06 April 2019, 07:00
Bistum Hildesheim macht sich an Missbrauchs-Aufarbeitung
 
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Bischof Wilmer beauftragt externe Fachleute mit Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch - Untersuchung umfasst Amtszeit des verstorbenen Hildesheimer Bischofs Janssen - Frage nach einem Beziehungsgeflecht der mutmaßlichen Täter

Hildesheim (kath.net/pbh) Das Bistum Hildesheim setzt die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch durch externe Experten fort. Bischof Heiner Wilmer SCJ hat vier unabhängige Fachleute beauftragt, mit Betroffenen und weiteren Zeitzeugen zu sprechen sowie in den einschlägigen Akten zu recherchieren.

Das Bistum Hildesheim setzt die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch durch externe Experten fort. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ hat vier unabhängige Fachleute beauftragt, mit Betroffenen und weiteren Zeitzeugen zu sprechen sowie in den einschlägigen Akten zu recherchieren.

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Nach dem 2017 veröffentlichten Gutachten des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) aus München ist es das zweite Mal, dass die Diözese Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt in ihrem Verantwortungsbereich von Gutachtern untersuchen lässt. Diese Untersuchung wird von einem Expertenteam durchgeführt, das unabhängig von den Interessen des Bistums arbeiten wird.

Die Leitung der externen Untersuchung hat die Vorsitzende Richterin am Verwaltungsgericht a. D. und ehemalige niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz übernommen. Sie fungiert als Obfrau.

Interviews mit Betroffenen und weiteren Zeitzeugen obliegen dem IPP unter Leitung der Diplom-Psychologen Gerhard Hackenschmied und Dr. Peter Mosser. Sie sind die Hauptautoren des vor zwei Jahren veröffentlichten Gutachtens zu verschiedenen Missbrauchsfällen im Bistum Hildesheim.

Die Recherche im Archiv leistet der Leitende Oberstaatsanwalt a. D. Kurt Schrimm aus Stuttgart. Er war 15 Jahre lang Leiter der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg.

Antje Niewisch-Lennartz ist zusätzlich zu ihrer Funktion als Obfrau der Expertengruppe für Personen ansprechbar, die sich als Zeitzeugen äußern oder in anderer Weise Hinweise geben möchten, die für die Untersuchung relevant sein könnten (Kontaktmöglichkeiten siehe unten).

Dazu können etwa Schilderungen ehemaliger kirchlicher Mitarbeiter gehören, die sich möglicherweise bisher nicht geäußert haben, weil sie dienstrechtliche Konsequenzen fürchteten. Auch Beobachtungen und Einschätzungen von damaligen Gemeindemitgliedern oder von Personen, die beispielsweise in Internaten, Heimen oder im Priesterseminar gewesen sind, werden von der Expertengruppe entgegengenommen.

Dieses offene Gesprächsangebot der externen Experten richtet sich dezidiert auch an Betroffene sexualisierter Gewalt, die sich als Zeitzeugen äußern möchten. Betroffene haben darüber hinaus aber weiterhin jederzeit die Möglichkeit, sich an die fachlich zuständigen und entsprechend geschulten Ansprechpersonen für Verdachtsfälle sexualisierter Gewalt im Bistum Hildesheim zu wenden (Kontaktdaten ebenfalls unten), die ebenfalls in keinem Abhängigkeitsverhältnis zum Bistum Hildesheim stehen.

„Wir möchten eine offene, schonungslose und wissenschaftlich fundierte Aufarbeitung des Unrechts. Ich bin Frau Niewisch-Lennartz, Herrn Hackenschmied, Herrn Dr. Mosser und Herrn Schrimm sehr dankbar, dass sie diese wichtige Aufgabe übernehmen. Sie sind absolut unabhängig von unserer Kirche und daher bestens geeignet, Licht ins Dunkel zu bringen“, sagt der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ.

Den Ausgangspunkt für das Vorhaben bilden die in den Jahren 2015 und 2018 dokumentierten Missbrauchsvorwürfen zweier Betroffener gegen den verstorbenen Bischof Heinrich Maria Janssen. Die Aufarbeitung wird aber deutlich darüber hinausgehen und zeitlich die Jahre 1957 bis 1982 umfassen. Während dieses Zeitraums war Janssen Bischof von Hildesheim.

Es wird um die Frage gehen, welche Rolle die Führungsebene des Bistums im Umgang mit Priestern spielte, die in der Amtszeit Janssens tätig gewesen und des sexuellen Missbrauchs beschuldigt worden sind.

Ebenso soll geklärt werden, ob es ein Beziehungsgeflecht der mutmaßlichen Täter untereinander gab und ob dieses mögliche Beziehungsgeflecht durch ein bestimmtes Personalmanagement gefördert wurde.

Darüber hinaus wird Bestandteil der Untersuchung sein, inwieweit institutionelle Bedingungen zum Entstehen von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch im Bistum Hildesheim beigetragen haben und welche Institutionen und Einrichtungen im Bistum betroffen waren.

Die Ermittlung durch die externen Fachleute erfolgt offen. Die Untersuchung ist als sondierende Studie angelegt und in eine Explorations-, eine Evaluations- und eine Ergebnisphase unterteilt. Alle drei Phasen sollen im Jahr 2020 abgeschlossen sein. Die Experten werden ihre Resultate dem Bistum und der Öffentlichkeit ohne jegliche Einschränkungen in einem Bericht mitteilen.

Sollten sich während der Sondierung weitergehende Fragestellungen ergeben, ist eine Folgestudie möglich. Die Expertengruppe wird in diesem Fall eine entsprechende Empfehlung an das Bistum aussprechen.

Kontakt zur externen Expertengruppe

Wer etwas zu berichten hat, das für die Studie relevant sein könnte, kann sich an die Obfrau der unabhängigen Expertengruppe, Antje Niewisch-Lennartz, wenden. Sie ist unter obfrau[at]wissenteilen-hildesheim.de per E-Mail erreichbar

Archivfoto Bischof Wilmer (c) Bistum Hildesheim

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