bischöfen nach ihm ins Stammbuch: "Wenn einer etwas anders lehrt und sich nicht an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn hält und an die Lehre, die unserer Frömmigkeit entspricht, der ist verblendet." (1 Tim 5,3)

Paulus, der im Verständnis und der Praxis seiner Vollmacht und Sendung Vorbild für jeden Bischof und Priester sein muss, fragt sich und uns: "Geht es mir denn um die Zustimmung der Menschen oder geht es mir um Gott?" Und er gibt uns die normative Antwort: "Wollte ich noch den Menschen gefallen, dann wäre ich kein Diener Christi." ( Gal 1,10).

Die entscheidenden Kriterien, die ein Bischof für die Weihe eines Kandidaten zum Bischof, Priester oder Diakon anwenden muss, sind also theologischer und nicht soziologischer oder psychologischer Natur. Soziologie und Psychologie sind für die Theologie nur empirische Wissenschaften -aber in Unterscheidung von ihrem Entstehungshintergrund im Atheismus eines Auguste Comte (1798-1857) und Agnostizismus Sigmund Freuds (1856-1939). Die Ergebnisse aller empirischen Wissenschaften, und auch der Philosophie, können nicht die Selbstoffenbarung Gottes in seinem Wort und die Erkenntnis seines Willens im Sein der Welt und in der Natur der Schöpfungsrealitäten in Frage stellen oder umdefinieren. Denn sonst würde der Mensch von einem Hörer des Wortes und Empfänger der Gnade zum Produzenten einer Selbsterlösungsideologie mutieren, die zwangsläufig in der Herrschaft von Menschen über Menschen und in der Verwüstung der Erde schon geendet ist und immer wieder enden wird.

So wie der Mensch generell von seinem Schöpfer nicht das Sein und Leben beanspruchen oder vor ihm sich nicht selber rechtfertigen kann, weil er IHM alles -Leben und Gnade- verdankt, so kann er auch nicht speziell das Apostelamt -und die daraus sich ergebenden Dienstämter des Bischofs, des Priesters und Diakons- zum Gegenstand eines Anspruchs gegenüber Gott oder zu einer Forderung an die Kirche und deren Lehramt machen.

Bei der Berufung der Zwölf zu den Aposteln Christi (und auch der Berufung der 72 Jünger zu Missionaren des Evangeliums und des Reiches Gottes) heißt es, dass Jesus- in dem er seine göttliche Vollmacht zeigt- "auf einen Berg stieg und symbolisch "von oben her" aus dem großen Kreis seiner Jünger namentlich "diejenigen zu sich berief, "die ER selbst wollte" (Mk 3,13). Sie antworten frei auf diesen Ruf und kommen zu ihm. "Er setzte zwölf ein, damit sie mit ihm seien und damit er sie aussende, zu verkünden und mit Vollmacht die Dämonen auszutreiben. " (Mk 3,14f).

Nach der Auferstehung ist dies die Sendung und Vollmacht zur Verkündigung des Wortes und zur Spendung der Sakramente (mit Sündenvergebung und Gnadenvermittlung). Die universale Versöhnung der Menschheit mit Gott in Christus wird gegenwärtig zu jeder Zeit im "Dienst der Versöhnung", der den Aposteln übertragen ist und der von ihren legitimen Nachfolgern ausgeübt wird, so dass sie wissen, was sie sind: "Wir sind also Gesandte an Christi Statt und Gott ist es, der durch uns mahnt." (2 Kor 5,20). Das ist der biblische Grund der wesentlichen Sendung des Priesters: in persona Christi, capitis ecclesiae, agere (PO 2). Dieser "herrliche Dienst des Neuen Bundes und der Gerechtigkeit" kann nicht aus eigener Vollkommenheit, angeborener und erworbener Intelligenz, aus dem Führungsanspruch von "Alpha-Tieren" und dem Präpotenzgefühl ego-manischer Karrieristen ausgeübt werden, sondern nur von denen, die von Gott dazu berufen, erwählt, befähigt und gesendet sind. Denn nach dem Vorbild des hl. Paulus muss ein Bischof und Priester jeden Tag sich klar darüber werden: "Wir sind nicht von uns aus dazu fähig, als ob wir uns selbst etwas zuschreiben könnten; unsere Befähigung stammt vielmehr von Gott. ER hat uns fähig gemacht, Diener des Neuen Bundes zu sein, nicht des Buchstabens, sondern des Geistes." (2 Kor 3, 5f).

