23 August 2019, 16:00
Klimawandel auch in der Kirche?
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„Ja, es ist unbestreitbar. Das Klima in unserer Kirche ändert sich. Sich um Dialog bemühen und zuhören will man offenbar nur in eine Richtung.“ Gastkommentar von Susanne Wenzel

Köln (kath.net) Nein, nein. Keine Angst. Es geht hier nicht auch noch um Greta Thunberg und ihr Engagement für unsere Umwelt. Allerorten ist von Klimawandel in diesen Tagen die Rede. Und ich finde, auch in unserer Kirche kann man einen Klimawandel feststellen. Steigen die Temperaturen nicht auch hier unangenehm an?

Seit Monaten agitieren die „Maria 2.0“-Feministinnen nun schon gegen die Kirche. Unterstützt von KfD und KFBD provozieren sie bundesweit, spalten, verletzen, stoßen vor den Kopf. Immer wieder. Ganz bewusst und absichtlich. Sie stören Priesterweihen, Bischofsweihen, Kommunionfeiern, zuletzt verhinderten sie sogar eine Messe.

Hakt man nach, stößt man oft auf Unwissen und auch Ignoranz gegenüber katholischen Glaubensinhalten unter den Frauen und ihren Unterstützerinnen; aber alles gehört aus ihrer Sicht auf den Prüfstand: Bibel, Katechismus, Lehramt. Das habe nicht nur ich in vielen Gesprächen mit Frauen, die sich an „Maria 2.0“ beteiligen, erfahren. Ich habe darüber wiederholt geschrieben, hier auf kath.net und im Blog der „Neuen katholischen Frauenbewegung“, die ich auch als Antwort auf „Maria 2.0“ mit gegründet habe und deren Sprecherin ich bin. Sie erinnern sich? „Ich hätte gute Lust, einen Verband katholischer Frauen zu gründen“, schrieb ich in meinem Kommentar hier am 10. Mai 2019 unmittelbar vor Beginn des von „Maria 2.0“ ausgerufenen „Kirchenstreiks“. Daraus wurde gut vier Wochen später, am 14. Juni in Ingolstadt, die „Neue katholische Frauenbewegung“ (NkF).

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Spürbaren Widerstand aus dem Episkopat gibt es kaum. Ein bisschen Kritik für das Bestreiken der Eucharistie. Aber im Großen und Ganzen doch eher Verständnis und Lob. Man muss den Frauen, die das Diakonat und das Priestertum für die Frau fordern, die „Macht“ in unserer Kirche geteilt wissen wollen, doch im Dialog begegnen, heißt es aus verschiedenen Ordinariaten. Es sei wichtig, ihnen zuzuhören, offen zu sein. Man könne ihr Anliegen verstehen, heißt es. Medienwirksam trifft man sich mit Abordnungen der „Maria 2.0“-Aktivistinnen. Als während des „Kirchenstreikes“ an der Freiburger Unikirche ein Transparent mit einer Darstellung der Gottesmutter als Vulva platziert wurde von der Gruppe, handelte der zuständige Kirchenrektor einen „Kompromiss“ aus, wie lange die Darstellung dort hängenbleiben durfte. Offenbar ohne Konsequenz seitens der Bistumsleitung.

In der letzten Woche nun haben Aktivistinnen von „Maria 2.0“ für einen Eklat in einer Gemeinde im unterfränkischen Forst gesorgt. Die örtliche KFBD-Vorsitzende hat sich unter Protesten aus der versammelten Gemeinde – bewusst ohne Rücksprache mit dem Pfarrer, der gegen die „Maria 2.0“-Aktionen ist – vor der Vorabendmesse zu Maria Himmelfahrt das Wort genommen, um am Ambo eine Aktion ihrer Gruppe zu erklären, die seit Wochen für Unruhe und Ärger in der Gemeinde gesorgt hatte. Es gab eine heftige Auseinandersetzung mit dem Pfarrer, der die Frauen daraufhin der Kirche verwies, was diese verweigerten. Schlussendlich, wahrscheinlich weil er sich nach diesem Ärger außerstande sah, die Heilige Messe würdig zu zelebrieren, ließ der Pfarrer die Messe ausfallen. Die NkF hat ihn übrigens in einer Pressemitteilung ausdrücklich unterstützt und ihm für das beherzte Einschreiten gedankt.

