Login




oder neu registrieren?


Suche

Suchen Sie im kath.net Archiv in über 70000 Artikeln:







Top-15

meist-diskutiert

  1. Nicht mehr ernst zu nehmen
  2. Der Vatikan ringt um die Definition der "Umweltsünde"
  3. Bischof Timmerevers legt sein Amt als Bischof von Dresden-Meißen nieder
  4. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  5. 'Ruft AfD-Wähler auf, sich die Kirchensteuer zu sparen'
  6. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  7. „Synodalität wird den Katholizismus zerstören“
  8. Regierung von Pennsylvania will Begriffe ‚Mutter‘ und ‚schwangere Frau‘ streichen
  9. Die Vision der Hölle und warum wir dringend die Göttliche Barmherzigkeit anrufen sollten
  10. Die konzilswidrige deutsche Synodalkonferenz
  11. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  12. Musikvideo zeigt Frau bei ‚Abtreibungsritual‘ auf der Toilette
  13. Ein Mensch auf den Knien ist mächtiger als die Welt
  14. US-Diözese errichtet Pfarre, die dem Märtyrer Matthew Ayariga geweiht ist
  15. Ständige Anbetung in Mainz unter Druck

Aufarbeitung des Falls des laisierten Kardinals McCarrick?

21. Juni 2019 in Kommentar, 9 Lesermeinungen
Druckansicht | Artikel versenden | Tippfehler melden


Geschlagene vier Monate ist der frühere Erzbischof von Washington bereits laisiert, erst jetzt wird das Bischofswappen aus der Kathedrale entfernt – Missbrauchsaufarbeitung stagniert in den USA. Kommentar von Petra Lorleberg


Washington D.C. (kath.net/pl) Es ist tatsächlich ein Problem: Welche Bildsprache und welche Erinnerungskultur wählt man gegenüber einem laisierten Erzbischof und Kardinal? Das Erzbistum Washington muss sich dieser Frage stellen, denn der Ex-Kardinal Theodore McCarrick – einst einflussreich und bei Papst Franziskus geschätzt – fiel tief. Missbrauchsvorwürfe kleben an ihm in einer Menge, die dem Vatikan sogar die Laisierung ratsam erscheinen ließ. Seine Causa hat die US-amerikanische Kirche in eine tiefe Krise gestürzt, die noch in keiner Weise aufgearbeitet und überwunden ist. Auch die katholischen Gläubigen in Europa zeigen Wirkung: katholische Amtsträger sind mit einem derartigen Vertrauensvorschuss ausgestattet, dass wir uns als Kirche den Einfluss solcher Typen nicht leisten können. Wer unter den praktizierenden katholischen Gläubigen möchte ernsthaft unter der geistlich (und oft genug auch politisch Einfluss nehmenden) Leitung mafiöser und skrupelloser Typen stehen?

Erzbistum Washington arbeitet auf - aber zeitverzögert

Jedenfalls: Das Erzbistum Washington D.C. stellt sich diesem Problem – aber erkennbar zeitverzögert und ungeschickt. Geschlagene VIER Monate hat es gedauert, bis das Kardinalswappen des Erzbischofs von Washington nach seiner Laisierung aus seiner früheren Kathedrale entfernt wird. Und diese Information muss man einem Twitterzufallsfund entnehmen, denn eine Pressemeldung des Erzbistums scheint es bisher dazu noch nicht zu geben. Die US-amerikanische Katholikin Anna Harter dokumentiert die Arbeiten am früheren Bischofswappen mit Fotos (siehe unten).

Auch mit der Aufbereitung der Bischofschronik auf der Homepage des Erzbistums tut man sich schwer. Monatelang war dort noch eine einseitig ehrenhafte Biographie auf McCarrick zu finden gewesen, obwohl McCarrick da wegen der Länge und Schwere der Vorwürfe gegen ihn längst kein Kardinal gewesen war. Inzwischen hat das Erzbistum zu einer ernstzunehmenderen Darstellung auf ihrer Homepage gefunden. Denn natürlich ist auch Fakt: Ganz auslöschen kann man Missetäter McCarrick nicht aus der Bistumsgeschichte. Deshalb ist McCarricks Wappen nur noch stark verdunkelt angedeutet. Im Begleittext heißt es nun (kath.net übersetzt diesen Text ungekürzt): Theodore Edgar McCarrick war der fünfte Erzbischof von Washington, er war von 2001 bis 2006 im Amt. Im Februar 2001 wurde er zum Kardinal ernannt. Er legte dieses Amt im Juli 2018 nieder wegen des Vorwurfs des Fehlverhaltens während seiner Zeit, bevor er Erzbischof von Washington geworden war. Er wurde im Februar 2019 nach Abschluss eines kanonischen Gerichtsverfahrens durch die Kongregation für die Glaubenslehre aus dem Klerikerstand entlassen.“


Zu wenig Aufarbeitung?

