12 Juni 2019, 16:00
Er zieht an mir vorüber und ich bleibe gesegnet zurück.
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Was für ein besonderer Moment, wenn eine so große Masse schweigt und einfach nur wartet. Wartet, dass ER kommt. Und Jesus kommt und macht alles neu - Die Jugendkolumne von kath.net - Von Lucia Kirchgasser

Salzburg (kath.net)
Es ist Samstagabend. Ich sitze irgendwo im Salzburger Dom am Boden und warte, dass der Barmherzigkeitsabend beginnt. Um mich herum irre viele Menschen. Wir sitzen dicht aneinander gedrängt. Immer, wenn ich glaube, dass jetzt wirklich niemand mehr dazwischen passt, kommt doch noch einer, der irgendjemanden kennt und dringend noch hierher muss.

Ich atme tief ein. Um mich ein Gewusel und Gedränge, und doch ist irgendwie alles geordnet und ruhig. Mehrere tausend Menschen füllen den Dom, größtenteils Teenager, und ich kann nur staunen, denn ein langes „Schschschsch…“ durch das Mikrofon genügt und es wird still. Richtig still. Ich kann meinem Freund nur zustimmen, als er mir ins Ohr raunt, dass es so leise noch nicht einmal an einem gewöhnlichen Wochentag ist, wenn gerademal eine Handvoll Touristen durch den Dom flaniert.

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Was für ein besonderer Moment, wenn eine so große Masse schweigt und einfach nur wartet. Wartet, dass ER kommt. Und Jesus kommt und macht alles neu.

Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben soll. Wahrscheinlich muss man einmal selber dort sein, um zu begreifen, was ich meine. Ich kann es nicht in Worte fassen, aber die Atmosphäre verändert sich im Laufe dieses Abends so spürbar, dass man es fast schon mit den Händen greifen kann.

Ich sitze an eine Säule gelehnt und fühle wie meine Seele zur Ruhe kommt. So viele Priester sind heute Abend hier im Einsatz. Beichte um Beichte legt sich ein himmlischer Frieden wie eine Wolke über den Domplatz. Es ist ein Frieden, der das Innerste erfasst und mein Herz berührt. Die Dunkelheit weicht. Gott ist da.

Wie gesegnet bin ich, dass ich so etwas erleben darf! Dann dringt ein Lied des Lobpreisteams in mein Bewusstsein vor, dass ich das erste Mal vor einigen Jahren gesungen habe. Es war auf einer großen Gebetskonferenz. Meine Bekehrung war noch ganz frisch und ich mir selbst nicht so sicher, wo ich eigentlich gerade stehe und was ich glaube. Alles war ungewohnt und neu. Ich erinnere mich noch genau an dieses mulmige Gefühl - alle anderen sind schon ewig dabei, wissen über alles Bescheid und kennen jeden. Vorsichtig bin ich dem Rudel gefolgt, um mich nicht zu blamieren. An diesem Wochenende vor ca. fünf Jahren habe ich es das erste Mal gehört. „Und wäre mein Lob, wie kostbares, duftendes Öl, ich gösse es aus, über deine Füße, o Herr…“. Damals war mir nicht so genau bewusst, was ich da singe.

Ich hatte keine Vorstellung davon, wie unsagbar gut Gott mich durch meine tiefen Täler führen und wie sehr er mich in den darauffolgenden Jahren beschenken würde. Ich hatte keine Ahnung auf wie viel Freude ich hoffen durfte. So viel ist seither passiert. Mit jedem weiteren Jahr mit Gott an meiner Seite wird mein Leben voller und schöner. Mehr Freunde, mehr Gemeinschaft, mehr Heilung, mehr Liebe, mehr Freiheit, mehr Abenteuer, mehr Tiefe, mehr Siege, mehr Stärke, mehr Erkenntnis davon, wer ich wirklich bin. Ja, da ist noch viel Chaos in meinem Leben und viel Gebrochenheit, aber ich bin auf dem Weg. Ich bin auf dem guten Weg in die richtige Richtung. Gott ist für mich. Gott ist mit mir. Gott liebt mich.

Das alles wird mir in diesem Moment im Dom bewusst und ich singe laut und voller Dankbarkeit dieselben Zeilen wie damals. Und plötzlich ist da Jesus im Allerheiligsten. Dabei sitze ich nicht an einem der Hauptgänge. Eigentlich ist da überhaupt kein Platz für diesen Zug aus Kerzen, Weihrauch und IHM. Aber Jesus bahnt sich einen Weg durch die Menge zu mir. Ich strecke ihm die Hände entgegen und singe. Er zieht an mir vorüber und ich bleibe gesegnet zurück.

Gott hat Großes an mir getan und er tut es noch. Denn seine Huld währt ewig! Halleluja!

Foto: (by) Loretto

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