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„Den Leidenden Trost spenden“

17. September 2019 in Weltkirche, keine Lesermeinung
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Augsburger Diözesanadministrator Meier: „Lange dämmerte das Thema Christenverfolgung unter der Decke des Verschweigens dahin. Endlich ist es gelungen, das Thema wieder ,aufzuwecken‛. Dafür danke ich ,Kirche in Not‛.“


München (kath.net/KIN) „Lange dämmerte das Thema Christenverfolgung unter der Decke des Verschweigens dahin. Endlich ist es gelungen, das Thema wieder ,aufzuwecken‛. Dafür danke ich ,Kirche in Not‛.“ Dieses Resümee zog Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier anlässlich des Solidaritätstags für verfolgte Christen, der am 15. September zum elften Mal in Augsburg stattfand.

Zum Informationsnachmittag im Haus St. Ulrich war der eritreische Priester Mussie Zerai angereist. Er informierte die rund achtzig Besucher über die Lage in seinem Heimatland. Es sei kein Zufall, dass immer mehr Flüchtlinge aus Eritrea Zuflucht in Europa suchen. „Das Land ist seit über 20 Jahren eine kommunistische Diktatur. Vor allem der Wehrdienst, der für Männer und Frauen gleichermaßen gilt, ist eine Form organisierter Sklaverei“, erklärte Zerai. Der Sold betrage umgerechnet nur etwa 15 Euro pro Monat, die Bedingungen seien miserabel. Auch sei nicht absehbar, wie lange der Wehrdienst dauert. „Den jungen Leuten werden so ihre besten Jahre genommen“, beklagte Zerai.

Eritrea: Schließung von katholischen Schulen und Krankenhäusern

Auch die Versuche der Kirche, den Menschen beizustehen und ihre Situation zu lindern, würden vom Regime systematisch blockiert. „Besonders die katholische Kirche steht im Visier, weil sie sich am meisten sozial engagiert“, sagte Mussie. In Eritrea sind die katholischen Christen eine kleine Minderheit von höchstens 170 000 Gläubigen bei rund sechs Millionen Einwohnern. In jüngster Zeit gehe die Regierung aber verstärkt gegen die katholischen Einrichtungen vor, erzählte Zerai: „Im Juni und Juli dieses Jahres wurden 29 kirchliche Krankenhäuser vom Militär gewaltsam geschlossen. Jetzt sind die katholischen Schulen dran: Acht von ihnen sind bereits geschlossen.“


Basis für dieses rigide Vorgehen sei ein Gesetz aus dem Jahr 1995, mit dem sich der Staat als einziger Träger im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitswesen definiert. Wegen des Krieges mit Äthiopien und der nachfolgenden politischen Unsicherheit sei dieses Gesetz bislang selten angewandt worden. Dass es jetzt so rabiat umgesetzt werde, hängt laut Zerai auch mit dem Engagement der katholischen Kirche im Demokratisierungs- und Versöhnungsprozess zusammen. „Die Bischöfe haben sich in einem Hirtenbrief klar dazu geäußert – dann begannen die Übergriffe“, erklärte der Priester.

Die Schließung der Schulen und Krankenhäuser sei ein großer Schaden für die Ordensgemeinschaften, die diese Einrichtungen mehrheitlich betrieben und nun vor dem Ruin stünden. Der Schaden für die Religionsfreiheit sei aber noch größer: „Die Regierung betont, es herrsche Religionsfreiheit. Aber sobald die Kirche die Sakristei verlässt, geht die Regierung gegen sie vor.“ Doch auch was die Feier der Gottesdienste angeht, habe es schon Repressalien gegeben: So habe das Regime der katholischen Kirche verboten, Gedenkmessen für ertrunkene Flüchtlinge zu feiern.

„Versammlung von zwei oder drei Menschen gilt als verdächtig“

Doch nicht nur die katholische Kirche sei betroffen, erklärte Zerai. Auch die orthodoxe Kirche und die Muslime würden immer wieder in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Noch schlimmer treffe es die Angehörigen der staatlich nicht anerkannten Freikirchen. „Schon wenn sich zwei oder drei Menschen versammeln, gelten sie als verdächtig.“ Nicht selten komme es vor, dass in Eritrea Menschen ohne Anklage verschwinden, so Zerai. Es gäbe eine Reihe von Straflagern, über die kaum etwas nach außen dringe.

Die UN-Menschenrechtskommission habe der eritreischen Regierung „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ attestiert. Zerai appellierte darum an die internationale Staatengemeinschaft, den Druck auf sein Heimatland zu erhöhen. Er selbst kann seit 2003 nicht mehr nach Eritrea – die Einreise ist ihm verweigert, denn sein eritreischer Pass wurde eingezogen. Zerai betreut darum die Arbeit der eritreischen Gemeinden in Europa. „Mir fehlt die Heimat. Aber dort wie im Ausland versuchen wir die Eritreer im Glauben zu stärken. ,Kirche in Not‛ war in den entscheidenden Momenten bei uns“, erklärte Zerai.

2019 einer der blutigsten Jahre für Christen

Im zweiten Teil der Veranstaltung informierte Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland, über aktuelle Brennpunkte der Christenverfolgung. 2019 sei eines der blutigsten Jahre für Christen weltweit. Diese habe sich durch die Bombenanschläge auf christliche Gottesdienst in Sri Lanka am Ostersonntag, die weiter zunehmende Gewalt auf Minderheiten in Nigeria, Attacken im Süden der Philippinen und weitere Anschläge auf Christen und andere religiöse Minderheiten gezeigt. „,Kirche in Not‛ versucht seit über 70 Jahren, den leidenden Christen zur Seite zu stehen und Trost zu spenden. Das ist eine wichtige Aufgabe der Kirche“, erklärte Ripka. Dieser Beistand umfasse nicht nur finanzielle, sondern auch geistliche Hilfe.

Als aktuelles Beispiel führte Ripka ein Projekt von „Kirche in Not“ gemeinsam mit katholischen und orthodoxen Kirchen in Syrien an. Dort werden Gottesdienste für Hinterbliebene von Kriegsopfern abgehalten. Als Zeichen der besonderen Nähe erhalten die Angehörigen einen von Papst Franziskus gesegneten Rosenkranz. In den kommenden Wochen wird auch eine vom Pontifex gesegnete Ikone auf Rundreise durch alle christlichen Kirchen Syriens gehen. Weiter gingen auch die materiellen, pastoralen und psychologischen Hilfen, erklärte Ripka. „Dank der Großherzigkeit unserer Wohltäter konnten wir allein in Syrien seit 2001 über 36 Millionen Euro einsetzen und 850 Projekte fördern.“

Seinen Abschluss fand der Gebetstag mit dem traditionellen Kreuzweg für die verfolgte Kirche im Augsburger Dom.

Foto: Beim Kreuzweg für die verfolgte Kirche im Augsburger Dom (c) Kirche in Not


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