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Bischofssynode: Die Stimme des Amazonas

17. Juni 2019 in Aktuelles, 5 Lesermeinungen
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Vatikan veröffentlicht Arbeitspapier für internationale Bischofsversammlung - Schwerpunkte auf Umwelt, Ökologie und indigene Völker, aber auch die Frage der Priesterweihe für verheiratete Männer und neue Ämter für Frauen sollen Thema sein


Vatikanstadt (kath.net/KAP) Der Vatikan hat am Montag das Arbeitspapier der bevorstehenden Amazonien-Synode veröffentlicht. Das Dokument ist Grundlage für die Beratungen der Bischöfe, die vom 6. bis 27. Oktober in Rom zusammentreten. Dabei soll es auch um die Frage der Priesterweihe für verheiratete Männer und um neue Ämter für Frauen in der katholischen Kirche gehen. Einen Schwerpunkt bilden die Umweltzerstörung in der arten- und rohstoffreichen Amazonasregion sowie der Schutz der Rechte von Indigenen.

An dem Treffen nehmen Kirchenvertreter aus den betreffenden Ländern wie Brasilien, Bolivien, Venezuela und Peru teil, ebenso jedoch auch Bischöfe aus der ganzen Welt sowie Ordensdelegierte, Laienvertreter und Fachleute. Die Versammlung steht unter dem Thema "Amazonien - neue Wege für die Kirche und eine ganzheitliche Ökologie". Die Ergebnisse der Synode sind nicht bindend, dienen aber dem Papst als Basis für weitere Entscheidungen.

Das im Original auf Spanisch verfasste Arbeitspapier ("Instrumentum Laboris") geht unter dem Schlagwort einer "ganzheitlichen Ökologie" auf ökologische und soziale Probleme in der Amazonasregion ein. Genannt werden neben Raubbau und der Bedrohung indigener Völker auch Migration, Urbanisierung, gesellschaftlicher Wandel und Korruption sowie Gesundheit, Bildung und eine "ökologische Bekehrung".

"Viri probati" und Frauenweihe

Weiter thematisiert das 45-seitige Dokument Herausforderungen der Kirche etwa im Umgang mit Ungerechtigkeit und kultureller Vielfalt, aber auch der seelsorglichen Betreuung in dem riesigen und schwer zugänglichen Regenwaldgebiet. In dem Zusammenhang heißt es, die Synode solle die Möglichkeit prüfen, in entlegenen Gegenden ältere und angesehene Familienväter ("Viri probati") zur Priesterweihe zuzulassen, um eine sakramentale Versorgung zu gewährleisten. Auch wird die Diskussion über einen amtlichen Dienst von Frauen in der Kirche vorgeschlagen; dabei verweist das Papier auf deren "zentrale Rolle". Statt jedoch bereits Lösungsvorschläge zu liefern, werden gemäß des Stils eines Arbeitsdokuments Fragestellungen für die Synode aufgezeigt.

Ferner betont das Arbeitspapier, die Kirche müsse eine "prophetische Rolle" in der Auseinandersetzung mit Macht und Menschenrechten einnehmen. Allein in Brasilien seien zwischen 2002 und 2017 nach einer kirchlichen Statistik 1.119 Indigene bei der Verteidigung ihrer Rechte ums Leben gekommen. Die Kirche könne demgegenüber nicht gleichgültig bleiben.

Perspektive der Indigenen

Oftmals verweist das Dokument auf Aussagen von Papst Franziskus in seinen Schreiben "Evangeli Gaudium" und "Laudato Si", wenn etwa eine "Kirche mit dem Antlitz Amazoniens" gefordert wird, die eine "aufdrängende monokulturelle, klerikale und koloniale Tradition" ablehnen müsse und die verschiedenen kulturellen Ausdrucksweisen der Völker unterscheide. Von europäisch und paternalistisch geprägten Vorstellungen über Amazonien und seine Menschen gelte es sich zu verabschieden zugunsten der Perspektive lokaler Kulturen wie besonders der indigenen Völker und der Nachfahren der afrikanischen Sklaven Lateinamerikas. Deren Sicht auf die Welt sei wie auch die christliche Sicht in einer Krise.

Dem Arbeitspapier war bereits ein langer Vorbereitungsprozess vorausgegangen, an dem sich mehr als 85.000 Menschen vor allem aus dem Amazonasgebiet per Fragebogen beteiligt hatten, zudem gab es Vorbereitungstreffen in Rom und vor Ort. Die Synode solle den Stimmen Amazoniens Raum geben, heißt es im Dokument. "Neue Antworten" seien angesichts derer existentiellen Nöten nötig, was durchaus auch für die Kirche und die Welt neue Wege bedeuten könnten, wird in der abschließenden festgehalten. Sichtbar werden solle bei der Bischofs-Versammlung im Oktober die "Synodalität einer Kirche im Aufbruch" - mit dem Ziel, besonders den Armen ein "Leben in Fülle" zu ermöglichen.