Erfolgte ursprünglich die Berufung und Bevollmächtigung der Apostel unmittelbar durch den historischen Christus und den auferstandenen Herrn, so vollzieht sich nachösterlich in der spät- und nachapostolischen Zeit die Bestellung der "Diener Christi und Verwalter von Geheimnissen Gottes" (1 Kor 4,1) als "Mitarbeiter Gottes" (2 Kor 6,1) für die einzelnen -nun entstehenden- Ortskirchen durch denselben Christus, aber jetzt im Sakrament der Weihe, d.h. im Zeichen von "Handauflegung und Gebet" (Apg 6, 6; 14, 23; 1 Tim 4, 14; 5, 22; 2 Tim 1,6). Bevor die Apostel den "Dienst an den Tischen" übertrugen, sollten "die Brüder aus ihrer Mitte Männer wählen von guten Ruf und voll Geist und Wahrheit." (Apg 6,3).

In seiner Abschiedsrede an die "Presbyter-Bischöfe" der Kirche von Ephesus, die sich um ihn in Milet versammelt hatten, mahnt sie der Apostel: "Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der Heilige Geist zu Bischöfen bestellt hat, damit ihr als Hirten für die Kirche des Herrn sorgt, die er sich durch das Blut seines eigenen Sohnes erworben hat." (Apg 20, 28). Es gilt für alle wie für ihn, "das eigene Leben nicht wichtig zu nehmen, wenn nur der Dienst am Evangelium von der Gnade Gottes erfüllt wird. (Apg 20, 24). Der wahre Diener Christi nimmt darum alle Strapazen des apostolischen Dienstes auf sich. In der Nachfolge Christi erträgt er Schmähung und Verfolgung durch die "reißenden Wölfe, die auch aus den eigenen Reihen kommen, und die die Herde Gottes bedrohen." (Apg 20, 29).

Die Presbyter sollen im Dienst des "obersten Hirten" (1 Petr 5, 4), "des Hirten und Bischofs eurer Seelen" (1 Petr 2, 25) -wie Christus ausdrücklich im Ersten Petrusbrief genannt wird- die ihnen anvertraute Herde Gottes weiden, "nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie Gott es will; auch nicht aus Gewinnsucht, sondern mit Hingabe." (1 Petr 5, 2). Und wie schon Jesus die Jünger gemahnt hat, sich nicht am Machtgehaben und der Prachtentfaltung der weltlichen Herrscher zu orientieren, sondern am Menschensohn, der gekommen ist, um zu dienen (Mk 10 43ff) und an IHM, dem guten Hirten, der sein Leben hingibt für die Schafe (Joh 10,11), so sollen die Presbyter wie ihr Mit-Presbyter, der Apostel Petrus, (1 Petr 5,1) "Vorbilder für die Herde und nicht ihre Beherrscher" (1 Petr 5,3) sein. In der Tat sind die "Vorsteher der Kirche" im Bischofs- und Priesteramt Vorbilder der Gläubigen durch ihren Lebenswandel, die Festigkeit und Stärke ihres Glaubens, die sie nachahmen sollen (Hebr 13, 7). Und den Gläubigen wird für ihr Verhalten zu ihren Hirten nahegelegt: "Gehorcht euren Vorstehern und ordnet euch ihnen unter, denn sie wachen (wie Hirten) über eure Seelen und müssen Rechenschaft darüber ablegen; sie sollen das mit Freude tun, nicht mit Seufzen, denn das wäre zu eurem Schaden." (Hebr 13,17).

