Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Wie die Piusbrüder - Linker belgischer Bischof plant weiterhin verbotene Weihen
  2. Gefeuert wegen AfD-Kandidatur: Deutsche Caritas-Erzieherin zieht vor Gericht
  3. Papst Leo singt mit 80.000 Jugendlichen das „Salve Regina“ auf Latein
  4. Sechs Messdiener mit Down-Syndrom ministrierten bei der historischen Papstmesse in Paris
  5. Es gibt drei Erzengel, die vor Gottes Thron für uns eintreten
  6. Asymmetrisch blinder Blick auf die deutsche Landschaft
  7. „Wenn wir den wahren missionarischen Geist, den richtigen Weg finden, gibt es in Deutschland noch…“
  8. Wort-Gottes-Feier in katholischer Kirche mit Liedern von Taylor Swift
  9. „Das Ende von Maria 2.0“
  10. Ein Erzbischof auf Staatsbesuch
  11. US-Bischof Robert Barron: „Der Kommunismus erlebt in unserem Land gerade ein Comeback“
  12. Einbürgerung als Wahlstrategie? Linke profitiert massiv von muslimischen Wählern in Berlin
  13. Bekannte US-Influencerin und Mutter von neun Kindern konvertierte zum Katholizismus
  14. Politisch aber auch innerkirchlich „gibt es derzeit wieder viel Konfliktpotenzial“
  15. 'Wir sprechen deshalb zurecht hier nicht von Neuevangelisierung, sondern von Erstevangelisierung'

Aus dem Elfenbeinturm getwittert

2. Juli 2019 in Kommentar, 53 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Es ist erschreckend, wie leichtfertig ein katholischer Bischof mit der Wahrheit umgeht. Der Populismus aus Essen erschreckt. Vernunft und Wahrhaftigkeit gehen anders. – Ein Kommentar von Peter Winnemöller zu einem Tweet von Bischof Overbeck


Linz (kath.net)
Lob für die in Italien inhaftierte Kapitän Carola Rackete kam per Twitter aus dem Elfenbeinturm des Bischofs von Essen. Wer Menschen vor dem Ertrinken rette, gehöre, so Bischof Overbeck über den Kurznachrichtendienst, nicht ins Gefängnis. Er bewundere den Mut von Frau Rackete. Es ist erschreckend, wie locker ein katholischer Bischof das achte Gebot zu brechen versteht. Carola Rackete hatte vor der libyschen Küste ca. 40 Menschen an Bord genommen und war unnötigerweise quer über das Mittelmeer nach Italien gefahren. Dort hatte man ihr die Einfahrt in den Hafen von Lampedusa verweigert. Diesen erzwang sich die Vertreterin der NGO „Sea Watch“, indem sie sich den Anweisungen der italienischen Behörden widersetzte und im Hafen ein wesentlich kleineres Zollschiff in einem riskanten Manöver abdrängte, um das Anlegemanöver auf gefährliche Weise gewaltsam zu erzwingen.

Bei diesem Manöver kam es dem Vernehmen nach zu Sach- und Personenschäden. Dafür – nicht aber für Rettung von Ertrinkenden aus Seenot - wurde Frau Rackete von den italienischen Behörden in Haft genommen. Die Redlichkeit hätte es geboten, dass der Bischof von Essen zugibt, dass er Sympathien für diese Gewalttat hegt. Es erscheint sinnvoll, dem Vorfall kurz nachzugehen, um zu einer vernünftigen Einschätzung zu kommen.

Es gab allem Anschein nach, keine Notwendigkeit für die SeaWatch3 mit den 40 Schiffbrüchigen das Mittelmeer zu überqueren, da Libyen die Aufnahme und medizinische Versorgung der aus Seenot geretteten zugesagt hatte. NGOs, die wie „Sea Watch“ agieren, machen sich oft genug zu Handlangern krimineller Schlepperorganisationen, die Flüchtlinge in der Nähe afrikanischer Küsten in nicht seetauglichen Booten aussetzen und so die „Seenot“ bewusst herbeiführen. Damit machen sich diese Organisationen mitschuldig an einer Zunahme ungeregelter und illegaler Migration und da Rettung aus Seenot nicht immer klappt, an vielen Ertrinkenden im Mittelmeer.


Es ist überhaupt keine Frage, dass Rettung aus Seenot ein unbedingtes Gebot ist. Wer das in Abrede stellt, ist ein Unhold. Wer Menschen – egal wo - ertrinken lassen will, ist im Diskurs nicht satisfaktionsfähig. Insofern gebührt Helfern jeglicher Dank. Das ist keine Frage. Sie wären tatsächlich die Helden, die sie vorgeben zu sein, würden sie die Schiffbrüchigen in ihre Herkunftsländer zurückbringen. Die allermeisten Migranten, die auf solch illegale Weise Europa erreichen, haben ohnehin keinerlei Aussicht auf eine Anerkennung als Flüchtling oder politischer Asylant. Diese Art illegaler Migration führt zu Elend, zu sozialen und ethnischen Spannungen, zur Steigerung von Kriminalität und birgt am Ende die Gefahr bürgerkriegsähnlicher Zustände. Wer die Augen davor verschließt macht sich an den Folgen mitschuldig. Ursachen von Migration sind an der Quelle der Migration zu bekämpfen. Da tut sich – auch für Bischöfe - ein weites Feld auf.

