14 Juli 2019, 12:12
Der Schatz des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter
 
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Franziskus: nicht wir definieren nach unseren Kriterien, wer der Nächste ist und wer nicht, sondern die Person in Not, die erkennen muss, wer ihr Nächster ist. Von Armin Schwibach

Rom (kath.net/as) Angelus am fünfzehnten Sonntag im Jahreskreis. In seiner Ansprache vor dem traditionellen Mittagsgebet kommentierte Papst Franziskus das Evangelium vom barmherzigen Samariter (Lk 10,25-37):

„Ein Gesetzeslehrer stand auf, um Jesus auf die Probe zu stellen, und fragte ihn: Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu erben? Jesus sagte zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du? Er antwortete: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und deiner ganzen Seele, mit deiner ganzen Kraft und deinem ganzen Denken, und deinen Nächsten wie dich selbst. Jesus sagte zu ihm: Du hast richtig geantwortet. Handle danach und du wirst leben!“.

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Es habe jedoch unterschiedliche Interpretationen gegeben, wer als „Nächster“ zu verstehen sei. Tatsächlich frage dieser Mann weiter: „Und wer ist mein Nächster?“ (V. 29). An dieser Stelle antworte Jesus mit dem Gleichnis, das dank des Evangelisten Lukas zum Paradigma für das Leben des Christen geworden sei.

Der Protagonist der kurzen Geschichte sei ein Samariter, der auf dem Weg einen Mann treffe, der von Räubern ausgeraubt und geschlagen worden sei und sich um ihn kümmere. Wir wüssten, dass die Juden die Samariter mit Verachtung behandelt und sie dem auserwählten Volk gegenüber als Fremde betrachtet hätten. Es sei daher kein Zufall, dass Jesus einen Samariter als positiven Charakter im Gleichnis gewählt habe.

Auf diese Weise wolle er Vorurteile überwinden und zeigen, dass selbst ein Fremder, auch wenn er den wahren Gott nicht kenne und nicht in seinem Tempel sei, in der Lage sei, sich seinem Willen entsprechend zu verhalten, Mitleid mit seinem bedürftigen Bruder zu empfinden und ihm mit allen Mitteln zu helfen.

Auf demselben Weg seien vor dem Samariter bereits ein Priester und ein Levit vorbeigekommen, also Menschen, die sich dem Kult Gottes verschrieben hätten. Doch als sie den armen Mann am Boden gesehen hätten, seien sie weitergegangen, ohne anzuhalten, wahrscheinlich um nicht mit seinem Blut verunreinigt zu werden. Sie hätten eine mit dem Kult verbundene menschliche Regel vor das große Gebot Gottes gestellt, der vor allem Barmherzigkeit wünsche.

Jesus schlage also als Vorbild den Samariter vor, der durch die Liebe zu seinem Bruder zeige, dass er Gott von ganzem Herzen und mit aller Kraft liebe und gleichzeitig wahre Religiosität und volle Menschlichkeit zum Ausdruck bringe.

Nachdem Jesus das Gleichnis erzählt habe, wende er sich wieder dem Gesetzeslehrer zu, der ihn gefragt habe: „Wer ist mein Nächste?“ und frage ihn: „Wer von diesen dreien meinst du, ist dem der Nächste geworden, der von den Räubern überfallen wurde?“ (V. 36). Auf diese Weise kehre er die Frage seines Gesprächspartners und auch die Logik von uns allen um. Es mache uns verständlich, dass nicht wir nach unseren Kriterien definierten, wer der Nächste ist und wer nicht, sondern die Person in Not, die erkennen müsse, wer ihr Nächster sei. Der Schlüssel sei, Mitleid vor einem Menschen in Not zu empfinden.

Dieser Schluss zeige, dass die Barmherzigkeit gegenüber einem Menschenleben in Not das wahre Gesicht der Liebe sei. So werde man zu einem wahren Jünger Jesu und das Antlitz des Vaters offenbare sich. Auf diese Weise werde das Gebot der Liebe zu Gott und zum Nächsten zu einer einzigen und beständigen Regel des Lebens.



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