17 Juni 2019, 14:23
Gebet kann Dinge verändern!
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Der Auftritt von Sebastian Kurz bei "Awaking Europe" in Wien sorgte für Begeisterung, aber auch emotionsgeladene Ablehnung sowohl aus politischen als auch aus christlichen Kreisen - Ein Kommentar von Roland Noé

Linz (kath.net/rn)
„Awakening Europe“, so nennt sich eine Veranstaltung in Wien, die vier Tage lang nach 10.000 Christen in der Wiener Stadthalle versammelte. Medien berichteten im Vorfeld kaum, doch das änderte sich wenige Stunden vor Ende Veranstaltung schlagartig. Was war passiert? Sebastian Kurz, der ehemalige Bundeskanzler der Republik Österreich, hatte die Veranstaltung besucht. Nur wenige wussten darüber im Vorfeld Bescheid, bekannt wurde es erst am Sonntag knapp vor dem Eintreffen des Ex-Kanzlers.

Sebastian Kurz sprach lediglich einige wenige knappe aber freundliche Grußworte. Er war bereits dabei die Bühne zu verlassen, als Ben Fitzgerald, evangelikaler Pastor aus Australien und Leiter von „Awakening Europe“, den Impuls hatte, für Kurz zu beten. Kurz selbst wusste im Vorfeld nichts davon. Ben Fitzgerald lud dabei auch die 10.000 Teilnehmer der Veranstaltung ein, für den Jung-Politiker zu beten, was diese gerne taten.

Für die Teilnehmer von „Awakening Europe“ ist diese Art von Gebet übrigens überhaupt nichts Außergewöhnliches, es wurde in diesen vier Tagen auch in der gesamten Stadt Wien bei sogenannten „Outreaches“ Menschen auf der Straße ein Segensgebet angeboten.

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Später wurden die Videos ins Internet gestellt – das genügte, um via Twitter-Blase Journalisten darauf aufmerksam zu machen, die das „Skandälchen“ dann medial verarbeiteten. Zuerst thematisierte der „Standard“ die Story, später zog „Österreich“ nach und schrieb: „Dieses Video ist der absolute Hit auf Facebook und Twitter, die Zugriffszahlen auf YouTube gehen seit heute durch die Decke: Sebastian Kurz wurde am Sonntag bei einem religiösen Mega-Event in der ausverkauften Wiener Stadthalle gesegnet – rund 10.000 Menschen beteten mit erhobenen Armen für den Ex-Kanzler.“

Soweit so unspektakulär. Durch diese Berichte hatten inzwischen auf den verschiedenen Plattformen von kath.net hunderttausende Menschen die Videos gesehen, bei kathnet-YouTube folgte ein unglaublicher Sturm von Hasskommentaren, sodass dort die Kommentarfunktion eingeschränkt werden musste. Auch bei kath.net-Facebook häuften sich die Hasskommentare, die von außerhalb kamen.

Traurig mutet es allerdings an, dass es nicht nur von links-liberaler Seite massive Anfeindungen gab, sondern auch von Christen, die dem Altkanzler ganz einfach unterstellten, eine Wahlveranstaltung abgehalten haben und dabei wohlmeinend Christen zu benützen.

Vergessen wurde, dass Kurz bereits vor drei Jahren bei einer ähnlichen Veranstaltung, dem Marsch für Jesus in Wien anwesend gewesen war – der übrigens wie auch das "Awakening" auch damals zeitgleich zur Gay-parade in Wien stattgefunden hatte, die Kurz nie besucht hat. Kein Mensch hat Kurz vor drei Jahren vorgeworfen, eine Wahlveranstaltung abgehalten zu haben. Aufgrund seines Auftritts bei „Awakening Europe“ kamen nun solche Unterstellungen, obwohl Kurz durch diesen Auftritt nun massive Anfeindung erlebt, einerseits von Seiten der journalistischen Twitter-Blase (Armin Wolf, Jan Böhmermann...), andererseits auch von so manchen Christen, die mit erstaunlicher Überheblichkeit über die innerste Gesinnung eines Menschen urteilen ohne in ihn hineinsehen zu können.

So meinte Caritas-Chef Michael Landau auf Twitter ernsthaft: "Du aber, wenn du betest, geh in deine Kammer, schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist! Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten." (Mt 6,6) - Von Stadthalle steht da nichts. Da hat der @MathiasB89 völlig Recht.“ – Aufgrund dieser „Logik“ hätte eigentlich sein Vorgesetzter Kardinal Christoph Schönborn ebenfalls niemals in der Stadthalle beten dürfen, und sollte ab heute (Montag) eventuell auch veranlassen, alle Kirchen des Landes zu schließen, damit nur ja niemand mehr öffentlich beten kann.

