03 April 2019, 12:00
„Selbst Pro Familia weiß: es kann nach Abtreibung Depression geben“
 
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Birgit Kelle im kath.net-Interview über die Post-Abortion-Studie: „Ich vertraue darauf, dass Gesundheitsminister Jens Spahn sehr wohl weiß, dass er in Bezug auf die Studie unter Beobachtung steht. Und zwar von allen Seiten.“ Von Petra Lorleberg

Berlin (kath.net/pl) „Selbst bei der sogenannten Konfliktberatung bei Pro Familia weiß man ja, dass es die Frauen gibt, die nach der Abtreibung nicht glücklich, sondern depressiv sind.“ Darauf weist die Publizistin und Bestsellerautorin Birgit Kelle im kath.net-Interview zu der vom deutschen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn initiierten Studie über das Post-Abortion-Syndrom hin. Die prominente Buchautorin, die immer wieder auch in TV-Talkshows eingeladen wird, erläutert weiter: „Jedes Kind, das googeln kann, findet ohne Schwierigkeiten Frauen, die von ihrer harten Erfahrung berichten. Oft anonym in Selbsthilfegruppen. Aber auch in berührenden Schilderungen von Frauen in großen Zeitungen. Jeder weiß es. Das feministische Lager ist deswegen aufgescheucht, weil sie befürchten, dass es diesmal tatsächlich eine unabhängige und neutrale Studie sein könnte und nicht irgendeine von Abtreibungslobbyisten bezahlte Umfrage aus Übersee, die man uns sonst präsentiert, um zu ‚beweisen‘, dass Abtreibung glücklich macht.“

Kelle hat für den Verein „Durchblick e.V.“ den neuen Erklärfilm „Kann Abtreibung ein Trauma verursachen?“ redaktionell konzipiert, der der Frage nachgeht, ob Frauen mit einer Abtreibung ihre „Risiken für Depressionen, Angststörungen, Panikattacken und andere psychische Erkrankungen“ erhöhen. Außerdem kritisiert Kelle den Betriff des „sogenannten Lebensschützers“: „Ich habe noch nie von ‚sogenannten Umweltschützern‘ gehört. Das Anzweifeln redlicher Motive dürfen offenbar nur Menschen genießen, die sich für das Lebensrecht ungeborener Kinder einsetzen

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kath.net: Frau Kelle, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn kündigte vor einigen Wochen an, eine Studie in Auftrag zu geben, die den psychischen Folgen der Abtreibung für die betreffenden Frauen nachgehen sollte. Wie haben Sie die öffentlichen Reaktionen beobachtet?

Birgit Kelle:
Nahezu reflexhaft und erwartbar haben sich die Reaktionen in zwei Lager geteilt: Diejenigen, die seit Jahren Frauen im Schwangerschaftskonflikt und auch nach Abtreibungen begleiten, reagierten positiv, weil es damit endlich eine Chance gibt auf eine vernünftige und unabhängige Langzeitstudie zu einem wichtigen Thema.

Und dann war da die erwartbare Reaktion aus dem feministischen Lager, das lieber beide Augen zu macht, als zuzugeben, dass Abtreibung nicht immer die Lösung ist, sondern möglicherweise auch der Beginn neuer Probleme sein kann. Dann nämlich, wenn Frauen anschließend bereuen, was sie getan haben. Entsprechend ist es nahezu wie ein Pawlowscher Reflex, dass aus feministischer Sicht jeder Einwand sofort weggebissen werden muss. Da wird dann gekeift, dass sei Wahnsinn und rauschgeschmissenes Geld. Und manche, wie etwa die SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl, ließ sich gar dazu hinreißen, die einseitige Konzentration auf mögliche negative Folgen einer Abtreibung zeuge von einem „rechtsextremen Gedankengut“. Klar, wer die Frauen in Augenschein nimmt, die unter einer Abtreibung leiden, weil sie vielleicht gar nicht frei entschieden haben, oder von ihrer Familie oder einem Partner gedrängt wurden, die sind alle voll Nazi. Man bleibt sprachlos zurück.

kath.net: Viele Abtreibungsbefürworter behaupten, dass es kein Post-Abortion-Syndrom gebe. Warum können sich diese dann nicht einfach entspannt zurücklehnen und sagen: „Da freuen wir uns ja auf das Ergebnis der Spahn-Studie!“

Kelle:
Weil sie ja nicht blöd sind, sondern offenbar nur ignorant. Selbst bei der sogenannten Konfliktberatung bei Pro Familia weiß man ja, dass es die Frauen gibt, die nach der Abtreibung nicht glücklich, sondern depressiv sind. Jedes Kind, das googeln kann, findet ohne Schwierigkeiten Frauen, die von ihrer harten Erfahrung berichten. Oft anonym in Selbsthilfegruppen. Aber auch in berührenden Schilderungen von Frauen in großen Zeitungen. Jeder weiß es.

Das feministische Lager ist deswegen aufgescheucht, weil sie befürchten, dass es diesmal tatsächlich eine unabhängige und neutrale Studie sein könnte und nicht irgendeine von Abtreibungslobbyisten bezahlte Umfrage aus Übersee, die man uns sonst präsentiert, um zu „beweisen“, dass Abtreibung glücklich macht.

Und deswegen können sie nicht entspannt sein, denn sie wissen, dass könnte diese ganze „Abtreibung-löst-Probleme-Strategie“ voll an die Wand fahren, wenn man schwarz auf weiß stehen hat, wie es wirklich aussieht.