"Amazonien" statt "Amazonas"

Weiters stellt das Arbeitsdokument auch klar, dass die korrekte Bezeichnung der Synode vom 6. bis 27. Oktober "Amazonien-Synode" (nicht etwa "Amazonas-Synode") lautet: Worum es gehe, sei das riesige Gebiet Amazonien, dessen 7,5 Millionen Quadratkilometern weit mehr als nur den Amazonasfluss umfasst.

Zur Region zählen Teile von neun Ländern, darunter Brasilien, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Guyana, Peru, Surinam, Venezuela sowie Französisch-Guayana. Rund drei Millionen Menschen aus rund 390 Völkern und Nationalitäten leben hier, einzelne davon ohne jeden Kontakt zu anderen Zivilisationen. Amazonien beherbergt zudem 30 bis 50 Prozent der weltweiten Flora und Fauna sowie 20 Prozent der nicht im Eis eingefrorenen Süßwasserreserven. Da ein Drittel der globalen Urwaldbestände hier stehen, gilt die Region als die "grüne Lunge der Erde". Das ökologische Gleichgewicht der Region wurde in der jüngeren Vergangenheit durch Landwirtschaft und Rohstoffabbau massiv bedroht. Wissenschaftler warnen vor irreversiblen Folgen für Umwelt und Klima, sollte sich dieser Trend fortsetzen.

Copyright 2019 Katholische Presseagentur KATHPRESS, Wien, Österreich


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Lesermeinungen

 Stephaninus 19. Juni 2019 
 

Die Kirche wird wohl radikal anders werden

so sieht es aus....


3

0
 
 Konrad Georg 18. Juni 2019 
 

Hinterlistig

wie schon ein paar Mal.


5

0
 
 Smaragdos 18. Juni 2019 
 

Viri probati für Amazonien - ein weiterer "Einzelfall" zur weiteren Destabilisierung der Kirche

Eisenherz sagt ganz richtig: "Der bevorstehende Missbrauch dieser (Einzelfall-)Regelung ist doch offensichtlich! Wenn es im Amazonas geht, dann geht's doch bei uns auch, oder?"

Genauso ist es, und genau das nimmt PF wohlwollend in Kauf. Er stösst ja gerne "Prozesse" an, bis sich die katholische Kirche im Protestantismus auflöst wie Zucker in Wasser!

Dieser offizielle "Einzelfall" ist nämlich nur die Vorbedingung für den weiterhin zwar inoffiziellen, aber dennoch offiziell geduldeten Fall all derer in der Kirche, die den Zölibat für sich abschaffen wollen.

Die faule Taktik von PF besteht also nicht darin, dass er für die Weltkirche den Zölibat offiziell abschafft, was auf zuviel Widerstand stossen würde, sondern dass er tückisch in einem ersten Schritt einen offiziellen Einzelfall zulässt, damit dann alle, die dasselbe wollen, sich in einem zweiten Schirtt ermutigt fühlen, dasselbe inoffiziell zu tun. Mit wohlwollender Duldung des Vatikan.

Ich kann da nur sagen: Heuchler!


6

0
 
 Herbstlicht 17. Juni 2019 
 

voraussehbares Ergebnis

Der Zölibat wird fallen!
So ungeniert wird das seitens des Vatikan sicher nicht geäussert werden, um die konservativen Gläubigen nicht zu verschrecken. Diese sollen Schritt für Schritt an die gewünschten Veränderungen gewöhnt werden.
Bei dieser "Wanderung" bietet sich der Umweg über den "Amazonas" an, da er die willkommene Möglichkeit eröffnet, mittel- bis langfristig das längst ins Auge gefasste Ziel anzusteuern.
Drohende Abspaltungen nimmt man in Kauf.

https://www.vaticannews.va/de/kirche/news/2019-06/amazonas-synode-oesterreich-zulehner-kraeutler-erwartungen-zoeli.html


8

0
 
 Eisenherz 17. Juni 2019 
 

... wie war das noch mal mit dem Studium der Theologie für Priesterkandidaten?

Wenn es genügt, "in entlegenen Gegenden ältere und angesehene Familienväter ("Viri probati") zur Priesterweihe zuzulassen, um eine sakramentale Versorgung zu gewährleisten", dann stellt sich die Frage, welche Ausbildung diese haben sollen und ob es ohnehin egal ist, dass sie eine solche haben? Bei den technischen Möglichkeiten, heilige Messen über Medien zu verfolgen (die in diesem Fall ja durchaus auch eine geistige Kommunion ermöglichen), dann frage ich mich schon, ob die Kirche einen derart zentralen Grundbaustein der Kirchenverfassung so einfach über Bord werfen sollte. Der bevorstehende Missbrauch dieser Regelung ist doch offensichtlich! Wenn es im Amazonas geht, dann geht's doch bei uns auch, oder? Zuerst wird ein künstlicher Priestermangel herbeigeführt und dann werden die Strukturen verändert - das wäre das Ende des Zölibats und das Ende der Einheit in der römischen Kirche so wie wir sie jetzt kennen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alle Gläubigen mitmachen werden!


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