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Fest der "Taufe der Rus" mit getrennten Kreuzprozessionen

28. Juli 2019 in Chronik, 1 Lesermeinung
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Ukrainisch-orthodoxe Kirche und "Orthodoxe Kirche der Ukraine" gedenken getrennt der großen Ereignisse des Jahres 988.


Kiew (kath.net/ KAP)
In Kiew wird das Fest der "Taufe der Rus" am 27./28. Juli aufgrund des anhaltenden Konfliktes zwischen dem Moskauer und dem Ökumenischen Patriarchat mit getrennten Kreuzprozessionen der dem Moskauer Patriarchat zugehörigen ukrainisch-orthodoxen Kirche und der neu gegründeten "Orthodoxen Kirche der Ukraine" begangen. Das teilte die Stiftung "Pro Oriente" am Freitag mit. Die "Taufe der Rus" erinnert an die Bekehrung und Taufe des Slawenfürsten Wladimir I. im Jahr 988. Das Datum markiert zugleich den Beginn der Christianisierung des Gebietes, auf dem heute Russland, Weißrussland und die Ukraine liegen.

Am Vormittag des 27. Juli beginnt die Feier der ukrainisch-orthodoxen Kirche auf dem Wladimir-Hügel, um 13 Uhr leitet das Oberhaupt der Kirche, Metropolit Onufrij (Berezowskij), dort ein Dankgebet. Gegen Mittag folgt dann die große Kreuzprozession zum Kiewer Höhlenkloster Petscherskaja Lawra. Im Vorjahr hatten 250.000 Gläubige an der Prozession teilgenommen, obwohl Teile der Behörden und radikal-nationalistische Organisationen die Prozession verhindern wollten. Eine ähnlich aufgeheizte Situation wie im vergangenen Jahr wird heuer jedoch nicht erwartet.


Am Sonntag, 28. Juli, feiert Metropolit Onufrij auf dem Platz vor der Kathedrale beim Höhlenkloster die Göttliche Liturgie; Konzelebranten sind orthodoxe Bischöfe aus der ganzen Ukraine, aber auch aus anderen orthodoxen Kirchen, etwa der serbischen sowie der tschechischen und slowakischen Kirche.

Den Abschluss der Liturgie bildet die Heiligsprechung von drei Märtyrern, unter ihnen der Priester und Theologieprofessor Aleksandr Glagolew (1872-1937). Glagolew war ein unbeugsamer Gegner des theologischen wie politischen Antisemitismus. Bei den Pogromen 1905 trat er in Kiew gemeinsam mit anderen orthodoxen Priestern in vollem Ornat mit Kreuzen und Ikonen dem Pöbel entgegen, der die jüdischen Geschäfte und Häuser plündern wollte. Beim berüchtigten Ritualmordprozess gegen Menahem Mendel Beilis 1913 trug die Experten-Aussage Glagolews wesentlich zum Freispruch des Angeklagten bei. 1937 wurde der Theologe von den sowjetischen Machthabern verhaftet und erschossen.

Das Oberhaupt der "Orthodoxen Kirche der Ukraine", Metropolit Epifanij (Dumenko), wird am Sonntagvormittag, 28. Juli, die Göttliche Liturgie auf dem Platz vor der Kiewer Hagia Sophia zelebrieren. Anschließend beginnt die "ukrainische Kreuzprozession" zum Denkmal des Großfürsten Wladimir auf dem Wladimir-Hügel. In den Einladungen zur Kreuzprozession heißt es: "Mit dem Segen Gottes feiern wird dieses Jahr das wichtige Ereignis der Taufe der Rus in unserer unabhängigen vereinigten lokalen Orthodoxen Kirche der Ukraine".

Aus dem Phanar wird eine hochrangige Delegation zur Feier der "Orthodoxen Kirche der Ukraine" erwartet, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. hatte die Entsendung dieser Delegation vor kurzem in einem TV-Interview angekündigt. "Ehrenpatriarch" Filaret (Denisenko), der sich von der "Orthodoxen Kirche der Ukraine" wieder distanziert und das von ihm begründete "Kiewer Patriarchat" revitalisiert hat, wird an der Kreuzprozession der neuen Kirche nicht teilnehmen. Er zelebriert am 28. Juli in der von ihm kontrollierten St. Wladimir-Kathedrale die Göttliche Liturgie und führt dann eine Prozession um diese Kathedrale.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich (www.kathpress.at) Alle Rechte vorbehalten


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