Gewinnen konnte Kurz – politisch gesehen, bei "Awakening" – nicht viel, das wusste er bereits im Vorfeld, er kam trotzdem zur Veranstaltung.

Was so mancher der Christen, die sich über das Gebet für Kurz so aufregen, offensichtlich nicht weiß: In der Heiligen Schrift wird mehrfach zum Gebet für Politiker aufgefordert, in 1 Tim 2,1-2 heißt es: „Vor allem fordere ich zu Bitten und Gebeten, zu Fürbitte und Danksagung auf, und zwar für alle Menschen, die Herrscher und für alle, die Macht ausüben, damit wir in aller Frömmigkeit und Rechtschaffenheit ungestört und ruhig leben können.“ Dies nehmen insbesondere evangelikale Christen seit geraumer Zeit sehr ernst. In den USA ist dies auch Politikern gegenüber durchaus üblich und kein großer (medialer) Aufreger.

Ein anderes Argument von so manchem Kritiker ist, dass Kurz keine christliche Politik mache. Dies wiederum ist im Bezug auf dieses (und jedes anderes Gebet) völlige Nebensache, denn Christen, die ihren Glauben ernst nehmen, beten für jeden – es ist nicht erforderlich, einen moralischen Persilschein mitzubringen, um sich für Gebet zu „qualifizieren“!

Es gibt selbstverständlich auch für Gebet offene Menschen aus anderen Parteien: so wurde zum Beispiel in Gmunden beim KISI- Pfingsttreffen 2018 von 1000 überwiegend jungen Katholiken ein Segensgebet für die anwesende SPÖ-Bürgermeisterin von Altmünster gebetet, die offensichtlich erfreut und berührt war. Auch beim jüngsten Gebetstreffen im Parlament wurde für die Politiker gebetet, eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

Ein Gedankenspiel: Nehmen wir einmal an, dass Kurz doch wegen der Wahl gekommen ist und dort eine Wahlrede gehalten hat. So what? Was wäre das Problem, wenn sich ein Politiker bemüht, Christen zu gewinnen? Tritt der Bundespräsident bei der EuroPride öffentlich auf, hat doch auch niemand ein Problem? Kein anderer Politiker – außer Gudrun Kugler - hat sich bei "Awakening" blicken lassen. Alle hätten kommen können, und für alle, egal von welcher Partei, wäre gebetet worden.

Gebet von 10.000 Menschen vor Ort und vielen tausenden Menschen über den Stream für eine Person bleibt nie (!) ohne Folgen. Ein Gebet von Ben Fitzgerald, der so eine radikale Bekehrung zu Christus erlebt hat und als Vollzeitmitarbeiter das Evangelium auf der ganzen Welt verkündet, ist ein besonderes Geschenk.

Gebet kann Dinge verändern, die wir vielleicht nicht sofort sehen können, selbst wenn – rein theoretisch – die Motive über das Kommen nicht ganz „rein“ gewesen wären. Wer gibt uns Christen eigentlich das Recht, die innerste Motivation eines Menschen zu beurteilen und ihn dann zu ver-urteilen?

Negativ überrascht bin ich davon, dass so manche „Fromme“ eine Enge entwickelt zu haben scheinen, die de facto die Kraft des Gebetes verleugnet und missversteht- die sie am Ende des Tages noch ähnlich agieren lässt wie eine links-liberale agnostische Seite, die Kurz richtiggehend hasst, mit einer unfassbar lieblosen öffentlichen Wortwahl.

Aber: wir Christen sind fest überzeugt von Dingen, die wir nicht immer gleich sehen können: durch unser vereintes Gebet kann etwas bewirkt werden. Beten wir also für Sebastian Kurz und auch andere Politiker, die die Nähe der Christen suchen und dies auch zulassen. Wer macht mit?

Das "Aufreger-Video:




Ansprache von Sebastian Kurz:


Rede von Sebastian Kurz bei Awakening Europe - 17.6.2019 from kath.net on Vimeo.



Video-Kommentar von Philipp Knapp zur Aufregung um KURZ



All das können wir in die göttliche Whatsapp-Gruppe weiterleiten! from kath.net on Vimeo.

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