18 Mai 2019, 12:00
Unterstützen Sie auch weiterhin den Fels, nicht die Pforten der Hölle!
 
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Die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) unterstützt die Protestbewegung Maria 2.0. Dazu ein Gastkommentar von Pater Stefan Havlik OT

München (kath.net)
Liebe Frau Aigner, dass sich die Damen, die sich unter der Überschrift „Maria 2.0“ versammelt haben, über Ihre Unterstützung freuen, ist sicherlich so – auch, weil Sie den Altersschnitt der Unterstützerinnen dabei deutlich senken. Ich freue mich über Ihre Äußerungen nicht.

Sie möchten den Zölibat abschaffen: Eine Lebensform, für die sich seit vielen Jahrhunderten Männer frei entscheiden, die durch alle Zeit Objekt der Kritik und der Ablehnung durch die Welt und ihr Denken war, die ein Zeichen ist, dass da ein Leben anders – ganz anders – gelebt werden soll. Ja, die Geschichte des Zölibats ist auch eine Geschichte des Scheiterns damit – aber würden Sie die Ehe abschaffen wollen angesichts der Scheidungsfälle, die es sicher auch in Ihrem persönlichen Umfeld gibt? Wohl kaum.

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Selbstverständlich gibt es Priester, die sich über den Zölibat beklagen. Jede Lebensform kennt Herausforderungen und auch der Zölibat ist nicht für jeden täglich schön. Aber wer sich darauf einlässt – freiwillig, und heute im Gegensatz zu Ihrer Äußerung durchaus in einem Alter, in dem reife Entscheidungen getroffen werden – wird auch viele Freiheiten darin entdecken. „Wer es fassen kann, der fasse es“ – ausgelost wird keiner. Im Übrigen: Wie sollte die Kultur der Klöster ohne Zölibat Zukunft haben?

In Deutschland leben 0,9 % der Katholiken – darum bin ich in diesen Tagen froh. In den meisten Regionen der Erde gibt es keinen Priestermangel, wird nicht über Frauenpriestertum und Zölibat diskutiert. Und, bitte, nein: Die Katholiken dieser Länder sind weder rückständig noch von gestern; katholisch zu sein heißt auch, keine neokoloniale Überheblichkeit zu pflegen. Deutschland ist Missionsland – und die Bischöfe Afrikas und Asiens werden uns hoffentlich weiterhin mit ihren Priestern unterstützen, bis eines Tages aus lebendigem Glauben heraus auch hierzulande wieder ausreichend Berufungen wachsen können.

Man wird sich in exotische Ecken begeben müssen, um Imaminnen und Rabinerinnen zu finden – und für den weltweit wichtigsten Partner Roms in der christlichen Ökumene, die Orthodoxie, ist ein „Frauenpriestertum“ undenkbar. Woher kommt das? Es ist in diesen Tagen wohl politisch längst nicht mehr korrekt, wenn man feststellt: Es gibt Bereiche, in denen sind Frauen geeigneter als Männer – und ebenso Bereiche, in denen Männer eher geeignet sind als Frauen. Was seit Jahrtausenden probat ist, ist nicht deswegen falsch, weil es nicht dem Denken der Postmoderne entspricht. Vielleicht müssen wir das neu lernen.

Im Gespräch mit dem „Merkur“ vermuten Sie, für den Zölibat gäbe es keine Begründung in der Bibel. Zweifellos hat Ihnen die kirchliche Katechese auch vermittelt: Die Lehre der Kirche steht auf zwei Säulen, der Schrift und der Tradition. Als ich mit Ordenseintritt, Diakon- und Priesterweihe den Zölibat versprochen habe, bin ich weder zwangsweise zum Junggesellen noch durch Kirchenrecht bestraft worden, sondern habe mich in Freiheit für diese Lebensform entschieden, wie schon so Viele vor mir. Ich entsinne mich, dass Sie selbst über Ihre Lebensform sagten, Sie hätten sich manchmal mehr Akzeptanz für eine unverheiratete Politikerin gewünscht – es wäre begrüßenswert, wenn Sie ebenfalls den Zölibat nicht nur als belastendes Joch, sondern auch als Chance akzeptieren würden, ein Leben ganz und gar Christus und seiner Nachfolge zu übergeben.

Was wäre wohl passiert, wenn es 2014 aus dem Domkapitel öffentlich Hinweise gegeben hätte, wie Sie als CSU-Bezirksvorsitzende besser mit der Kreidl-Affaire umgegangen wäre? Was wäre geschehen, wenn eine Gruppe von Pfarrern Ihnen per Interview ausgerichtet hätte, wie Ihr Machtkampf mit Markus Söder zu gewinnen gewesen wäre? Ich vermute, es hätte rasch – nicht von Ihnen, aber aus den Reihen 3 bis 17 der CSU – geheißen, Kirche und Staat seien bittesehr getrennt zu halten. Diejenigen, die ihre persönliche Frömmigkeit nur dann entdecken, wenn das christliche Abendland nicht der AfD überlassen werden soll, hätten deutlich gepoltert, dass die Kirche sich nicht in die Politik einmischen darf. Einverstanden!

Sie stellen in Aussicht, sich auch an einem „Kirchen-Streik“ zu beteiligen. Was soll der ausbleibende Besuch einer Heiligen Messe bewirken? Ein Gottesdienst ist nicht die persönliche Sonntags-Revue eines Pfarrers, der darauf hofft, möglichst viele Eintrittskarten zu verkaufen. Heilige Messe ist Begegnung des Menschen mit Gott – wer darauf verzichtet, schadet sich nur selbst.

Vielleicht wäre es stattdessen eine Idee, ein Frauenkloster zu besuchen – und, ja, es gibt auch einige, die jüngere Frauen in ihren Reihen wissen. Dort kann man vielen beeindruckenden Ordensschwestern begegnen, die vor Allem eines tun: Beten, auch um die Einheit der Kirche, die uns Allen Verpflichtung ist. In Klöstern wird seit Jahrtausenden gebetet und ganz ohne mediale Aufmerksamkeit dem Herrn der Kirche hingelegt: „Dein Wille geschehe.“

Es gibt für politisch engagierte Katholiken viel zu tun: Wir werden Zeugen der größten Christenverfolgung der Menschheitsgeschichte in dieser Welt. Länder, mit denen Deutschland Milliarden umsetzt, unterdrücken Frauen und richten Menschen wegen ihrer sexuellen Ausrichtung hin. Tagtäglich werden Kinder im Mutterleib getötet, auch in Bayern, weil sie nicht in den „Lebensplan“ passen. Die Gesellschaft tendiert dazu, immer mehr den schönen, starken, sportlichen, gesunden Menschen in den Mittelpunkt zu stellen und behindertes, altes, pflegebdürftiges, sterbendes Leben möglichst zu ignorieren. Wer tatsächlich Maria nachfolgen möchte, der sollte sich nicht am Tun des Nachfolgers Petri abarbeiten, sondern sich für das einsetzen, was uns geschenkt ist: Das Leben.

Liebe Frau Aigner, Christus sagt zu Petrus: „Auf diesen Felsen baue ich meine Kirche und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden.“ Ich würde mich freuen, wenn Sie auch weiterhin den Fels, nicht diese Pforten unterstützen.

Mit freundlichen Grüßen,

Pater Stefan

Foto: (c) privat

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