In den drei Pastoralbriefen finden wir schon einen Kriterienkatalog, den der Bischof bei der Weihe der Bischöfe und Presbyter beachten muss. In den beiden Mit-Aposteln des Paulus und seinen Nachfolgern Timotheus und Titus haben wir das Idealbild des Bischofs vor uns. Immer und unter allen Umständen gilt die Mahnung des Apostels: "Leg keinem vorschnell die Hände auf und mach dich nicht mitschuldig an fremden Sünden." (1 Tim 5,22). Der Bischof hat auch die Disziplinaraufsicht über die Priester. Aber er weiß auch, dass die Vorsteher der Kirche "doppelte Anerkennung verdienen, die sich mit ganzer Kraft dem Wort und der Lehre widmen." (1 Tim 5,17).

Die Voraussetzungen für die Weihe sind einerseits positive natürliche Charaktereigenschaften wie Besonnenheit, Gastfreundlichkeit, die Fähigkeit zu lehren, wie andererseits auch der Ausschluss negativen Verhaltens, wie Unbeherrschtheit im Triebleben des Essens und Trinkens, die Sucht nach Genuss und irdischem Reichtum, die zu Gewalttätigkeit, Geldgier und Habsucht führen (vgl. 1 Tim 3, 1-7). Der Priester muss nach innen und außen den Ruf eines untadeligen Lebens verbreiten. All das zeichnet das christliche Leben aus. Die Hirten müssen einerseits die Tugenden üben und anderseits die Laster meiden, indem sie die Nachfolge Christi vorbildlich-idealtypisch leben, als Typoi der Herde- forma facti gregis ex animo (1 Petr 5,3).

Wenn Bischof und Priester in Namen Jesu Diener des Wortes (des Logos) sind wie die Apostel (Lk 1, 2; 1 Tim 5, 17) ist die wichtigste Voraussetzung ihres Dienstamtes das Verspechen, das sie -bei der Weihe- vor Gott und der ganzen Kirche ablegen, den katholischen Glauben treu zu bewahren. So sagte Paulus zu Titus: Der Bischof muss ein Mann sein "einer, der sich an das zuverlässige Wort (den Logos) hält, das der Lehre (d.h. der Apostel und der Kirche) entspricht, damit er in der Lage ist, in der gesunden Lehre (sana doctrina) zu unterweisen und die Widersprechenden zu überführen." (Tit 1, 9; vgl. 2 Tim 2,2).

Es gibt zwar noch nicht (kirchenrechtlich) den Ehelosigkeitszölibat, aber vom künftigen Priester wird verlangt, dass er ein Mann ist, der nur einmal verheiratet war und folglich nach dem Tod der Ehefrau nicht wieder heiratet. Er muss seinem eigenen Haus gut vorstehen, denn nur eine solche Person ist geeignet für die "Kirche Gottes zu sorgen" (1 Tim 3,5). Der Bischof muss wissen, "wie er sich im Haus Gottes verhalten muss (1 Tim 3,5), ... welches die Kirche des lebendigen Gottes ist, Säule und Fundament der Wahrheit." (1 Tim 3, 15).

Aber das geistliche Amt -in den Stufen von Bischof, Priester und Diakon- ist nicht nur eine Last und eine schwere Verantwortung, die jeden Menschen überfordert. Der Eifer für das Haus des Herrn, der jeden Apostel wie Jesus selbst, der Hohenpriester des Neuen Bundes, verzehren soll, bringt auch die Freude innerster Gemeinschaft mit Christus, mit dem er kraft des Prägemals kon-figuiert wurde (PO 2). "Denn, wer seinen Dienst gut versieht, erlangt einen hohen Rang und große Zuversicht im Glauben an Christus Jesus." (1 Tim 3,13).