Was passierte daraufhin? Der Generalvikar des zuständigen Bistums Würzburg, Dr. Thomas Keßler, schaltete sich ein und erklärte, der Pfarrer habe emotional „unglücklich überreagiert“, was man bedaure. Er unterließ es auch nicht zu betonen, im Zusammenhang mit „Maria 2.0“ seit es wichtig, dass beide Seiten einander zuhören und der Gesprächsfaden nicht abreiße. Kritik am Verhalten der Frauen seitens des Generalvikars? Leider Fehlanzeige.

Schlussendlich bot er sich gar als Vermittler an. Die Frauen hatten großzügig Gesprächsbereitschaft signalisiert, bestanden aber darauf, dass der Pfarrer um Entschuldigung ersuche. Ihr eigenes Verhalten bedarf offenbar keinerlei Reflexion.

Nur wenige Tage später kann man dann lesen, dass der Mainzer Bischof Kohlgraf sich in seinem Bistum mit „Maria 2.0“ getroffen habe und auch weiter mit ihnen im Kontakt bleiben wolle. Ja, er hält die Aktion sogar für so wichtig und gut, dass er vorschlägt, „Maria 2.0“ am Synodalen Prozess zu beteiligen. Mit dieser grandiosen Idee ist er leider nicht allein, so hatte sich unter anderem auch der Hamburger Erzbischof Heße schon in derselben Richtung geäußert.

Man muss also festhalten: Dem Priester, der die Lehre der Kirche verteidigt, erteilt man eine Rüge, während man denjenigen, welche die Lehre der Kirche bekämpfen, zuhört und den Dialog mit ihnen bekräftigt. Das ist eine eigenartige Logik. Leider eine, die zu Konsequenzen führen wird.

Welcher Priester wird sich den teilweise unterirdischen Aktionen dieser Frauen, die nächste ist ja für Oktober schon angekündigt, denn jetzt noch in den Weg stellen? Zu groß ist doch die Gefahr, nicht von den Brüdern gestärkt, sondern von ihnen vor der eigenen Gemeinde vorgeführt zu werden, indem man ihm „unglückliches“ Handeln attestiert und den Dialog bekräftigt, „Maria 2.0“ also hoffähig macht.

Das gilt übrigens auch für das „normale“ Gemeindemitglied. Wie wir aus Gesprächen und Zuschriften inzwischen wissen, schweigen viele in ihren Gemeinden. Denn sie befürchten, wenn sie wider den vermeintlichen Common sense reden, Konsequenzen für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten in den Gemeinden. Kurzum: Sie befürchten, aus der Gemeinde und den ehrenamtlichen Tätigkeiten ausgestoßen zu werden, wenn sie die Frauen von „Maria 2.0“ kritisieren. Da ist von Dialog nicht viel zu hören. Vor dem „Kirchenstreik“ im Mai in unserem Pastoralverbund habe ich mich an den zuständigen Leiter des Verbundes gewandt und in einem Brief nachdrücklich um Distanzierung von dieser Aktion ersucht, für die im Kirchenblatt geworben worden war. Ich kenne den Priester seit vielen Jahren, habe ihn immer sehr geschätzt. Dialog? Eine persönliche Reaktion habe ich bis zum heutigen Tage nicht erhalten, stattdessen konnte ich in den Wochen nach dem Zugang meines Schreibens kryptische Predigten und Gedanken im Pfarrblatt verfolgen, mit denen ich wohl entsprechend „abgewatscht“ werden sollte. Selbstverständlich ohne Nennung von Namen. Ist das der neue Umgang unter Christen?

Ja, es ist unbestreitbar. Das Klima in unserer Kirche ändert sich. Sich um Dialog bemühen und zuhören will man offenbar nur in eine Richtung. Nun könnten wir, die wir diese angeblichen „Reformen“ in unserer Kirche nicht wollen, ebenso agieren wie die Feministinnen. Aber wollen wir das? Wollen wir uns tatsächlich mit ihnen auf eine Stufe stellen? Soll unsere Kirche künftig zur marktschreierischen „Räuberhöhle“ werden? Man stelle sich die Tempelreinigung vor mit Jesus, der die Händler zum Dialogprozess einlädt… Wie bitte? Unvorstellbar? Ja, für mich auch.

Link zum Internetauftritt der Neuen katholischen Frauenbewegung

Symbolbild


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