21 Juni 2019, 12:30
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Von „Awakening Europe“ zur Fronleichnamsprozession – dein Gebet schreibt die Geschichte unseres Landes um. BeneDicta von Petra Knapp-Biermeier.

Linz (kath.net) Jetzt sitze ich wieder da. In meinem Arbeitszimmer, die Tür ist zu, und auf dem Bodenkissen liegt meine Bibel. Hier ist mein War Room. Den Begriff habe ich mir behalten, seitdem ich diesen Film gesehen habe, wo eine Frau um ihre Ehe kämpft. Sie räumt ihren begehbaren Kleiderschrank aus und konfrontiert Gott mir ihren Nöten. Klebt Post-Its an die Wand, rezitiert Bibelstellen, kämpft ums Leben, Tag für Tag.

Ich habe mir das abgeschaut. Klar, manchmal schweifen meine Gedanken ab zu dem Berg Arbeit, der vor mir liegt. Manchmal kommt mir die Zeit so verloren vor und vergeudet. Aber mittlerweile weiß ich: Von diesen Minuten hängt so vieles ab. Hier bin ich Influencer. Hier schreibt Gott meine Geschichte mit mir.

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Vor 24 Stunden war ich in einem komplett anderen Setting. Laute Rockmusik, Gebet, dass die Wände wackeln, junge Studenten, die auf ungarisch für mich beten, Lobpreis - „Awakening Austria“, ein Event in der Wiener Stadthalle. Da treffe ich dann auch die Polizistin, die hier Dienst hat. Sie ist um die 50 und schüttelt beeindruckt den Kopf. So viele junge Leute sind hier, und keiner lästert herum oder regt sich auf, wenn er aufstehen muss, weil er einen Fluchtweg versperrt. „Alle sind so freundlich. Also so was habe ich selten.“ Sie kratzt sich hinterm Ohr, seufzt, schaut auf die Uhr und erzählt drauf los.

Wir sind noch vor dem gewaltigen Medienhype, der wenige Stunden später losgeht, als manche entdecken, dass ein österreichischer Politiker spontan gesegnet wurde. Wir sind einen halben Tag vor der Welle an Gehässigkeiten in den sozialen Medien, die daraufhin losbrechen wird. Sie wird 48 Stunden später wieder verebben, aber dann werden immerhin alle Österreicher wissen, dass es „Awakening Austria“ gegeben hat.

In der Wiener Stadthalle ist an diesen heißen Sonntagmittagstunden wenig los. Ich kaue an einer versalzenen Leberkässemmel und höre der Polizistin zu. Das ist kein typisches christliches Insidertreffen, wo sich die Leute kennen. Die meisten sind extra angereist, weil ihnen Europa und seine christlichen Wurzeln am Herzen liegen. Leute aus 45 Nationen haben sich frei genommen, Quartiere gebucht, Geld für Zugkarten und Benzin ausgegeben, um für Österreich zu beten.

„Also das mit den Heilungen, da steige ich aus.“ Drei Tage später ist das Schulfest, und meine Bekannte schüttelt den Kopf und schaut mich fragend an. Über meine Kinder hat sie mitgekriegt, dass wir bei „Awakening Austria“ dabei waren. Sie nimmt einen Schluck Erdbeerbowle und denkt laut nach: Gebet, gut und schön, meint sie. Aber Wunderheilungen? Das sei übertrieben und klinge höchst bedenklich.

Am Tag darauf schreite ich hinter Goldhaubenfrauen, Erstkommunionkindern, Blasmusik, Feuerwehr und Polizei durch unseren Ort. Bei der Fronleichnamsprozession wird Jesus bei heißen 35 Grad geehrt und unter einem Baldachin durch die Straßen getragen. Ich gebe es zu: Die Kluft zwischen „Awakening Austria“ und dieser Prozession ist gewaltig.

Aber Gott ist immer derselbe: Zuhause in deinem Zimmer, beim ökumenischen Großevent, wo spontan ein Politiker auf der Bühne gesegnet wird, bei der ländlichen Prozession, wo es wichtig ist, dass keiner aus der Rolle fällt. Nur eine Frage ist relevant: Wo schaust du hin? Schaust du auf Formalitäten, Traditionen, Äußerlichkeiten? Schaust du auf den coolen Worship-Leiter? Auf deine guten Gefühle? Auf deine Sicherheit, die dir deine Gruppe, dein Verein, deine Kirche gibt?

Und eine zweite Frage poppt auf, in diesen heißen Junitagen zwischen Pfingsten und Fronleichnam, wo ich schwitze und literweise Erdbeermarmelade einkoche. Lässt du Gott ran an dein Leben? Jesus hat nachweislich Menschen gesund gemacht, geheilt. Zahlreiche österreichische Wallfahrtsorte erzählen seit vielen Jahrhunderten eine großartige Geschichte von Wunderheilungen und Gebetserhörungen! Wenn bei „Awakening Austria“ für Menschen um Heilung gebetet wird, dann ist das vielleicht formal etwas Fremdes, Ungewohntes. Aber neu ist es ganz und gar nicht.

„Und, ganz ehrlich“, meine ich noch beim Schulfest. „Bei jedem Fußballspiel darfst du laut herumbrüllen, bei jeder Party wild tanzen und Spaß haben – aber bei einem riesigen Gebetstreffen mit cooler Musik darf ich das nicht tun? Why not?“ Antwort kriege ich keine drauf, aber ich gehe an diesem Abend mit den Gedanken nach Hause, dass hier etwas in Bewegung geraten ist in unserem Land.

Es ist nicht das einzige Gespräch, das ich haben werde. So als ob gerade neues Land aufgeschüttet wird, so als ob staubige Gebeine wieder lebendig werden, step by step. Mit jedem weiteren Gespräch wächst wieder eine Sehne, mit jedem stillen Gebet ordnen sich Knochen neu, formieren sich, mit jedem gemeinsamen Gebet wächst wieder Haut und was tot war, wird wieder lebendig.

Im biblischen Buch Ezechiel heißt es: „So spricht Gott, der Herr, zu diesen Gebeinen: Ich selbst bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Ich spanne Sehnen über euch und umgebe euch mit Fleisch; ich überziehe euch mit Haut und bringe Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der Herr bin.“ (Ezechiel 37)

Ich ermutige dich heute, Influencer für Gott zu sein! Mit deinem Gebet spannst du nicht nur einen Bogen in die Ewigkeit, dein Gebet macht auch fürs Hier und Jetzt einen Unterschied. Deine stillen fünf Minuten täglich sind entscheidend dafür, was in deinem Herzen passiert. Dein Mitbeten kann die Geschichte unseres Landes umschreiben. Du bist dran, jetzt.

kath.net-Video-BLog mit Inka Hammond - Inka betet heute nur für DICH


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