Gefragt nach den Voraussetzungen für den Empfang der Weihe muss man die Beziehung von Natur und Gnade ins Spiel bringen. Der Priesteramtskandidat muss ein psychisch gesunder, tugendhafter Mann sein und ein überzeugter Jünger Christi, der von sich sagen kann: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Was sich nun im Fleisch lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich dahingegeben hat."" (Gal 2, 20). Er verkündet aber nicht sich selbst in seinen religiösen Erlebnissen und darf nicht meinen, er sei berufen, nach seinen Träumen, Visionen und Utopien den ihm anvertrauten Gläubigen die Welt und die Kirche erklären zu sollen. Die Gläubigen sind ihm nur zum religiösen Gehorsam verpflichtet, wenn er sich "an die gesunden Worte Jesu Christi, unseres Herrn, hält und an die Lehre, die unserer Frömmigkeit entspricht" ( 1Tim 6, 3) - das depositum fidei (1 Tim 6, 20). Er muss mutig und fähig sein, "gelegen oder ungelegen das Wort zu verkünden, auch wenn die Zeit gekommen ist, da man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach den eigenen Begierden Lehrer sucht." (2 Tim 4, 3).

Er wird auf den Ruf Christi in seinem Herzen hören und ihm freudig folgen, indem er aber- weil die Bestellung zum Bischofs- und Priesteramt durch ein Sakrament der Kirche übertragen wird- sich auch bereitwillig der Prüfung durch die kirchliche Autorität unterstellt. Diese muss freilich nach den von Christus und den Aposteln vorgegebenen Kriterien die Entscheidung fällen und darf nicht ihre geistliche Vollmacht nach der Art irdischer Machtausübung missbrauchen oder die Priesteramtskandidaten an den Werten des linksliberalen Mainstreams messen und vor den Boulevard-Medien einknicken. Es ist legitim, "nach dem geistlichen Amt zu streben, denn es ist eine gute und große Aufgabe." ( 1 Tim 3,1).

So sehr die natürlichen Voraussetzungen einer humanen und ethischen Persönlichkeitsbildung gegeben sein müssen wie auch der Glaube an Gottes Wort und die Liebe zu Christus im Heiligen Geist aufgrund der christlichen Initiationssakramente, so wird das geistliche Amt doch durch ein eigenes Sakrament übertragen. "Dieses zeichnet die Priester durch die Salbung des Heiligen Geistes mit einem besonderen Prägemal aus und macht sie Christus gleichförmig, so dass sie in der Person des Hauptes Christus handeln können. " (PO 2). Paulus ruft dem Timotheus daher ins Gedächtnis: "Entfache die Gnade Gottes wieder, die dir durch die Auflegung meiner Hände zuteil geworden ist. Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit." (2 Tim 6f.).

Grund und Quelle des geistlichen Amtes liegt in der Berufung durch Gott. Die Teilhabe an Sendung und Vollmacht Christi und die Verleihung des Heiligen Geistes ereignet sich vermittels des Wirkens Gottes im Sakrament der Weihe, das der Bischof durch die Handauflegung und die Konsekrationsworte vollzieht.

Nach dem Willen und der Verfügung Gottes, wie sie die Kirche in ihrer Tradition unter der Führung des Lehramtes erkannt hat, kann das Weihsakrament gültig nur ein getaufter Mann empfangen.

Aber um es würdig auszuüben, bedarf es der charakterlichen Reifung, einer christlichen Lebensführung, einer gründlichen theologischen Bildung der künftigen Diener des Logos, des Fleisch gewordenen Wortes, und einer Spiritualität als ein Leben im Heiligen Geist der Wahrheit und der Liebe. Es ist der Geist, der die Jünger erinnert an das Wort der Schrift, als Jesus den Tempel seiner wahren Bestimmung zurückgab, der Ort zu sein der Danksagung an Gott, der Hingabe seines Lebens als Opfer und der Kommunion mit ihm in der Liebe.

"Der Eifer für dein Haus verzehrt mich." ( Joh 2,17).

In wem diese Flamme brennt, der ist ein Priester nach dem Herzen Jesu, aus dem -von der Lanze zerstochen- Blut und Wasser hervor geflossen sind (Joh 19, 34): Jesus Christus - das Heil der Welt

Archivfoto Kardinal Müller




Archivfoto (c) Bistum Regensburg

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