Wir haben fünf Millionen registrierte Abtreibungen in den vergangenen 20 Jahren. Das sind 5 Millionen betroffene Frauen, aber auch Millionen betroffene Männer, diese Kinder hatten ja Väter. Familientherapeuten wissen, dass diese Kinder auch bei Familienaufstellungen sichtbar fehlen.

Wie gehen eigentlich die Tausenden von Ärzten, Krankenschwestern und Hebammen damit um, wie verkraften sie es, sich am Töten beteiligen zu müssen? So eine Studie sollte alle Betroffenen einmal in Augenschein nehmen.

Wir haben mit Einführung der Fristenlösung eine stumme, schmerzvolle Schneise in dies Land gezogen. Und jetzt könnte das Schweigen gebrochen werden.

kath.net: Wie sehen Sie das selbst – vermuten Sie, dass Frauen nach einer Abtreibung mit psychischen Folgen zu tun haben könnten?

Kelle:
Ich vermute es nicht, ich weiß es. Ich kenne selbst betroffene Frauen. Es ist aber genaugenommen irrelevant was ich vermute, das Thema ist zu wichtig, als dass wir das auf Meinungen entscheiden sollten, es geht darum, die Fakten auf den Tisch zu bekommen.

In Deutschland darf normalerweise nicht einmal eine einfache Kopfschmerztablette verkauft werden, ohne auf alle auch noch so geringen gesundheitliche Risiken und Nebenwirkungen hinzuweisen, die man in medizinischen, klinischen Studien erforschen muss.

Es ist nahezu aberwitzig, dass bei einem derart gravierenden Eingriff wie einer Abtreibung keine klinische Studie vorliegt. Wer diese Risiken nicht erforschen will, verweigert Frauen absichtlich das Wissen um alle Folgen, die sie erwarten.

Was mich persönlich wirklich erschüttert zurück lässt ist, dass dieselben Feministinnen, die jetzt Therapeutinnen für Frauen nach Fehlgeburten fordern, gleichzeitig Therapeutinnen nach Abtreibungen nicht einmal andenken wollen.

Aber wenn doch der schicksalhafte Tod eines Kindes im Mutterbauch bereits nachweislich zu psychischen Traumata führen kann, wieso sollte der absichtlich herbeigeführte Tod des Kindes spurlos an der Frau vorüberziehen?

kath.net: Das Post-Abortion-Syndrom wird nicht überall anerkannt, beispielsweise listet es die Weltgesundheitsorganisation nicht als Störung auf. Kann man daraus folgern, es gibt kein Post-Abortion-Syndrom?

Kelle:
Die WHO ist längst keine unabhängige Gesundheitsbehörde mehr, sondern macht Politik und das gerne auch weltweit. Die WHO stuft je nachdem, wie der Wind oder auch der Zeitgeist sich dreht, ohne jegliche medizinische Grundlage gerade psychische Störungen beliebig hin und her.

Der WHO haben wir ja auch die bahnbrechende Empfehlung zu verdanken, dass die sexuelle Bildung von Kindern am besten schon mit vier Jahren beginnen sollte. Herzlichen Dank, aber die WHO ist für mich keine seriöse Instanz mehr.

kath.net: Abtreibungsbefürworter qualifizieren Lebensschützer allzu gern als Vorgestrige ein. Frau Kelle, auch Sie zählen zu den Lebensschützern – sind Sie also nicht emanzipiert, sondern in Ihren Positionen hoffnungslos eingestaubt?

Kelle:
Also normalerweise sind wir die „sogenannten Lebensschützer“. Ich habe noch nie von „sogenannten Umweltschützern“ oder „sogenannten Klimaschützern“ gehört. Das Anzweifeln redlicher Motive dürfen offenbar nur Menschen genießen, die sich für das Lebensrecht ungeborener Kinder einsetzen.

Genaugenommen verteidigen Lebensschützer die Verfassung und unsere aktuelle Rechtslage. Beide gehen davon aus, dass jeder Mensch seine eigene Würde hat von Anfang an. Deswegen ist Abtreibung ja auch nach wie vor im Strafgesetzbuch als ein Delikt gegen das Leben aufgeführt, auch wenn so manche „sogenannte Feministin“ das gerne anders sieht.

Wenn es also als unemanzipiert und angestaubt gilt, dass ich es nicht als Errungenschaft betrachte, dass man uns als Mütter das „Recht“ geben will, unsere Kinder nach Belieben im eigenen Bauch töten zu lassen, bin ich gern Antifeministin.

kath.net: Frau Kelle, Sie sind ja selbst CDU-Mitglied. Unterstützen Sie persönlich diese Initiative von Jens Spahn?

Kelle:
Na sicher unterstütze ich das, es ist eine gute Sache. Es wäre aber auch wichtig, gerade wegen der politischen Brisanz des Themas, dass diese Studie tatsächlich in guten Händen landet. Wir haben genug ideologisch geprägtes Material, das genau deswegen auch wenig tauglich ist. Wissenschaft muss unabhängig agieren können und darf nicht zum politischen Spielball werden. Wenn vorher schon feststeht, was auf gar keinen Fall rauskommen darf am Schluss, dann wäre das Geld in der Tat rausgeschmissenes Geld.

Ich vertraue darauf, dass der Minister sehr wohl weiß, dass er in Bezug auf die Studie unter Beobachtung steht. Und zwar von allen Seiten.

Verein Durchblick e.V.: ´Gibt es ein psychisches Trauma nach Abtreibung?´




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Von Birgit Kelle
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Pressefoto Birgit Kelle





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Foto (c) Birgit Kelle

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