Doch noch drängender als das Problem, wie sich das Erzbistum Washington nun an seinen früheren Erzbischof erinnern mag, ist folgender Punkt:
Blickt man auf die weitere Entwicklung in der Missbrauchskrise der US-amerikanischen katholischen Kirche, dann sieht man zu wenig Aufarbeitung. US-Katholiken nennen weitere Namen von Kardinälen, deren Vita und Lebensführung dringend kritisch untersucht gehört, darunter die Donald William Kardinal Wuerl (unmittelbarer Nachfolger McCarricks als Erzbischof von Washington) und Kurienkardinal Kevin Farrell, Präfekt des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben.

Zumindest im Radar der Presseöffentlichkeit lässt sich hier nichts erkennen, im Gegenteil: der umstrittene Kardinal Farrell wurde Februar 2019 von Papst Franziskus ausgerechnet zum Kardinalkämmerer der Heiligen Römischen Kirche ernannt, das bedeutet, dass er während der nächsten Sedisvakanz für die Organisation des Konklaves und die Verwaltung des Heiligen Stuhls verantwortlich ist, er wird also die Staatsgeschäfte führen.

Unter den hohen Würdenträgern in McCarricks unmittelbarem Umfeld ist außerdem offenbar ein gravierender Mangel an korrekter Einschätzung in Krisensituationen zu verorten. Man habe nichts gesehen, oder man habe das nicht geglaubt. Man habe auch nur vereinzelt Gerüchte gehört. Kardinal Wuerl behauptet beispielsweise Mitte Januar 2019 in einem Brief an die Priester seines Bistums allen Ernstes, er habe die Vorwürfe massiven sexuellen Missverhaltens, die ihm über McCarrick zugetragen worden waren, „vergessen“: „Es ist mir wichtig, persönliche Verantwortung zu übernehmen und mich für diese Gedächtnislücke zu entschuldigen. Es gab nie eine Absicht, falsche Informationen zu liefern.“ Die Vorwürfe von 2004 gegen McCarrick und die Meldung an die Nuntiatur seien ihm inzwischen aber wieder „eingefallen“, kath.net hat berichtet.

Wo bleibt die Durchleuchtung der McCarrick-Protegées und der Schweigestrukuren?

Eine Untersuchung jener Geistlichen, die unter McCarricks schützender Hand Kirchenkarriere gemacht haben, wäre dringendst erforderlich und muss unbedingt öffentlich gemacht werden, um das schwer erschütterte Vertrauen der US-Katholiken wieder herstellen zu können. Die Zeit, in der eine öffentliche Entschuldigung gereicht hätte, ist längst vorbei.

Außerdem sollten alle kirchlichen Würdenträger, die Kenntnis von den Fehlverhalten McCarricks haben konnten, einer genauen kirchlichen Untersuchung unterworfen werden. Innerkirchlicher Artenschutz wäre angesichts des Ausmaßes der Missbrauchsverbrechen völlig unangebracht.

Verfolgt man nämlich die Meinungsäußerungen praktizierender US-Katholiken auf Twitter, dann lässt sich feststellen: diese Katholiken fühlen sich von ihrer Kirche massiv an der Nase herumgeführt. Eine Lösung ist – so der Tenor – nicht in Sicht, im Gegenteil kommt die Frage auf: War McCarrick vielleicht nur das Bauernopfer, das man seitens der Kirchenleitung erbracht hat, obwohl man die Grundprobleme in den eigenen Reihen nicht überzeugend angeht?