Ebenso mitschuldig machen sich Politiker, die die illegale Migration billigend in Kauf nehmen, statt offensiv – idealerweise in internationalen Kontexten – Regeln für Migration zu erarbeiten. Es gibt gute Gründe, mit dem Migrationsdruck auf europäische Grenzen offen und ehrlich umzugehen. Europa wird auf absehbare Zeit bevorzugtes Ziel von Migration aus dem Süden sein. Das wird auch durch sinnvolle Ursachenbekämpfung in den Herkunftsländern nicht von heute auf morgen zu verändern sein. Zudem kann eine sinnvoll geregelte Zuwanderung durchaus sinnvoll sein. Das ist allerdings im demokratischen Diskurs zu klären und zu regeln.

Wer das grundsätzlich leugnet und untätig bleibt, macht sich ebenfalls an Ertrinkenden im Mittelmeer, genauso wie an kriminellen Schlepperpraktiken mitschuldig. Solche Regeln bedürfen einer demokratischen Legitimation in den aufnehmenden Ländern und in den Transferstaaten. Nur so können sie mit Akzeptanz rechnen, nur so kann dieser Sumpf trockengelegt werden. Ein populistisch dekretiertes „Wir schaffen das“ ist näher am Totalitarismus als es uns allen lieb sein kann. Faire, demokratisch legitimierte Rechtsnormen zu Migration und sinnvolle, großzügige Hilfsmaßnahmen in den Herkunftsländern, das wäre wirklich humanitär und das wäre ein wahrer christlicher Geist. Dass Nothilfe im Falle von Krieg und Verfolgung selbstverständlich ist, weiß übrigens jeder Christ auch ohne bischöflichen Populismus.
Bedenkt man all dies, dann ist es - über die reine Lüge hinaus - sehr problematisch, womit sich der Bischof von Essen hier politisch gemein macht. Bischof Overbeck täuscht über den Sachverhalt, der der Verhaftung von Frau Rackete zu Grunde liegt. Er redet der Beihilfe zu illegaler Schlepperkriminalität das Wort. Schlussendlich trägt sein Statement mit dazu bei, eine kritische Haltung dieser unsäglichen und untätigen Flüchtlingspolitik gegenüber zu diskreditieren. Kein Mensch mit Herz kann dafür sein, dass Menschen im Mittelmeer ertrinken. So heischt man Beifall und macht mit einer Lüge schlechte Politik. Es ist nichts als ein Flirt mit dem Zeitgeist. Doch es gilt immer noch der Satz von Kierkegaard: „Wer den Zeitgeist heiratet, ist bald Witwer“. Ein katholischer Bischof sollte Vernunft walten lassen und wahre Humanität und wahren christlichen Geist anmahnen, statt sich mit Kriminellen – und sei es nur per Twitter – gemein zu machen.



Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Montagskick

  1. "Marsch für das Leben"-Grußwort des DBK-Vorsitzenden Wilmer verfehlt das Thema
  2. Dann sollen sie doch in die Hölle gehen
  3. Die Krise des Bischofsamtes
  4. Der Bischof und der Denunziant
  5. Das Schweigen der Bischöfe zur Causa Spahn
  6. Denn sie wissen nicht, was sie fordern
  7. Mehr Kirchensteuer bei weniger Mitgliedern
  8. Der deutsche Frauenweiheämterstuhlkreis
  9. Mehr Klarheit mit jeder Absage aus Rom
  10. Sieben Pfarreien sind viel zu viel für ein Bistum







Top-15

meist-gelesen

  1. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  2. Papst Leo an 80.000 Jugendliche im Stade de France: "Wer mit Gott lebt, ist frei"
  3. „Wenn wir Eucharistie feiern, dürfen wir mit allem zu ihm kommen, was in uns unvollendet ist“
  4. Neuer Schülerkreise Joseph Ratzinger / Papst Benedikt XVI. bestätigt bisherigen Vorstand im Amt
  5. Nordische Bischofskonferenz beendet Herbstvollversammlung in Paderborn
  6. Zwischen Stein und Geheimnis: ‚Ohne die Liturgie würde Notre-Dame ihre Seele verlieren‘
  7. Die Menschheitsfamilie zwischen Babel und Pfingsten
  8. Der Mensch ist mehr als eine Maschine - Die Würde des Menschen vor dem Angesicht Gottes
  9. Bischof Erik Varden: „Den Fremden willkommen heißen“
  10. Leo an Bischöfe: „Liebe Brüder, wir müssen immer wieder in die Schule des Kreuzes zurückkehren“
  11. Chefredakteur Philippe Marie: „Ich werfe dem Erzbistum Paris vor, die Pressefreiheit zu verletzen“
  12. Dem Leben verpflichtet: Johanna Gräfin von Westphalen
  13. Kurienkardinal Parolin nennt „Lebensschutz“ eines der Schwerpunktthemen von Leos Frankreichreise
  14. USA: Medienbischof Fulton Sheen ist nun seliggesprochen!
  15. 'Amoris Laetitia' oder das Lehramt, das sich selbst abschafft

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz