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Mein Odysseus kommt nie wirklich an

20. September 2019 in Kommentar, 2 Lesermeinungen
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Raus aus dem Meer der schicksalshaften Ziellosigkeit, hinein in den Strom von Gottes Liebe. BeneDicta von Petra Knapp-Biermeier.


Linz (kath.net) Bloom where you are planted. Blühe dort, wo du hingepflanzt bist. Etwas verstaubt ist sie schon, die Lichtbox mit diesem Spruch, die auf dem hölzernen Regal in unserer Wohnküche steht. Es ist so weise, was da steht. Irgendwie sympathisch. Da stelle ich mir eine fliederfarbene Tulpe kurz vor dem Aufblühen vor, eine riesige Palme oder eine zerbrechliche Orchidee. Mmmmh. Blühen heißt, dass sich Schönheit zeigt, dass Tag für Tag etwas gewachsen ist, das endlich aufbricht.

Dieses day by day ist dann auch die große Herausforderung. Denn mein Weg zum „bloom“ spürt sich manchmal an, als säße ich in einem Ruderboot auf dem aufgepeitschten Meer. „Es geht auf und ab“, sage ich in so einem Moment zu einer Bekannten, die ich zufällig beim Einkaufen treffe. Sie nickt. Einer ihrer Söhne hat eine Autoimmunerkrankung, die Tochter erlitt kürzlich einen epileptischen Anfall.

Sie lächelt tapfer. „Wir wissen nie, was am nächsten Tag passiert.“ Es ist eine sehr tiefe Wahrheit in diesem Satz, und wäre da nicht Gott, in dem ich mich bergen kann, würde ich mich ausgeliefert fühlen wie Odysseus, auf einer Nussschale in Untiefen herumtreibend, und wenn er nach oben blickt, da kommen und gehen sie, wie sie wollen, dunkle, hässliche Wolkenfetzen, die Launen der Götter, die sein Schicksal in Händen halten.


Was für eine Vision kann einer entwickeln, der sich so ausgeliefert und ohnmächtig fühlt? Vielleicht macht mein Odysseus das Beste draus, genießt die Sonne, wenn sie scheint, erträgt den Sturm, wenn er kommt. Oder er wird apathisch, frustriert, rebellisch, ein Macher, erklärt sein Schiff zur Festung und nimmt den Kampf gegen Blitz und Donner auf. Vielleicht sagt er, dass alles, was ihm widerfährt, nur Schein ist, dass die einzige Wahrheit darin besteht – ja, worin?

Was auch immer mein einsamer Reisender da draußen tut: In einer sehr stillen Minute, wenn sogar die Götter schlafen, wird er sich fragen, was das denn nun wird. Wie um aller Welt bist du hier gelandet? Ist da jemand, der dich sicher nach Hause bringt? Der größer ist als du, deine Nussschale oder gar mächtiger ist als das Meer und diese unberechenbaren Gewalten?

Das Ausgeliefertsein ist einer der größten Schmerzen, die du in diesem Leben ertragen musst. Die drohenden Gestalten von Zeus, Minerva und Co. heißen heute Klimawandel, Weltkonzerne oder Umweltverschmutzung. Kein einzelner kann hier irgendwas in den Griff kriegen, außer vielleicht in den eigenen vier Wänden. Aber was hilft das schon. Denn es ja „Fünf Minuten nach Zwölf“, wie es landauf landab in unsere Gehirne hineingeschrieben wird.

Und die menschliche Antwort „Dann tun wir doch endlich etwas, damit ES besser wird…“, ist so verständlich wie wir Odysseus verstehen, der rudert und rudert, denn irgendwo muss es doch besser sein. Tatsächlich: Vielleicht ist es auf einer der netten Inseln besser, wo er strandet. Aber es treibt ihn um, diesen meinen Irrfahrer, der kann nämlich nicht bleiben, weil sein Herz so unruhig ist, bis er endlich, endlich…

Mein Odysseus kommt nie wirklich an. Mein Herz findet nur Ruhe in dem Einen, den meine Augen nicht erblicken können. Wo ist gerade dein Leck, deine Wunde, deine brennende Frage, die dich umtreibt, die dir in den Nächten den Schlaf raubt? Lenke es hin in den großen Fluss der Liebe des Schöpfers zu dir. Auch da gibt’s Wellen und Untiefen, aber da ist doch diese Hand, von der manche sagen, keiner tiefer fallen kann als in sie hinein.

Liefere dich dem Richtigen aus, nämlich dem, der dich geschaffen und immer schon gewollt hat! Dein Ja ist der Schlüssel für die Wiederherstellung deiner Identität: Du bist kein Zufallsprodukt, das auf einer Irrfahrt zwischen Klimakatastrophen und drohenden Kriegen unterwegs ist. Nimm Gottes Wahrheit über dich an und sprich sie täglich laut aus: Ich bin geborgen und sicher in Gott. Ich bin geliebt. Ich bin gewollt. Ich bin heil. Ich bin frei.

Bei Gott gibt es Grund und Boden, Anfang und Ende, Hoffnung und Ziel. Da gibt es einen, der Tag und Nacht wacht und wartet – dass du seinen Namen aussprichst, vielleicht fragend, vielleicht verzweifelt, hoffend, frustriert oder nur abgrundtief beschämt und traurig. Nichts ist ihm zu viel, kein Dreck stößt ihn ab. Er kann nicht anders als dich zu lieben, dich zu lieben, dich zu lieben. Und wie in einem wohligen Schaumbad löst er deine Verkrustungen, deinen Stolz, deinen Selbsthass, deine Scham, deine Schuld. Komm zu Ihm, und du wirst aufblühen!


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