Petra Lorleberg auf Twitter folgen



Erzbistum Washington DC. - Vollständige Vorstellung des früheren Erzbischofs Ex-Kardinal Theodore McCarrick auf der Bistumshomepage - Stand 21.6.2019


Erzbistum Washington DC. - Vollständige Vorstellung des ´früheren Erzbischofs Theodore McCarrick´ auf der Bistumshomepage - Stand 5.9.2018


Foto oben: Archivfoto - Papst Franziskus begegnet Kardinal McCarrick


Ihnen hat der Artikel gefallen? Bitte helfen Sie kath.net und spenden Sie jetzt via Überweisung oder Kreditkarte/Paypal!

 





Lesermeinungen

Um selbst Kommentare verfassen zu können müssen Sie sich bitte einloggen.

Für die Kommentiermöglichkeit von kath.net-Artikeln müssen Sie sich bei kathLogin registrieren. Die Kommentare werden von Moderatoren stichprobenartig überprüft und freigeschaltet. Ein Anrecht auf Freischaltung besteht nicht. Ein Kommentar ist auf 1000 Zeichen beschränkt. Die Kommentare geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
kath.net verweist in dem Zusammenhang auch an das Schreiben von Papst Benedikt zum 45. Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel und lädt die Kommentatoren dazu ein, sich daran zu orientieren: "Das Evangelium durch die neuen Medien mitzuteilen bedeutet nicht nur, ausgesprochen religiöse Inhalte auf die Plattformen der verschiedenen Medien zu setzen, sondern auch im eigenen digitalen Profil und Kommunikationsstil konsequent Zeugnis abzulegen hinsichtlich Entscheidungen, Präferenzen und Urteilen, die zutiefst mit dem Evangelium übereinstimmen, auch wenn nicht explizit davon gesprochen wird." (www.kath.net)
kath.net behält sich vor, Kommentare, welche strafrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen, zu entfernen. Die Benutzer können diesfalls keine Ansprüche stellen. Aus Zeitgründen kann über die Moderation von User-Kommentaren keine Korrespondenz geführt werden. Weiters behält sich kath.net vor, strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.


Mehr zu

Missbrauch

  1. Papst an Italiens Kirche: Bei Missbrauch Mut zur Wahrheit
  2. Zwei (renommierte und namentlich bekannte) Missbrauchsopfer „blitzen mit ihren Protesten ab“
  3. Papst spricht drei Stunden mit Missbrauchsopfern aus Belgien
  4. Causa Rupnik: Papst bittet um Geduld für laufenden Vatikan-Prozess
  5. Massive Kritik am „Spiegel“ nach skandalösem Artikel über „Dragqueen“ Jurassica Parka
  6. „Kardinal Marx und Bischof Bätzing werden voraussichtlich in der Trierer Studie berücksichtigt“
  7. Vatikan ernennt Richterinnen und Richter im Fall Rupnik
  8. New Mexico klagt Meta, Mark Zuckerberg wegen Ermöglichung der sexuellen Ausbeutung von Kindern
  9. Synode über Synodalität verwendet Bilder von Marko Rupnik
  10. Missbrauchsexperte Zollner: ‚Keine Kultur der Rechenschaftspflicht’ in der Kirche






Top-15

meist-gelesen

  1. EILT - Sommerspende für kath.net - Bitte helfen SIE uns JETZT!
  2. Ostern 2027 in Rom - Große kath.net-Leserreise!
  3. „Fest in der Realität verankert, immun gegen Illusionen, ohne uns von Angst überwältigen zu lassen“
  4. Ständige Anbetung in Mainz unter Druck
  5. Wenn die Erinnerung bleibt, aber der Glaube schwindet
  6. Polnische Bischofskonferenz: „Leihmutterschaft ist eine in sich falsche Handlung“
  7. Jerusalemer Patriarch will zwischen Putin und Selenskyj vermitteln
  8. Russland: Autobiografie von Papst Franziskus zensiert
  9. Vatikan-Außenminister zieht positive Bilanz seiner Moskau-Reise
  10. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  11. Matthäi am Letzten will Bischof Feige nicht mehr
  12. Die umstrittene Synodalkonferenz der Kirche in Deutschland wurde leise abgesagt
  13. Polen - Erzbischof Galbas: „Es gehört auch zum Auftrag der Kirche zu sagen: ‚Du darfst nicht‘“
  14. Die Freiheit der Liebe und die Einheit im Gebet
  15. Jüngerschaft in Wien und darüber hinaus

© 2026 kath.net | Impressum | Datenschutz