31 Juli 2019, 11:30
Syrien: US-Belohnung für Informationen über entführte Priester
 
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Außenministerium in Washington bietet bis zu 5 Mio. Dollar für Hinweise auf Verbleib des vor genau sechs Jahren verschleppten Jesuiten Dall'Oglio und der entführten Aleppiner Metropoliten Mor Gregorios und Boulos Yazigi

Washington-Rom-Damaskus (kath.net/KAP) Das US-amerikanische Außenministerium hat eine Summe von bis zu fünf Millionen Dollar (rund 4,5 Mio. Euro) für Informationen über das Schicksal von fünf in Syrien verschollenen katholische und orthodoxen Bischöfen und Priestern ausgelobt. Der aktuelle Aufruf erfolgte über das "Rewards for Justice"-Programm (RFJ) der Regierung in Washington. Konkret geht es um Hinweise auf den Verbleib des Jesuiten Paolo Dall'Oglio, der beiden Aleppiner Metropoliten Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und Boulos Yazigi sowie des armenisch-katholischen Priesters Michael Kayyal und des griechisch-orthodoxen Priester Maher Mahfouz. Sie alle wurden 2013 mutmaßlich von islamistischen Gruppierungen entführt und gelten seither als vermisst.

Die Entführung der christlichen Geistlichen zeige die rücksichtslose Taktiken der IS-Terroristen, gegen die man angehen müsse, heißt es in einer Mitteilung auf der Website "Rewards for Justice"-Programms. Der IS stelle nach wie vor eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten und Partner im Nahen Osten dar, heißt es in der Mitteilung aus Washington: "Wir werden weiterhin unsere Partner im Irak und in Syrien in ihren Anstrengungen zur Zurückweisung der terroristischen Bedrohung unterstützen und unsere Kooperation mit der globalen Koalition zur Überwindung des IS aufrechterhalten."

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Der syrisch-orthodoxe Erzbischof Mor Gregorios Yohanna Ibrahim und der griechisch-orthodoxe Erzbischof Boulos Yazigi waren am 22. April 2013 auf der Fahrt von der syrisch-türkischen Grenze in Richtung Aleppo von Unbekannten verschleppt worden. Nach den Informationen des US-Außenministeriums sollen die Entführer der "al Nusra"-Front angehört haben. Diese Entführer hätten die Metropoliten dann an IS-Milizen "weitergereicht". Die beiden Metropoliten hatten sich auf einer humanitären Mission befunden: Man hatte ihnen die Freilassung der zwei Monate zuvor aus einem Linienautobus entführten Priester Kayyal und Mahfouz versprochen.
Der aus Rom stammende Jesuit und Islamwissenschaftler Dall'Oglio wurde vor genau sechs Jahren, am 29. Juli 2013, in der damaligen IS-Hochburg Rakka verschleppt, als er versuchte, im Konflikt zwischen islamistischen Kämpfern und Kurden zu vermitteln. Dazu war er ins Quartier der Gruppe "Islamischer Staat Irak und Levante" nahe der türkischen Grenze gereist. Dall'Oglio arbeitete seit den 1980er Jahren in Syrien und setzte sich besonders für die Ökumene und den christlich-islamischen Dialog ein. Wegen Kritik am syrischen Regime und angeblicher Unterstützung von Rebellen wurde er 2012 aus Syrien ausgewiesen.

Versäumnisse bei Suche nach P. Dall'Oglio

Zum sechsten Jahrestag von Dall'Oglios Entführung beklagten die Geschwister des Jesuiten am Montag bei einer Pressekonferenz in Rom Versäumnisse bei den Nachforschungen. Rakka sei seit Ende 2017 befreit, aber man habe noch immer keine Nachricht über das Schicksal von Paolo Dall'Oglio, bedauerten sie.

Die zuständigen Stellen seitens der italienischen Regierung hätten zwar versichert, alles zu tun, um den Verbleib ihres Bruders aufzuklären; erst 2018 habe die Familie aber einen Koffer von Paolo Dall'Oglio erhalten, der schon seit Juni 2014 im Besitz der italienischen Ermittler gewesen sei, schilderte Francesca Dall'Oglio. Das Gepäckstück enthielt nach ihren Angaben alte Mobiltelefone sowie die Brieftasche und das Käppchen des Geistlichen. Die Familie habe die Gegenstände erst erhalten, nachdem sie sich aktiv darum bemüht habe.

Immer noch wisse man nicht, ob Paolo Dall'Oglio noch am Leben sei. Doch in Syrien sei es schon oft zu langen Gefangenschaften gekommen, die letztlich gut ausgegangen seien, zeigten sich Francesca, Immacolata und Giovanni Dall'Oglio zuversichtlich.

Papst wandte sich an Assad

Papst Franziskus und der Jesuitenorden bekundeten mehrfach ihre Besorgnis über das Schicksal Dall'Oglios und forderten seine Freilassung. Ende Jänner empfing er die Familienmitglieder des Ordensmannes zu einer Privataudienz.
Vor wenigen Tagen wandte sich der Papst in einem Brief direkt an den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad. Darin bat Franziskus nicht nur um konkrete Gesten für die Zivilbevölkerung der umkämpften Region Idlib, sondern auch um Aufmerksamkeit für alle während des Konfliktes verschwundenen Menschen. "Das habe ich als eine sehr wichtige Botschaft von großer Bedeutung wahrgenommen", sagte Francesca Dall'Oglio am Montag: "Ich fühle mich als Schwester von Paolo in gewisser Weise auch als Schwester dieses Volkes, das leidet, und bin allen Familien nahe, die Verwandte haben, die in Syrien verschwunden oder verhaftet worden sind und von denen sie keine Nachricht haben. Das ist die wahre Tragödie, die internationale Aufmerksamkeit erfahren muss. Was das betrifft, hat Papst Franziskus eine starke Botschaft formuliert, auch durch die Tatsache, dass der Brief von zwei Kardinälen - Peter Appiah Turkson und Mario Zenari - überbracht wurde".

Letztes Interview

Paolo Dall'Oglio habe immer versucht, konsequent zu sein und die Liebe für andere zu bezeugen, betonte die Schwester des Entführten. Er hatte sich besonders im interreligiösen Dialog engagiert, eine Tätigkeit, die ihm ernsthafte Drohungen seitens radikaler Islamisten einbrachte. Dennoch kam es für ihn, trotz einer Ausweisung durch das syrische Regime im Jahr 2012, nie in Frage, Syrien endgültig zu verlassen, um sich selbst zu schützen.

Trotz der sechs Jahre ohne Lebenszeichen sei die Botschaft des Jesuitenpaters höchst aktuell, sagte Francesca Dall'Oglio: "Ich erinnere mich, dass ich das letzte Interview gehört und gelesen habe, das mein Bruder Paolo am Tag vor seiner Entführung in Rakka, am 28. Juli 2013, einem lokalen Fernsehsender gegeben hatte. In diesem Interview analysiert er die Situation, wiederholt aber, dass man in Syrien zu einer 'inklusiven' Gesellschaft kommen muss. Er spricht von einer Föderation, von der Notwendigkeit, eine Gesellschaft zu schaffen, die in der Lage ist, alle Verschiedenheiten aufzunehmen".

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Archivfoto: Die beiden Bischöfe vor ihrer Entführung

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