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Ägypten: Von koptischem Christ fehlt jede Spur

17. Juni 2019 in Weltkirche, 3 Lesermeinungen
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Der 55-jährige Adeeb Nakhla wurde im Januar auf der nördlichen Sinai-Halbinsel verschleppt. Seitdem gibt es von ihm kein Lebenszeichen - Augenzeuge: Die Entführer seien wie IS-Milizen gekleidet gewesen


Kairo-München (kath.net/KIN) Ägyptens Christen kommen nicht zur Ruhe. Trotz einer vorsichtigen politischen Entspannung sind Übergriffe und Entführungen keine Seltenheit. So auch im Fall des 55-jährigen Adeeb Nakhla (Archivfoto). Er wurde im Januar auf der nördlichen Sinai-Halbinsel verschleppt. Seitdem gibt es von ihm kein Lebenszeichen. Ein Verwandter Nakhlas, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, erzählte dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ seine Geschichte.

Am 17. Januar brach Nakhla von seinem derzeitigen Wohnort Ismailia, 130 Kilometer nordöstlich von Kairo, zu einem Verwandtenbesuch auf. Mit einer Reisegruppe wollte er nach Al-Arisch, einem Küstenort unweit der Grenze zu Israel. Islamistische Milizen stoppten den Bus. Sie ließen sich die Pässe zeigen – auf ihnen ist auch die Religionszugehörigkeit vermerkt. Als sie feststellen, dass Nakhla koptischer Christ ist, zwangen sie ihn, aus dem Fahrzeug auszusteigen und mitzukommen. Danach verliert sich seine Spur.

Morddrohungen wurden wahr

Nakhla war wie dutzende christliche Familien 2017 aus Al-Arisch geflohen. Sie hatten Morddrohungen erhalten. Wer blieb, wurde umgebracht. „Wir haben Al-Arisch verlassen, nachdem die Terroristen bereits sieben christliche Nachbarn getötet hatten“, erzählt der Verwandte von Nakhla. Unter den Opfern hätten sich auch Vater und Sohn einer Familie befunden. Die Terroristen töteten sie und zündeten anschließend das Wohnhaus an. „Die Ehefrau und Mutter der beiden Männer wurde gezwungen, dabei zuzusehen. Sie ist schwer traumatisiert.“

Die christlichen Familien fanden Zuflucht in Ismailia. Nach gut einem Jahr kehrten die meisten Vertrieben in ihre Heimat zurück, schließlich hatten sie Arbeitsstellen und Besitz zurückgelassen. „In Ismailia hatten wir keine Arbeit. Wir lebten von der Unterstützung der Kirche“, erzählt der anonyme Gesprächspartner. In ihrer Heimat Al-Arisch habe sich die Sicherheitslage mittlerweile etwas gebessert. „Dank des energischen Vorgehens der ägyptischen Armee fühlen wir uns sicherer. Auf den Fernstraßen ist es jedoch noch immer gefährlich.“

Verbindungen zum IS?

Das wurde auch Adeeb Nakhla zum Verhängnis. Er war nicht mit seiner Familie in die Heimat zurückgekehrt, da er als einer der wenigen in Ismailia Arbeit gefunden hatte. Regelmäßig besuchte er seine Angehörigen – bis zu jenem verhängnisvollen Tag Mitte Januar. Sein Verwandter berichtet: „Laut dem Fahrer des Kleinbusses seien die Milizen wie IS-Kämpfer gekleidet gewesen. Unsere größte Angst ist, dass Adeeb misshandelt und getötet wird, wie es mit vielen anderen Kopten passiert ist.“

In Ägypten sind rund acht Prozent der gut 93 Millionen Einwohner Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Weitere Infos zur Lage in Ägypten liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: https://religious-freedom-report.org/de/pdf_de/?pais=1766

„Kirche in Not“ steht der christlichen Minderheit in Ägypten bei. Das Hilfswerk fördert unter anderem das Leben christlicher Gemeinden, Ferienfreizeiten für Jugendliche und die religiöse Bildung. Auch unterstützt „Kirche in Not“ den oft schwierigen Bau und Unterhalt kirchlicher Gebäude oder finanziert Fahrzeuge, damit Pfarrangehörige und Seelsorger in weit voneinander entfernte Gebiete gelangen können. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden:

Kirche in Not Deutschland

Kirche in Not Österreich

Kirche in Not Schweiz

Foto: Der entführte koptische Christ Adeeb Nakhla © Kirche in Not


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Lesermeinungen

 hape 17. Juni 2019 

@Herbstlicht

Sie haben schon recht, dass wir gerade die vom Islam verfolgten Christen im Gebet nicht vergessen dürfen. Ich bedaure sehr, dass deren Martyrium nicht nur in der Kirche, sondern auch in der Öffentlichkeit weitestgehend verschwiegen wird. Kirche-in-Not ist da eine bemerkenswerte Ausnahme. Ich werde oft nachdenklich, wenn gerade Muslime in Deutschland lautstark reklamieren, verfolgt und benachteiligt zu sein. Es ist immer gut, für de Frieden in der Welt und für die Einheit der Kirche zu beten. Ganz unabhängig davon, ob dies nun bei der FSSP, der FSSPX oder im Novus Ordo geschieht. Der Herr selbst weiß die Dinge schon richtig einzuordnen.

Im Gebet verbunden, Hape


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 Herbstlicht 17. Juni 2019 
 

@hape

Vielleicht habe ich mich unklar ausgedrückt.
Ich erwarte ja nicht, dass in den Fürbitten "für jeden konkreten Sünder und jede konkrete Sünde um Verzeihung" gebetet wird.
Es ging mir allgemein um die fehlenden Fürbitten für verfolgte Christen, vor allem in islamisch geprägten Ländern.
Und ich denke, diese Problematik wäre es wert, diese immer wieder vor den Herrn zu tragen.

Im übrigen besuche ich auch die Hl. Messen im tridentinischen Ritus.
Allerdings nicht wie Sie bei der Petrusbruderschaft, sondern bei der Piusbruderschaft in der nächsten Stadt und ich bin sehr froh darüber, diese Rückzugsmöglichkeit zu haben.
Von der Sühnenacht habe ich gehört, sie findet allerdings in der Kirche des Priorats statt und dies ist zu weit entfernt, als das ich hinfahren könnte.


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 Herbstlicht 17. Juni 2019 
 

Wie ist das bei Fürbitten?

Der Not der Christen scheint man in der Kirche keinen übergroßen Raum geben zu wollen.
Mir fällt schon lange auf, dass selbst in den sonntäglichen Fürbitten dieses Thema kaum aufgegriffen wird. Für alles mögliche und -zugegeben- auch wichtige wird gebetet, aber kaum für die verfolgten Christen, zumindest ist das hier bei uns so.
Auch deshalb sei Kirche in Not herzlichen Dank gesagt für ihre konkrete Hilfe vor Ort.


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